Sonntag, 31. August 2014

441.

Zum heutigen Evangelium...

In jenen Tagen begann Jesus, seinen Jüngern zu erklären, er müsse nach Jerusalem gehen und von den Ältesten, den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten vieles erleiden; er werde getötet werden, aber am dritten Tag werde er auferstehen. Da nahm ihn Petrus beiseite und machte ihm Vorwürfe; er sagte: "Das soll Gott verhüten, Herr! Das darf nicht mit dir geschehen!" Jesus aber wandte sich um und sagte zu Petrus: "Weg mit dir, Satan, geh mir aus den Augen! Du willst mich zu Fall bringen; denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen". Darauf sagte Jesus zu seinen Jüngern: "Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, wird es gewinnen. Was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber sein Leben einbüßt? Um welchen Preis kann ein Mensch sein Leben zurückkaufen? Der Menschensohn wird mit seinen Engeln in der Hoheit seines Vaters kommen und jedem Menschen vergelten, wie es seine Taten verdienen". [Mt 16, 21-27]

"Weg mit dir, Satan, geh mir aus den Augen!"

So spricht Jesus zu Petrus, redet den Apostel dabei aber nicht als den Satan an, sondern redet zum Satan in Petrus, also zu der Stimme, die jeden Menschen dann und wann vom Weg abzubringen trachtet.

"Du willst mich zu Fall bringen; denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen."

So fährt Jesus fort. Obwohl er zum Satan spricht, sagte er nicht "Du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was Du und deine Dämonen wollen", sondern er sagt "Du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen".

Bedeutet dies nun, daß der Satan, die Dämonen und die Menschen dasselbe sind? Nein. Es bedeutet aber, daß Jesus den größten Trick Satans durchschaut hat und ihn uns auch sofort mitteilt: Satan hat es nicht nötig, den Menschen mitzuteilen, was er will. Er muß nur herausfinden, was die Menschen wollen und sie - falls ihr Wille sie vom rechten Weg abzubringen droht - in ihrem Vorhaben bestärken, indem er ihnen einredet, daß das, was wie ersehnen, ein echtes Gut ist, welches eine Verbesserung ihrer Lage bewirkt. Und er muß laut genug reden, um die andere Stimme - die des Gewissens - zu übertönen.

Wer kennt nicht die Stimme im Kopf, die uns zuraunt: "Du brauchst diesem Hilfesuchenden nicht beizustehen. Es kostet Zeit und wahrscheinlich auch Geld. Geh einfach weiter. Es gibt genügend andere Leute, die sich darum kümmern werden". Oder: "Nimm das ruhig mit. Es gehört zwar nicht dir, aber niemans wird es vermissen". Oder: "Betrüge hier nur ein wenig. Alle anderen tun es ja auch". Oder: "Du mußt deine Pflicht jetzt nicht erfüllen. Du machst ohnehin genug. Denk auch mal an dich".

Der Mensch hört zu, fühlt sich bestärkt, tut was die Stimme ihm sagt und es geschieht, was Jesus vermeiden möchte: Jesus kommt zu Fall. Und zwar in dem Menschen, der auf Satan hört. Der Mensch streckt die Hände nach dem Ersehnten aus, ergreift es, trägt es freudig davon und trampelt dabei über Jesus hinweg, den er soeben zu Fall gebracht hat und der nun zu seinen Füßen liegt.

Wie unterscheiden wir aber nun die Stimem Satans vor der Stimme unseres Herr, der uns auf dem rechten Weg leiten möchte? Indem wir darauf achten, ob es wirklich nur eine Stimmte gibt. Ist dies der Fall, dann können wir darauf vertrauen, das es Jesus ist, der uns führt. Gibt es aber zwei Stimmen, dann sagt die eine "Tu's!", während die andere mahnt "Laß es!", oder umgekehrt. Dieser Einspruch muß nicht immer so klar und deutlich zu hören sein. Aber wir alle haben eine Intuition, die uns im richtigen Augenblick zögern und nachdenken läßt.

Und sobald wir zögern und nachdenken, erkennen wir, daß mit dem, was wir soeben tun oder unterlassen wollen, etwas nicht stimmt. Und dann brauchen wir die Festigkeit und den Mut, den Gedanken zu Ende zu führen, um das Rechte zu tun und das Falsche zu lassen.

Dann verleugnen wir uns selbst und machen uns frei für die echte Nachfolge und für den einzigen Weg, nämlich den, der uns zu dem Leben führt, das wir nicht mehr verlieren und einbüßen werden.

Keine Kommentare: