Freitag, 29. August 2014

443e

Liebevoll...

Auf facebook läuft momentan eine interessante Debatte.

Ausgangsfrage war, wie man in Zusammenhang mit Jesu Kreuzestod mit Wendungen wie "mit liebevoll ausgebreiteten Armen" oder "Er breitet liebevoll die Arme aus" operieren kann (so wie es die Internetseite des Bistums Trier offenbar im Moment tut), während man aktuell in den Nachrichten aus Syrien und dem Irak schreckliche Bilder von tatsächlich Gekreuzigten sieht. Hier wird die Gefahr gesehen, daß Menschen, die den theologischen/heilsgeschichtlichen Zusammenhang nicht kennen, diese Sätze als Hohn empfinden könnten. Gefragt wird, ob Christi Erlösungstat nicht besser erklärt werden sollte, als daß man sie nur in mit stimmungsvollen Photos unterlegte Insider-Sätze verpackt.

Auf dem der Debatte beigefügten Bild des Bistums stehen diese Sätze:
    "Gottes unermeßliche Liebe zu uns - in den ausgebreiteten Armen Jesu am Kreuz ist sie für immer sichtbar geworden. Wer in dieser Gewißheit auf das Kreuz Christi schaut, dem wird es Kraft zum Leben sein"
Ich finde den Unterschied zwischen "Er breitet liebevoll die Arme aus" und "In den ausgebreiteten Armen ist die Liebe Gottes sichtbar geworden" durchaus wichtig.

Im Moment der Kreuzigung bedeuteten die ausgestreckten Arme unseres HErrn erst einmal Leid, so daß das Kreuz natürlich nur von der Auferstehung her einen Sinn ergibt, der über "Guck mal! Da ist jemand gekreuzigt worden!" herausgeht. Aber in dem Augenblick, wo die Kreuzigung ihren Sinn von der Auferstehung her nimmt, verschleudert sie diesen Sinn auch schon wieder an die ganze Menschheit, für uns verständlich übersetzt in "Das ist meine Liebe! Das ist Euer Heil!".

Vom Standpukt des Leidens aus hätte man ebensogut sagen können "Gottes unermeßliche Liebe zu uns wird in Jesu durchbohrten Füßen/dornengekröntem Haupt/striemendurchzogenem Rücken sichtbar".

Ich denke aber, daß die ausgebreiteten Arme auf ideale Art den Dreiklang der Bedeutungen zum Ausdruck bringen, der sich ergibt, wenn man Kreuzigung und Auferstehung gemeinsam betrachtet: Erstens ist das Leid unmittelbar erkennbar. Zweitens werden die Liebe und die Gnade sozusagen mit offenen Armen in die Welt hinausgeworfen. Drittens will Christus alle Menschen an sich ziehen und sie in seinen Armen bergen.

Somit teile ich also die Auffassung, daß wir denjenigen, die mit dem Glauben nicht vertraut sind, die Erklärung schulden, warum wir einerseits in den Schrecken der Kreuzigung eintauchen und trotzdem am anderen Ende gestärkt und voller Hoffnung wieder auftauchen können.

Diese Stärkung und diese Hoffnung sind es immerhin, die uns angesichts der Kreuzigungen im Irak und in Syrien bei aller Unerträglichkeit der Bilder von einem der schönsten Sätze der Weltgeschichte träumen lassen: "Heute noch wirst du bei mir im Paradiese sein!"

UPDATE: Auch auf katholon gibt's Gedanken zum Thema.

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