Donnerstag, 21. August 2014

451.

10 deutsche Wörter, um die uns US-Amerikaner (und vielleicht auch andere) beneiden...*

1.) Fremdschämen: Vielleicht, weil man im Leben doch leider oft genug Gelegenheit dazu bekommt, für andere Leute erröten oder im Boden versinken zu wollen, wünschen sich die Amis ebenfalls dringend drei Silben, die dieses Gefühl ziemlich genau auf den Punkt bringen.

2.) Kopfkino: Die Amis können das Phänomen natürlich in englischer Sprache erklären, haben aber eben leider kein Wort, daß dies mit der Präzision eines Peitschenhiebes tut.

3.) Drachenfutter: Auch die Amis haben es erkannt: Bringt ein Mann seiner Gattin Pralinen mit, weil er mit seinen Jungs nach der Arbeit noch ein wenig Zechen war und er daher den Drachen daheim zähmen muß, dann ist er ein sexistischer Macho. Sind die Geschlechterrollen verteilt, dann spricht man in der Regel von einer starken Frau, die weiß, was sie will.

4.) Schadenfreude: Ein eher gemeines Konzept, welches bei mir höchstens so weit reicht, daß ich mich über Tollpatschigkeiten amüsiere, nicht weil sie Schaden anrichten, sondern weil sie so slapstickmäßig aufgeführt werden. Zu Ende gedacht wäre wirkliche Schadenfreude (also sich zu freuen, weil ein anderer Mensch Schaden nimmt) die Kehrseite einer der Schlimmsten Sünden: Zu trauern, weil es einem anderen Menschen gut geht. Das Wort hat bereits Eingang in die englische Sprache gefunden, weniger mit einer "Ding dong the witch is dead!"-Bedeutung sondern eher im Sinne von "I told you so!"

5.) Ohrfeigengesicht/Backpfeifengesicht: Und noch ein gemeines Wort, dessen Existenz mir übrigens Rätsel aufgibt. Es gibt Gesichter, vor denen ich weglaufen möchte und es gibt Gesichter, die ich ewig und drei Tage anstarren möchte. Aber ich habe noch kein Gesicht gesehen, dem ich einfach so eine Ohrfeige versetzen wollte. Sei's drum.

6.) Ohrwurm: Findet - ebenwo wie vorher bereits die Schadenfreude - offenbar langsam seinen Platz im US-Vokabular, weil die Vorstellung eines kleinen Tierchens, das im Gehörgang sitzt und immer nur das gleiche Lied singt, irgendwie putzig zu sein scheint.

7.) Torschlußpanik: "Oh! You mean like the 28 year old student who lives in his mom's basement and suddenly realizes that his classmates are already founding families with hot chicks and cute kids while working solid jobs? And now he sees the gate closing and is terrified because he doesn't know if he will make it past the gate in time? BRILLIANT!"

8.) Vergangenheitsbewältigung: Für die Deutschen ein durchaus ernstes Thema mit einer Kernaussage, die alle Menschen betrifft: Du kannst die Vergangenheit nicht ändern, aber du kannst dich ihr stellen, von ihr lernen und dich im Idealfall irgendwann über sie erheben. Eine Idee, die bei den Amis zumindest in der Theorie besonders gut anzukommen scheint.

9.) Treppenwitz: Ich bevorzuge hier zwar den französischen Geist der Treppe (L'esprit de l'escalier), aber die Amis finden auch die deutsche Version zum schießen.

10.) Scheißfreundlichkeit/scheißfreundlich: Ein Wort, das hier im Haus schwer beliebt ist. Viele amerikanische Mitbrüder haben in Rom studiert und sind daher mit einer der italienischen Parade-Disziplinen vertraut: Dem "smarmieren" (en: "to smarm", it: "smarmare"). Smarmieren geht ungefähr so: Padrone begrüßt simplen Priester, der im Restaurant speisen möchte: "Ahhhhh! Eminenza! Bienvenuto! Come va? È un grande onore! etc..." (während im Kopf bereits die Summe kalkuliert wird, um die der Gast abgezockt werden soll)**. Es leitet sich vom englischen "smarmy" ab. Smarmy ist im Grunde nichts weiter als scheißfreundich, aber weil im Deutschen eben "scheiß" vorkommt, finden die Amis es irgendwie cool.

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* Quelle: Diverse US-Amerikaner aus meinen Mitbrüder- und Bekanntenkreis
** Zur Ehrenrettung der römischen Restaurants: Ist mir nur ein einziges Mal passiert

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