Freitag, 15. August 2014

456a

Ich bin heute für den Priesternotruf eingeteilt und wurde gleich nach der 10:30-Uhr-Messe ans Krankenbett einer Frau gerufen, um ihr die Kommunion zu spenden.

Die 90-jährige alte Dame lag mit schief sitzender Perücke, offenem Mund und geschlossenen Augen regungslos da. Nach sanftem Ansprechen und ebenso sanftem Wachrütteln durch die Krankenschwester öffneten sich die Augen, zuerst nur einen Spalt breit und dann plötzlich - "Der Herr Pfarrer ist da!" - zu zwei staunenden Kugeln.

Nachdem ich mich vergewissert hatte, daß die Dame sowohl sprechen als auch einigermaßen gut hören kann, begann ich mit einem Kreuzzeichen. Von da an sprach sie alle Gebete leise aber deutlich mit. Als ich ihr dann den Leib Christi auf die Zunge legte, da lächelte sie und ihre Augen füllten sich Tränen. Sie verabschiedete sich nach dem Segen von mir mit einem "Danke!", daß ich so schnell nicht vergessen werde, weil es aus tiefstem Herzen kam und weil ich wußte, daß es nicht mir galt, sondern unserem Herrn.

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