Freitag, 15. August 2014

456b

Zum heutigen Evangelium

Das Evangelium vom Vorabend des Hochfestes der Aufnahme Mariens in den Himmel (Lk 11,27-28):
    Als er das sagte, rief eine Frau aus der Menge ihm zu: Selig die Frau, deren Leib dich getragen und deren Brust dich genährt hat. Er aber erwiderte: Selig sind vielmehr die, die das Wort Gottes hören und es befolgen.
Bei Rösch liest sich diese Stelle so:
    Während er so redete, rief eine Frau aus dem Volke ihm zu: "Selig der Leib, der dich getragen und die Brust, die dich genährt hat!" Er aber sprach: "Jawohl, selig, die das Wort Gottes hören und es befolgen!"
Diese Übersetzung ist mir lieber, denn sie kommt meinem Verständnis der Szene näher.

Bei der Einheitsübersetzung kann man den Eindruck bekommen, als widerspräche Jesus der Frau. Tatsächlich aber bestätigt er das, was sie sagt, und erklärt, warum die Seligpreisung gerechtfertigt ist: Natürlich ist Maria selig, aufgrund ihrer einzigartigen und einmaligen Kooperation mit Gottes Gnade und Heilsplan. Und selbstverständlich ist Maria selig, weil ihr Leib Jesus getragen und ihre Brust ihn genährt hat. Aber ihr Leib konnte Jesus nur tragen, ihre Brust ihn nur nähren, weil Maria Gottes Wort nicht nur gehört, sondern auch befolgt hat.

Somit erklärt Jesus mit seiner Antwort zwei Dinge: Nie zuvor konnte ein Mensch auf diese Art mit Gottes Gnade erfüllt werden und nie wieder wird ein Mensch auf diese Art mit Gottes Gnade erfüllt werden, wie Maria. Denn es wird nicht mehr geschehen, daß Gott auf diese Art und Weise Mensch wird. Somit ist Marias besondere Stellung in der Heilsgeschichte verständlich.

Andererseits aber ist es nach wie vor jedem Menschen möglich, selig zu werden. Denn selig sind die, die das Wort Gottes hören und es befolgen.

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