Samstag, 27. September 2014

414.

Traditionen...

Jedes Jahr versammeln sich in Berlin Tausende Menschen, um in einer gemeinsamen friedlichen Demonstration ein Zeichen für das Leben zu setzen. Jedes Jahr stellen sich diesen Menschen Gegendemonstranten in den Weg, die sich nur deswegen damit zufrieden geben, den "Marsch für das Leben" zu behindern, weil sie ihn nicht verbieten oder komlpett auflösen können.

Jedes Jahr laufen im Vorfeld des Marsches die Propagandamühlen seiner Gegner heiß. Der Fragenkatalog der LINKEN und Rawerts selbsternannte Lebensschützer, die gegen die sexuelle Selbstbestimmung von Frauen demonstrieren und sich damit gegen die sexuelle Selbstbestimmung von Frauen stellen sind ja bereits gewürdigt worden.

Wenn Worte nur zum Schmunzeln anregen, dann ist immer noch Verlaß auf das durch Warnrufe aus links-grüner Ecke aufgeweckte Gewalt-Kontingent aller möglichen antipatriarchalischen, antichristlichen, antifaschistischen, antisonstwasigen Tobe-Teilchen, die vielleicht nicht unbedingt glücklich darüber sind, instrumentalisiert zu werden, es aber in einigen Fällen offenbar auch einfach nicht immer so genau mitkriegen.

Jedenfalls: Damit alle Welt auch ganz genau versteht, daß es beim "Marsch für das Leben" laut Volker Beck um "Bevölkerungspolitik, Macht & Rassismus, aber NICHT um das Leben" geht, wurden noch vor Beginn der Demonstration zwei Anschläge verübt: Einer auf die Geschäftsstelle des Bundesverbandes Lebensrecht in Berlin (hier das Bekennerschreiben) und einer auf die Herz-Jesu-Gemeine in Prenzlauer Berg (... weil sie Abtreibungsgegnern Raum bot...). Den genauen Dreh habe ich da jetzt noch nicht ruas. Ich vermute mal "Schaut her! So schön verwüsten und zerstören nur diejenigen, bei denen es WIRKLICH um das Leben geht!" oder so...

Beim Marsch selbst gab es dann von der Seite der Gegendemonstranten das mittlerweile etwas abgestandene Menu von "Hätte Maria abgetrieben..."-Plakaten, Stinkefingern, Plastikpimmeln, Kondomen, Farbattacken, Spuckereien, Schimpfereien etc...

Interessant ist wieder einmal der Zusammenhang zwischen der Angst davor, eines Tages sein Leben so verantwortungsvoll zu gestalten, daß Abtreibungen sogar ohne Gesetze überflüssig werden, und der Bereitschaft, dem Leben der Anderen auch ansonsten nur einen begrenzten Wert zuzumessen.

Die Abtreibungsgegner sind in den Gedanken ihrer Feinde nicht viel wert. Dies zeigen die Worte, zu denen die Gegner durch ihre Gedanken verleitet werden und die Taten, zu denen sie bereit sind. Warum sind sie nicht viel Wert? Nun ja... Sie sind ja irgendwie auch nur eine Ansammlung diverser Leben, und über das Leben haben wir doch volle und freie Disposition, oder?

Wenn's zu unpassend kommt => Abtreibung!

Wenn's irgendwie Leiden und Kosten verursacht => Euthanasie!

Wenn's irgendwie nicht zu unserer Definition von Fun paßt => ... ???

Die Angst der Gegner des Marsches wird durch die Verschärfung ihrer Aktionen und die Zunahme ihrer Gewalt Jahr für Jahr deutlicher erkennbar.

Die Zukunft wird also zeigen, auf welche Bereiche die Lebensschützer ihre Aktivitäten noch ausweiten müssen und inwieweit sie selbst ihres Lebens dabei noch sicher sein können.
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Wie man den vollkommen irrational agierenden Gegendemonstranten denn nun den Wind aus den Segeln nehmen kann, das ist eine Frage, die sich die Pro-Lebens-Bewegung ernsthaft stellen muß.

Mein persönlicher Ansatz geht wahrscheinlich in die Richtung "Weniger Gesetz, mehr Liebe". Eine Verschärfung des Strafrechts hätte zur Folge, daß Menschen für das Begehen einer Tat bestraft werden, ohne daß sie aus dem gesellschaftlichen Kontext heraus überhaupt klar erkennen können, warum auf die Tat eine Strafe steht. Denn im Strudel von "rechtswidrig aber straffrei", "Fristenregelung", "Mein Bauch gehört mir", "Beratungsschein" etc ist der Fokus von dem gefährdeten Leben und dessen Schutz zu sehr auf die Handelnden und deren Ansprüche bzw "Rechte" gesetzt worden. Wenn man hier den Hebel ansetzt, dann kann man vielleicht eines Tages bewirken, daß die Menschen nicht nur aus Liebe zum ungeborenen Leben sondern auch aus Liebe zu sich selbst auf vorschnelle sexuelle Eskapaden verzichten, um dem Leben nicht die Entwicklung und sich selbst nicht den Frieden zu rauben.

Wir sollten daher nicht müde werden, den Menschen immer und immer wieder einzuschärfen, daß Sex - so lustig er auch sein mag - Konsequenzen hat, die ab einem bestimmten Punkt nicht mehr zwei sondern drei Menschen betreffen. Das ist schon beim Seitensprung der Fall und ist dort nicht lustig. Aber wenn jedermann weiß, daß es im Normalfall (Sex nicht nur weil "Juchei!" sondern auch und vor allem weil "Baby!") um das Leben eines Menschen geht, dann sollte dieser Normalfall das Heiligtum zweier Menschen sein, die sich frei und bei vollem Bewußtsein und im Besitz ihrer geistigen Kräfte lebenslange Treue zum beiderseitigen Wohl geschworen haben und die von diesem Wohl weitergeben wollen an ihre Kinder. Alles andere mag spaßig und irgendwie auch athletisch und total befriedigend sein, aber es führt leider oft genug auch dazu, daß Menschen, die abends nach der Clubbesuch inkl sieben Bier oder vier Cosmos sagen "Ich wähle den Spaß (der - wenn's schief läuft - ein neues Leben entstehen läßt)!" sich später rausreden mit "Ich wähle das Ende des neuen Lebens (weil's sonst mit dem Spaß nicht mehr so fluppt)!".

Also: Nicht die Gesetze gehören verschärft, sondern das Bewußtsein und die Verantwortung und die Liebe gehören gestärkt (also jetzt meiner Meinung nach...).

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Inhaltlich d'accord. Nur eine sachliche Korrektur: Der Anschlag auf die Herz Jesu Gemeinde ist identisch mit dem Anschlag auf die Geschäftsstelle des BLV (beide Fehrbelliner Straße 99).

Alipius hat gesagt…

Ah, okay! Das ist mir entgangen. Danke für die Aufklärung!

Anonym hat gesagt…

"Nicht die Gesetze gehören verschärft, sondern das Bewußtsein und die Verantwortung und die Liebe gehören gestärkt " Tut mir leid, nein. Die Gesetze gehören auf jeden Fall verschärft und ich verstehe ehrlich gesagt nicht, was Lebensschützer zu Aussagen wie der obigen treibt. Man sieht doch an den bestehenden Gesetzen, dass eine straffreie Abtreibung in den Augen der Mehrheit zum legalen Recht geworden ist, und das vielleicht sogar einer gewissen Logik folgend: immer wieder hört man, Abtreibung könne ja gar kein Mord sein,d enn dann wäre es ja nicht erlaubt etc. Es ist doch illusorisch zu glauben, man könnte all diese Tötungen allein durch gutes Zureden stoppen. Ein Beispiel: Stellen Sie sich vor, der Mord an Geborenen (oder meinetwegen etwas Harmloseres als Abtreibung, sagen wir Taschendiebstahl) würde straffrei gestellt/legalisiert. Glauben Sie denn, dass die Zahl dieser Verbrechen dadurch zurückginge oder nicht vielmehr hochschnellen würde? Sicher wäre das für manchen Taschendieb angenehmer. Ebenso ist es etwas blauäugig, wenn Lebensschützer sich einreden, dass sich alle Probleme ungeplant Schwangerer durch Unterstützung lösen ließen - die meisten ganz sicher und das ist ein guter Ansatz, aber die hässliche Wahrheit lautet, dass es auch seltene Fälle gibt, in denen eine Abtreibung wirklich Vorteile für die Mutter böte UND TROTZDEM FALSCH IST, weil es eben nicht nur um sie, sondern um das Kind geht! (Und ja, wir haben ein unbedingets recht zu leben, auch wenn wir anderen unbequem sind, sonst könnte man ja morgen gleich alle Behinderten vergasen.) In ihrem ganzen beitrag geht es durchgehend um Verständnis um die Täterseite - das darf aber doch nicht auf Kosten des Opferschutzes gehen. Abtreibung ist eben kein opferloses Verbrechen oder Sexualsünde vom rein katholischen Sonderglauben ehr, sondern die vorsätzliche Tötung eines Mitmenschen. Punkt. Ergo: Ich verstehebei diesen ganzen "Hilfe statt Strafe"-Ansätzen nicht, warum das eine das andere ausschließen soll - man muss logischerweise eben sowohl Tötungen ahnden ALS AUCH dafür sorgen, dass die Leute nicht in so eine Situation kommen. Aber ohne das erstere kann das letztere nicht gelingen. Stellen Sie sich vor, Sie wollten den Drogenkrieg in einer Favela beenden. Langfristig wird das wohl nur gelingen, wenn Sie die sozialen Ursachen dahinter erkennen und lösen. Aber ohne Verhaftungen von Drogenbossen (=abtr."Ärzten") ist das ganze Verfahren von vornhinein zum Scheitern verdammt. Und dann, wenn der Staat alles zum Opferschutz unternommen hat, muss man auch den Täter als Mensch sehen - deshalb gibt es ja Gefängnispriester. Abe rzu behaupten, dass das Verbot des Tötens den Täter lieblos in seiner Mitmenschlichkeit verletze, ist schon ein selbstgefällliges Gutmenschentum der unschöneren Art, das muss ich mal so klar sagen. PS: Faktisch fällte s doch auf, dass die Organisationen und Personen die sich am meisten für den Lebensschutz und damit zuallererst für eine Strafrechtsreform einsetzen, auch die sind die mehr für konkrete Schwangere in Not tun als alle "helft-den-Frauen-statt-Tötung-zu-ahnden"Feministinne zusammen (ersteres: katholische Schwangerschaftsberatung, Monica, 100plus, Kaleb; letzteres:? pro familia macht kaum Schwangerenhilfe bzw definiert Abtreibung als solche)

Anonym hat gesagt…

PPS: Papst Benedikt geht zu Beginn seines Buchs "Licht der Welt" darauf ein, dass eine "Liebes-statt-Straf"-Ethik, die einseitig Täterverständnis ohne Opferschutz propagiert, auch ein wesentlicher Fehler im Umgang mit kirchlichem Kindesmissbrauch war.

Anonym hat gesagt…

PPPS: Entschuldigung für die Rechtschreibung. Meine Tastatur zickt etwas ;-)

Alipius hat gesagt…

Wenn Sie so gut sein möchten, mir aufzuzeigen, wo im Artikel ich schrieb "Das Verbot des Tötens verletzt den Täter lieblos in seiner Mitmenschlichkeit", dann werde ich mal schauen, ob der Schuh des "selbstgefälligen Gutmenschentums" paßt.

Ich sehe Ursache und Wirkung anders, als von Ihnen suggeriert: Ich sage und wünsche nicht, daß man Abtreibung nur legalisieren muß, damit sie über Nacht verschwindet. Ich sage, daß man die Liebe stärken muß und nicht die Angst vor Strafe, damit sich die Frage nach der Gesetzgebung bzw der Bestrafung eines Tages von alleine regelt.

Und mit Liebe meine ich nicht die Liebe zum Täter, sondern die Liebe zum Geschöpf ganz allgemein, also auch und vor allem die Liebe zum ungeborenen Leben.

Anonym hat gesagt…

Sie suggerieren aber doch, dass eine Illegaliserung dem Weg der Liebe kontraproduktiv entgegenstünde oder deute ich das falsch? Außerdem möchte ich auf folgende Sätze verweisen: "Eine Verschärfung des Strafrechts hätte zur Folge, daß Menschen für das Begehen einer Tat bestraft werden, ohne daß sie aus dem gesellschaftlichen Kontext heraus überhaupt klar erkennen können, warum auf die Tat eine Strafe steht. Denn im Strudel von "rechtswidrig aber straffrei", "Fristenregelung", "Mein Bauch gehört mir", "Beratungsschein" etc ist der Fokus von dem gefährdeten Leben und dessen Schutz zu sehr auf die Handelnden und deren Ansprüche bzw "Rechte" gesetzt worden." Und im weiteren Verlauf geht es dann um die Nachteile ungezügelter Sexualität - das ist aber nun mal christliches Sondergut, während die mutwillige Tötung Schwächster doch eigentlich alle Menschen empören müsste (denn hirwerden Dritte geschädigt) aber das am rande. Ich glaube, dass weniger "Gott will das nicht/ pass beim Sex halt auf" und mehr Verweis auf den objektiv biologisch stattfindenden Homizid geeigneter wäre, das Thema einer zunehmend säkularen Gesellschaft zu vermitteln. An Ihren obig zitierten Sätzen lese ich ab, dass Sie das Problem ebenfalls erkannt haben, dass im Zuge mangelnder Biologiekenntnisse und INSBESONDERE rechtlicher Aufweichung ("rechtswidrig aber straffrei") ein allgemeines Unrechtsbewusstsein fehlt ("wenn wirklich Menschen ermordte würden, wäre das ja ein gewaltiges Unrecht, das würde der deutsche Staat (!) doch nicht zulassen, ergo sind Lebensschützer hysterische Fundis"). Ich stimme Ihnen hier vollkommen zu! Nur verstehe ich nicht, wieso Sie dann eine Strafrechtsreform ablehnen, wenn Sie doch ebenso erkennen, dass die de-facto-Legalisierung eine wichtige Wurzel des Problems ist. Genau dadurch würde doch in den Augen vieler Selberdenk-Allergiker der Unrechtscharakter wieder hergestellt und eine entsprechende Bestrafung vieler Ärzte würde die Anzahl fötaler Körperzerfleischungen drastisch senken - die Abtr.zahlen waren früher deutlich niedriger, als man dazu noch nach Holland hätte fahren müssen, sicher auch weil das Unrecht bewusster war. Was auch nur ein einziges Menschenleben rettet, ist den Aufwand wert. Hingegen scheinen Sie mir, falls ich nicht die ganze Zeit hindurch etwas gravierend missverstanden habe und in dem Fall bitte ich um Verzeihung, ein Nein zum gesetzlichen Lebens-Schutz unter einem "Liebe statt Strafe"-Motto zu vertreten, wonach Liebe für den Täter einen rechtlich-staatlichen Schutz des Opfers ausschließt und dann wohl ersteres höher zu gewichten wäre? Sehe ich das falsch, dann korrigieren Sie bitte! Aber Sie können doch nicht ernsthaft glauben, dass man dauerhaft nur durch liebevolle Überzeugung den gleichen Opferschutz leisten könne wie durch einen gemischten Ansatz. Nach der Logik könnten Sie ja gleich alle Polizei überall abschaffen und so würden Sie wohl auch nicht das Favela-Problem lösen. Als Abtreibungen noch klares Unrecht und Verbrechen vom Staat her waren, gab es weniger (und damals waren Hilfe für (unehelich) Schwangere und allgemeiner Lebensstandard noch weitaus niedriger) - die Korrelation liegt doch auf der Hand, was spricht also dagegen? Schließt gesetzliche Strafe für Unrecht mit präventivem Charakter also Ihrer Ansicht nach christl. Liebe für den Täter keinesfalls mit ein und ist das wichtiger als konkrete Lebensrettung für das Opfer?

Anonym hat gesagt…

Ich glaube, was der etwas afgewühlte Redner oben sagen wollte ist, dass eine wieder klarere Strafbarkeit von Abtreibung (=rechtlicher Schutz des ungeborenen Lebens) zur Verringerung der Abtreibungszahlen not tut (erstens ist jetzt gerettete Leben ein gewinn und zweitens Deutschland sonst kein Rechtsstaat) und er deshalb nicht versteht, weshalb Sie (scheinbar!) Liebe zur werdenden Mutter als Grund gegen Liebe zum Kind, die eben auch Rechtsschutz beinhaltet, ausspielen. Kann man auch kurz sagen imho, aber andererseits ist auch klar, dass das Thema aufwühlt.

Alipius hat gesagt…

Ich befürchte, ich bin hier grundsätzlich falsch verstanden worden. Ich wollte nicht die Liebe zur Mutter gegen die Liebe zum Kind ausspielen, ich wollte die Liebe zum Kind gegen die Notwendigkeit der Rechtsverschärfung ausspielen. Natürlich ist es ein weiter Weg, bis die Menschen wirklich verstanden haben, was Abtreibung eigentlich ist (und bis es soweit ist, muß ein Strafrahmen bestehen), aber wenn sie es einmal wirklich verstanden haben, dann erübrigt sich der Rechtsapparat von selbst, weil es entweder keine Abtreibungen oder keinen verantwortungslosen Sex mehr geben wird. Dieses Verständnis kann allerdings nur entstehen, wenn die Leute die Kinder lieben, aber auch sich selbst. Denn lieben sie sich selbst (also nicht auf eine plumpe egoistische Art, sondern im Einblick in ihre Natur und Gottesebenbildlichkeit), dann werden sie mit sich und mit anderen auch vorsichtiger, verantwortungsvoller und vernünftiger umgehen.

Alipius hat gesagt…

Ich befürchte, ich bin hier grundsätzlich falsch verstanden worden. Ich wollte nicht die Liebe zur Mutter gegen die Liebe zum Kind ausspielen, ich wollte die Liebe zum Kind gegen die Notwendigkeit der Rechtsverschärfung ausspielen. Natürlich ist es ein weiter Weg, bis die Menschen wirklich verstanden haben, was Abtreibung eigentlich ist (und bis es soweit ist, muß ein Strafrahmen bestehen), aber wenn sie es einmal wirklich verstanden haben, dann erübrigt sich der Rechtsapparat von selbst, weil es entweder keine Abtreibungen oder keinen verantwortungslosen Sex mehr geben wird. Dieses Verständnis kann allerdings nur entstehen, wenn die Leute die Kinder lieben, aber auch sich selbst. Denn lieben sie sich selbst (also nicht auf eine plumpe egoistische Art, sondern im Einblick in ihre Natur und Gottesebenbildlichkeit), dann werden sie mit sich und mit anderen auch vorsichtiger, verantwortungsvoller und vernünftiger umgehen.

Anonym hat gesagt…

Entschuldigung, ich hatte das tatsächlich missverstanden und aus persönlichen Erfahrungen lässt mich das eben nicht stoisch, daher der Mammuttext - ich hoffe, ich habe Sie nicht durch irgendwas ausfallendes gekränkt (schätze Ihren Blog sehr, regelmäßiger Leser!) und falls doch, bitte ich Sie inständig um Verzeihung.

Jorge hat gesagt…

Ich finde Alipius Ansatz richtig. Erstens schon rein taktisch gedacht: Es gibt in der allg. Bevölkerung viel mehr Menschen als man denkt, die das Unrecht einer Abtreibung im Grunde genommen einsehen. Die allermeisten möchten aber mit militanten, fanatischen, rechten, skurillen, frömmelnden oder superspießigen Abtreibungsgegnern (auch emotional) nichts zu tun haben und distanzieren sich deshalb vom "Lebensschutz". Insofern ist die zumindest im öfftl. Bewusstsein und trotz der Gegenpropaganda jetzt wahrgenommene "Entradikalisierung" der Lebensschützer doch nur zu begrüßen (die Braut des Lammes kritisiert diesen Ausdruck, weil sie meint, der MfL sei nie radikal gewesen; aber das Wort beschreibt die Entwicklung, in die es gehen sollte, trotzdem recht gut, finde ich).

Die Zustimmung einer breiteren und bislang "schweigenden" Mehrheit lässt sich ganz sicher nicht dadurch gewinnen, dass man die Ziele in (sowieso unerreichbare) Höhe schraubt. Wenn man eine breite Bewegung schaffen will, muss man vielmehr in Kauf nehmen, dass diese Bewegung auf einem Minimalkonsens beruht, auch wenn der einem selber vielleicht zu wenig scheint.

Daneben wäre sicher eine klarere Distanzierung von den wirklichen "Irren" in der Lebensschutzszene vonnöten. Das braucht natürlich Zeit, weil sich viele engagierten Abtreibungsgegner verständlicherweise noch zu sehr mit radikaleren "Lebensschützern" solidarisieren oder sie gar als Vorbilder oder jdfs. Mitstreiter ansehen. Trotzdem kann man sich langsam in diese Richtung vorarbeiten.

Die Tendenz hin zu einer gewissen Akzeptanz der "seriösen" Abtreibungsgegner lässt sich m.E. sogar an der verhassten ZDF-Sendung ablesen. Dort wird die Katholische Kirche einmal ganz zu Beginn als "seriöse" Organisation genannt, und zwar ohne jeden Spott. Im weiteren Verlauf des Beitrags gibt es keine einzige Spitze gegen Katholiken (wenn man vom Auftritt des Pseudobischofs Ralf einmal absieht, den unbedarfte Zuseher vllt. irrtümlich für katholisch halten könnten). Das ist doch im Grunde klasse. Auch der Auftritt des CDU-Schwulenvertreters in dem Beitrag ist alles andere als schädlich, er kommt regelrecht als Sympathieträger rüber.

Zweitens auch inhaltlich, aber dazu ein andermal.