Donnerstag, 11. September 2014

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"Lügen" vs. Im-trüben-Wasser-Fischen

Das Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung postet auf seiner Webseite unter dem Slogan "Mein Körper, meine Verantwortung, meine Entscheigung" einen Artikel mit dem Titel "Die Lügen von Abtreibungsgegnern".

Dabei verfällt es in die Statistiken-Routine und greift zurück auf die Daten der Weltgesundheitsorganisation und des Guttmacher Instituts.

Das "Meine Zahlen versohlen Deinen Zahlen den Hintern"-Spiel kann vielleicht dann hilfreich und interessant sein, wenn man sich einmal weltweit dazu durchgerungen hat, die "sexuelle Selbstbestimung" als unantastbares Menschenrecht zu verankern und zur Rechtfertigung ein paar beeindruckende Untersuchungsergebnisse braucht. Davon sind wir aber noch meilenweit entfernt.

[Zum Thema bzw zur Wendung "Sexuelle Selbstbestimmung" siehe auch hier]

Vor der Frage nach dem Recht auf "sexuellen Selbstbestimmung" und vor jeder Statistik (unabhängig davon, ob sie nun für oder gegen die Lebensschützer spricht) steht die Frage nach dem Recht auf Leben. Und diese läßt sich nur beantworten, wenn man weiß, wo und wann und warum Leben ist. Hierzu das Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung im oben verlinkten Artikel:
    Der Embryo hat das Potential ein menschliches Leben zu werden. Dennoch sollte zwischen dem Potential und einer Person unterschieden werden. Zu der Zeit in der 97 Prozent aller Abbrüche vorgenommen werden, hat der Embryo weder ein Schmerzempfinden noch ein Bewusstsein entwickelt.
Falsch. Der Embryo ist bereits ein menschliches Leben. Er ist weder ein nicht-menschliches Leben, noch ein menschliches Nicht-Leben und schon gar nicht ein nicht-menschliches Nicht-Leben. Wäre der Embryo kein menschliches Leben, so wüßte ich gerne, zu genau welchem Zeitpunkt eigentlich die Zutat "menschlich" bzw die Zutat "Leben" beigefügt wird. Gewagt auch der gleichsetzende Sprung vom menschlichen Leben zur Person, welcher dann die groteske - wenn auch nicht direkt ausgesprochene - Rechtfertigung liefert, daß nur dort, wo Bewußtsein und Schmerzempfinden ist, auch menschliches Leben ist.

"Leben und lieben ohne Bevormundung" lautet das Motto der diesjährigen Gegendemonstration zum Marsch für das Leben.

Wobei hier mit "Leben" natürlich in Übereinstimmung mit dem Slogan "Mein Körper, meine Verantwortung, meine Entscheigung" auch nur "Mein Leben" gemeint sein dürfte.

Kommentare:

kalliopevorleserin hat gesagt…

In der Tat finde ich die Argumentationsweise vieler Abtreibungsgegner zu sentimental und auch nicht ausreichend mit belegbaren Fakten untermauert.
Es ist nur völlig egal, ob ein Mensch zum Zeitpunkt seiner Tötung etwas empfindet oder nicht. Wäre es anders, so wäre die Tötung eines Menschen mit HSAN4 (einem Gendefekt, der das Schmerzempfinden ausschaltet) weniger schlimm als die eines Gesunden.
Es ist für die Beurteilung einer Kindstötung auch egal, ob es der Mutter hinterher schlecht geht oder nicht.
Es ist allerdings nicht von der Hand zu weisen, daß Mütter, die nach einem Schwangerschaftsabbruch schwer leiden, eher nicht mit den Leuten vom Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung kommunizieren werden. Und dann kann man sie ja außer Acht lassen, oder?
Und was ist eigentlich mit den 3% der Abbrüche, bei denen das Kind sehr wohl Schmerz und Angst empfindet? Ich will jetzt gar nicht diskutieren, ob die Zahl stimmt - aber ist die Aussage "Die meisten merken eh nicht, wenn sie getötet werden, und die paar, die es doch merken, sind nicht so schlimm - sind ja nur wenige" wirklich beruhigend?

Richard hat gesagt…

Es geht bei dem ganzen Thema nur um eine einzige relevante Frage: kann der Staat Frauen unter Androhung von direkter Gewalt dazu zwingen eine Schwangerschaft auszutragen oder nicht. Im Endeffekt zwingt er dazu einen Menschen dazu einem anderen Menschen unter Inkaufnahme schwerer Nachteile das Leben zu retten. Darauf läuft es hinaus. Es kann aber niemand einen Mann dazu zwingen einem anderen Menschen das Leben zu retten wenn er dabei zum Beispiel starke Schmerzen in Kauf nehmen müsste. Und dass eine Geburt mit starken Schmerzen verbunden ist werden Sie ja kaum leugnen wollen, Herr Pfarrer.

kalliopevorleserin hat gesagt…

Wenn die Fähigkeit, Schmerzen zu empfinden, einen Menschen in höherem Maße schützenswert macht, sind Menschen, die vom Halswirbel ab querschnittgelähmt oder von dem Gendefekt HSAN IV betroffen sind, also keine Schmerzen empfinden, weniger schützenswert als andere.
Ich halte das nicht für richtig.

kalliopevorleserin hat gesagt…

Und ja, ich habe so schon mal argumentiert. Wurde aber nicht so richtig zur Kenntnis genommen. Vielleicht, weil ich bloß ne Frau bin und kein Pfarrer, gelle, Richard?

Richard hat gesagt…

Ob Sie Frau sind oder Pfarrer oder beides ist mir ehrlich gesagt nicht so wichtig. Ich verstehe das Argument nicht ganz, denn ich spreche hier ja von den Schmerzen der Frau und nicht vom Schmerzempfinden eines Embryos. Was bedeutet für Sie schützenswert? Für mich bedeutet es jedenfalls nicht das automatische Recht den Körper eines anderen Menschen gegen dessen Willen und zu dessen eindeutigen Schaden für seine eigenen Zwecke ausnützen zu können.

kalliopevorleserin hat gesagt…

Jeder Mensch lebt gegen den Willen und zum eindeutigen Schaden für irgendjemanden. Das Argument greift nicht.
Warum ist Ihnen übrigens unwichtig, wer und wie ich bin, solange ich nicht herumheule, weil jemand mir wehtut?