Samstag, 6. September 2014

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Böser Kardinal, gute Katholiken...

Kardinal Dolan, Erzbischof von New York, zieht momentan katholisches Feuer auf sich. Was ist geschehen? Die Organisatoren der jährlichen "St. Patrick's Day Parade" haben entschieden, daß künftig auch offen homosexuelle Gruppen mitmarschieren dürfen. Der Kardinal kommentierte:
    "Ich habe überhaupt keine Probleme mit der Entscheidung. Ich denke, es ist eine weise Entscheidung."
Es betritt die Bühne: Der Weltuntergang!

Auf verschiedenen US-amerikanischen Blogs wird die Situation unter die Lupe genommen und beurteilt, teils mit sehr guten Argumenten, teils mit mehr Essig als Balsam.

Daß Kardinal Dolan im Vergleich zu seinem Vor-Vorgänger, John Joseph Cardinal O'Connor, angesichts des LGBT-Aktivismus eher - vorsichtig ausgedrückt - "dialogbereit" daherkommt und - noch vorsichtiger ausgedrückt - es vorzieht, von vielen gemocht zu werden, läßt sich kaum bestreiten.

Vielleicht möchte der Kardinal Morddrohungen entgehen. Vielleicht möchte er vermeiden, daß die "Gay Pride Parade" wieder ihre alte Route nimmt, welche auch an der St. Patrick's Cathedral vorbeiführte und somit den Aktivisten aureichend Gelegenheit bot, der Kirche Mittelfinger und entblößte Hinterteile entgegenzustrecken. Vielleicht will er nicht in seiner Kathedrale während der Feier des Heiligen Meßopfers von hysterischen "Opfern" überfallen werden, die handgreiflich werden und den Leib Christi unter ihren Füßen zertrampeln.

Diese Überlegungen sind angesichts einer gut dokumentierten, steigenden Feindseligkeit bestimmter Gruppen gegenüber der Kirche verständlich, umso mehr, da Kardinal O'Connor all dies über sich ergehen lassen mußte. Aber ist jeder Schluß, der aus diesen Überlegungen gezogen wird, automatisch ein guter?

Zwei Probleme sehe ich: Erstens ist es nicht die ausschließliche Aufgabe eines Erzbischofs und Kardinals, Freunde zu machen oder zumindest den Feinden durch entgegenkommendes Verhalten die Klauen rundzufeilen.

Zweitens sollte der Blick nicht nur der "richtigen" Sünde gelten, sondern jeder Sünde. Und dann haben die großen katholischen Ereignisse in New York ziemlich ausgespielt. Denn die "St. Patrick's Day Parade" ist schon seit vielen Jahren ein Anlaß zu Komasaufen, Ausschweifungen und Prügeleien. Und das "Al Smith Dinner" entwickelt sich ebenfalls seit längerer Zeit zu einem Schaulaufen guter, katholischer Mienen zum bösen, weltlichen Spiel, wenn reiche und mächtige Menschen, die der Lehre der Kirche routinemäßig offen ins Gesicht lachen, an einem Abend im Jahr ihr Gewissen reinwaschen, indem sie Geld für einen guten Zweck spenden und sich mit einem brav lachenden Kirchenfürsten photographieren lassen.

Warum muß eigentlich immer erst der "Gay Agenda" aufgespürt werden, bevor man sich gegen Mißstände im katholischen Umfeld erhebt?

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