Freitag, 5. September 2014

436c

Selbstbestimmung...

Am 20. Sepember findet in Berlin der Marsch für das Leben statt. Im vergangenen Jahr wurde die Rekord-Teilnehmerzahl von 4.500 Lebensschützern verzeichnet.

Es ist also an der Zeit für panische Reaktionen. Nachdem Gregor Gysis Linke sich bereits Ende Juli in einer Anfrage an die Bundesregierung bzgl des Marsches von einer Aktion, welche die Tötung ungeborenen Lebens thematisiert, auf das weite Feld der sexuellen Selbstbestimmung und der reproduktiven Rechte verirrt hat, zieht jetzt die Berichterstatterin der SPD-Fraktion für reproduktive Gesundheit und sexuelle Vielfalt, Mechthild Rawert, nach:
    Am 20. September werden selbst ernannte „Lebensschützer“ vor dem Bundeskanzleramt gegen die sexuelle Selbstbestimmung von Frauen demonstrieren... Damit stellen sie sich gegen das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung von Frauen und degradieren sie zu Gebärmaschinen. Dies ist nicht hinnehmbar!
Doppel hält besser. Oder so...

Frage: Was ist eigentlich sexuelle Selbstbestimmung?

Selbstbestimmung (laut Duden): "(Politik, Soziologie) Unabhängigkeit des bzw. der Einzelnen von jeder Art der Fremdbestimmung (z. B. durch gesellschaftliche Zwänge, staatliche Gewalt)"

sexuell (laut Duden): "die Sexualität betreffend, darauf bezogen"

Der Marsch des Lebens hat also laut Gysi und Rawert zum Ziel, die auf die Sexualität bezogene Unabhängigkeit des bzw der Einzelnen von jeder Art der Fremdbestimmung (z.B. durch gesellschaftliche Zwänge, stattliche Gewalt) einzuschränken.

Und das ist offenbar nicht okay.

Denn wenn schon die Rechte des oder der Einzelnen eingeschränkt werden, dann doch bitte das Recht auf Leben jener, die nicht für sich selbst sprechen können.

Jetzt mal im Ernst, liebe linksorientierte Parteien, die gegen den Marsch für das Leben protestieren: Tut doch mal wenigstens so, als seien erwachsene und denkende Menschen Eure Zielgruppe und kommt nicht mit diesen Taschenspielertricks a la "Wenn diese Frau das Kind nicht abtreiben darf, dann schränkt das ihre sexuelle Selbstbestimmung ein". Es geht hier um Menschenleben und nicht um das zur Staatsaffäre hochgejazzte Drama, daß künftig sexuell und reproduktiv kompatible Menschen vielleicht etwas vorsichtiger sein müssen, weil ihre Handlungen - Überraschung! - Konsequenzen haben.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

"Sexuelle Selbstbestimmung" ist eine inkorrekte Formulierung; "reproduktive Selbstbestimmung" vielleicht? Die Möglichkeit, selbst zu entscheiden, wann und ob man Kinder in die Welt setzt.

Ich bin sehr dankbar für die momentane gesetzliche Regelung, denn keine Frau soll gezwungen sein, eine Schwangerschaft auszutragen (und sorry, es gibt meines Erachtens einen qualitativen Unterschied zwischen einem Embryo bis zur 12. Schwangerschaftswoche und einem geborenen Menschen), wenn sie sich nicht in der Lage sieht, ein Kind zur Welt zu bringen und dann zur Adoption freizugeben oder ein Kind zur Welt zu bringen und aufzuziehen, das sie nicht will oder für das sie nicht adäquat sorgen kann. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass das für Kind und Mutter sehr viel Leid mit sich bringen kann.
Ich glaube immer noch, dass Menschen, die nicht mindestens einmal ungewollt schwanger wurden und das Kind unter schwierigen Umständen halbwegs erfolgreich und persönlich großgezogen haben, mit ihren moralischen Bewertungen sehr, sehr, sehr vorsichtig und zurückhaltend sein sollten. Wenn sie sich im Bereich des Lebensschutzes engagieren wollen, wäre es ein heißer Tipp, sich tatsächlich konkret für Betroffene zu engagieren (und Lebensschutz ist ja ein weiteres Feld als lediglich die Verhinderung von Abtreibungen).

Alipius hat gesagt…

Wir befinden uns auf einem sehr steilen Abhang, wenn wir das Leben anhand des Kriteriums "Qualität" beurteilen wollen, und obendrein eigenes Erachten auch noch zum Urteilsanlaß nehmen.

Häte ich trotz schwieriger Umstände ein Kind halbwegs erfolgreich und persönlich großgezogen, so würde ich mich wegen des positiven Beispiels nur noch stärker gegen die Abtreibung aussprechen. Ansonsten kann ich nur sagen: Ich muß nicht einem Menschen das Leben schenken, um zu wissen, daß das Beenden eines Lebens falsch ist.

Ich engagiere mich bereits für Betroffene: Ich helfe betroffenen Familien, die es nötig haben. Und ich helfe betroffenen Menschen, die noch keine Stimme haben.

Richard hat gesagt…

Ich denke nicht, dass der Vorposter "Anonym" hier eine Wertung vorgenommen hat, die nicht auch vom Strafgesetzbuch (schon vor Einführung der Beratungsregelung) vorgenommen wurde. Es gibt und gab z.b. kein Delikt "Mord" an einem Embryo vor der 12. SS Woche, es gibt kein Delikt "Körperverletzung" (etwa wenn die Mutter in der Schwangerschaft raucht) und so weiter. D.h. die Unterscheidung gibt es und gab es immer schon. Dass Sie Familien bzw. Frauen in Not helfen ist achtenswert. Es liegt auf der Hand, dass durch entsprechende Hilfe manche Abtreibung verhindert werden könnte und dass es möglich wäre, einigen Frauen eine bessere Alternative anzubieten. Aber eben bei weitem nicht allen. Ein sehr guter Artikel in der "Welt" dazu wurde kürzlich von einem katholischen Blogger verlinkt (paptstreuer.blog).

kalliopevorleserin hat gesagt…

Du kannst mit Abtreibungsbefürwortern über zwei Dinge nicht reden:
1. Biologie
2. Menschenrecht

Über Religion kannste mit denen schon reden, sofern es sich um die urban-esoterische Rezeption von Wicca-Kulten handelt. Oder so.