Montag, 1. September 2014

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Too big to fail?

Cicero macht sich auf seinem Blog Gedanken über die eigenartige Seitensperren-Politik von facebook, kommt zu dem Schluß, das er ganz und gar nicht damit einverstanden ist und gibt zu verstehen, daß er zu einer potentiell eher wachsenden als schrumpfenden Gruppe von Usern gehört, die dem Social Network #1 den Rücken drehen wird, wenn es weiter richtung Faßboden sacken sollte.

Die Frage ist, ob man sich bei facebook überhaupt um solche Probleme schert, oder ob man sich eher sagt "Was soll schon passieren? Jeder ist bei uns. Und wer nicht bei uns ist, der will zu uns!"

Ich habe neulich auch diese Gedanken gehabt und mir gewünscht, es ließe sich irgendwo in den Weiten des Internet ein Plätzchen finden, welches ähnliche Möglichkeiten bietet wie facebook aber ohne Datengeilheit, "Heiße Schnitte möchte ganz dringend mit dir Kontakt aufnehmen"-Abzocke, Islamisten-Propaganda und "Das könnte dich auch noch interessieren"-Ablenkungsmanöver auskommt, nicht von einer Milliarde User überflutet ist und sich einen leicht zivilisiert-kultivierten Anstrich gibt.

Aber so einfach bei facebook abhauen kann ich eigentlich im Moment gar nicht. Dort hängen einfach zu viele Leute herum, die ich mag, mit denen ich bestimmte Dinge abpeile und die mir wichtig sind. Ich ziehe dort nützliche Informationen, koordiniere Treffen, mache manchmal einen halben Abend lang Unsinn mit Co-Chaoten in einer geschlossenen Gruppe, kann neue Blog-Artikel anteasen und entdecke auch hin und wieder wirklich cooles und abgefahrenes Zeugs. Plus: Schwester Robusta und die Pimpfe würden mir ganz schön was einschenken, wenn ich sie mit ihrer Fangruppe einfach alleine lasse...

Will sagen: Ein Umzug von facebook.com auf hierfühleichmichwohl.com käme für mich eigentlich nur in einer koordinierten Aktion in Frage, welche sicherstellt, daß schließlich auch genug meiner facebook-Kontakte und -Freunde auf der neuen Seite anzutreffen sind.

Dafür muß bei den Nutzern aber erst einmal mehr entstehen, als Umwillen. Es muß eine kritische Masse her, die dann auch eine Abschieds-Kettenreaktion starten kann. Zugleich muß eben auch die neue Heimat am Start sein, in die man gerne umzieht.

Und das sehe ich im Moment leider einfach nicht...

Gedanken? Meinungen? Ideen?

Kommentare:

Cicero hat gesagt…

Keine Panik, noch bleibe ich auf Facebook.
1. Mangels schon funktionierender Alternativen.
2. Weil der Punkt an dem wirklich eine kritische Masse der Freunde den Wechsel mitvollziehen würde nicht erreicht ist.

Es ist nun einmal so, das ist der große Vorteil von Facebook, daß alle da sind.
Umgekehrt ist das auch der Grund warum Mr. Zuckerberg und seine Leute auch glauben, alles machen zu können, was sie wollen.
Und das halte ich für einen Irrtum.

Eugenie Roth hat gesagt…

... irgendwann irgendwo hatte ich mal von einem "Facebook" namens DIASPORA gelesen ... habe ich mir aber nicht gemerkt (genaue Daten), da ich eigentlich weder hier noch dort hin möchte ...

haupz hat gesagt…

(Ich bin nicht sicher, ob mein Kommentar es durch die Loginmauer geschafft hat - bitte ggf. nur einmal veröffentlichen. Danke. :-) )

Diaspora ist tatsächlich eine Alternative. Die software ist open source, das Netzwerk dezentral, und jeder, der ein wenig webspace sein Eigen nennt, kann einen server betreiben. Ich würde bei dem Massenexodus mitmachen.

haupz hat gesagt…

OK, der erste Versuch hatte es nicht geschafft. :-)

Meckiheidi hat gesagt…

Hallo ihr Lieben,
also ich habe auf facebook auch Bekannte und Freunde, die nicht katholisch sind. Jedenfalls nicht hauptsächlich. Da sind Ehemalige aus dem Kinderheim, wo ich mal gearbeitet habe. menschen mit einer Behinderung von der Lebenshilfe-Einrichtung, zu der ich gehöre. Nachbarn, Freunde, Kollegen, Verwandte. Für viele bin ich die mit dem christlichen Spleen, aber nicht gerade doof... Hie und da konnte ich, das bilde ich mir zumindest ein, auch ein Nachdenken bewirken. Kürzlich schrieb ich mit einer jungen, mit Gott hadernden Frau, die zum drittenmal eine Frühgeburt hatte. Für jedes Baby hat sie ein virtuelles Grab im Netz errichtet. Von Religion hat sie, die im Heim und bei Pflegestellen aufgewachsen ist, nicht wirklich eine Ahnung. Aber sagen, dass sie an keinen Gott glauben kann der zulässt, dass ihre babys sterben, das konnte sie. Also ist doch eine SUCHE da! Und nun überlegen die religiösen Menschen aus meinem FB-Bekanntenkreis reihenweise, das Netzwerk zu verlassen. Kennt ihr denn keine solchen Leute? Wo ihr manchmal Trost spenden könnt und euren Glauben vermitteln? In der Hoffnung, dass doch ein klein wenig hängen bleibt? Ich finde, religiöses Forum und / oder Netzwerk ja, plötzliches Verlassen von Facebook wegen einer IS - Seite - NEIN. Dann haben die ja gewonnen. Da bin ich dagegen.

Jürgen Niebecker hat gesagt…

Facebook, Twitter, Smartphones ?
Modernes Kroppzeuch!