Donnerstag, 30. Oktober 2014

381.

"How to Win Friends and Influence People"

Bereits im Mai verkündete Erzbischof Lewis Zeigler/Liberia: "Eine der Haupt-Verfehlungen gegen Gott, für welche er Liberia mit Ebola bestrafen könnte, ist der Akt der Homosexualität".

Im August unterschrieb Zeigler dann mit über 100 weiteren christlichen Führungspersonen Liberias ein Dokument, welches besagt, "daß Gott sich über Liberia ärgert und das Ebola eine Seuche ist. Liberianer müssen beten und Gottes Vergebung suchen wegen der Korruption und der unmoralischen Akte (wie z.B. Homosexualität) welche unsere Gesellschaft weiterhin durchdringen".

...

"Meister, wer hat gesündigt, er oder seine Eltern, daß er blind geboren wurde?" Jesus antwortete: "Weder er noch seine Eltern haben gesündigt, vielmehr sollen die Werke Gottes an ihm offenbar werden."

Tun sie aber nicht, wenn wir sogar als Katholiken noch Mittel und Wege suchen und finden, auf die Erkrankten noch eine Schippe Schuld draufzulegen, weil uns das Leid, welches Gott gewählt hat, um seine Werke zu offenbaren, noch nicht auszureichen scheint.

Besonders perfide ist es, wenn man es dann nicht einfach dabei beläßt, die Leute zur Buße und zum Gebet und zum sündenfreien Leben aufzurufen, sondern sich eine Sünde heraussucht und diese an die große Glocke hängt.

Ich will nicht sagen, daß Kardinal Kasper plötzlich reingewaschen dasteht. Aber ich kann auch nicht sagen, daß solche Einlassungen der afrikanischen Kirche in mir Begeisterungssstürme auslösen.

Mir graust bereits vor den Reaktionen diverser Knallköppe, die nun losziehen im Wissen, daß Homosexuelle eine nicht geringe Mitschuld an Ebola tragen.

Natürlich kann es nicht angehen, Sünde künftig nicht mehr Sünde zu nennen, aber wenn die Worte des Erzbischofs, wie ich sie als Zitat fand, wirklich so stimmen, dann ist er weit über das Ziel hinausgeschossen.

Kommentare:

Chrysostomos hat gesagt…

Es ist schon schlimm genug, daß solche Katastrophen immer aufs Neue über die Menschen kommen. Es ist bedrückend, daß wir einsehen müssen, die Frage der Theodizee nicht beantworten zu können. Und es macht einen wütend, dann sehen zu müssen, daß irgendwelche Knallköppe (egal woher und welchen Standes) dann meinen, mit einer dümmlichen und in diesem Falle auch noch zynischen "Erklärung" ihr Süppchen kochen zu können.

Gerd Franken hat gesagt…

>>Natürlich kann es nicht angehen, Sünde künftig nicht mehr Sünde zu nennen,<<

Künftig? Bei uns wird sei Jahren folgendes in der hl. Messe vom Priester und der Gemeinde vorgetragen: "Herr, schau nicht auf unsere Fehler sondern auf den Glauben der hier versammelten Gemeinde und schenke uns deinen Frieden."Laut Messbuch sollte eigentlich der Priester alleine beten mit den Worten: "Herr, schau nicht auf unsere Sünden sondern auf den Glauben deiner Kirche und schenke ihr nach deinem Willen, Einheit und Frieden." Also: Wir haben keine Sünden mehr sondern Fehler. Wie ein Sprachfehler oder einen Softwarefehler. Von einem Priester der die Sünde beim Namen nennt habe ich seid einer Ewigkeit nix mehr gehört. (vielleicht besuche ich ja die falsche Messe...) Da schießen solche Blüten wie o.g. natürlich ins Kraut. Zumindest hierzulande.

Alipius hat gesagt…

Ich weiß, daß es diese Mißstände gibt. Leider. Bei mir gilt während der Heiligen Messe immer noch: Sag das Schwarze, tu das Rote.

ioannes fauces hat gesagt…

Ebenfalls bei Hurrikan Katrina, der 2005 über den "Golf von Mexiko" hinweg zog und schwere Schäden Mensch, Tier und Sachen anrichtete! Wie groß waren die Rufe daraufhin, dass es sich bei dieser Naturgewalt um eine Strafe Gottes für sündhaftes Verhalten gewesen wäre. In diesem Fall, ging es um Abtreibungskliniken in diesem betroffenen Gebiet. Nicht alles, was eine Naturkatastrophe ist, ist eine Gottesstrafe! Es ist vielmehr der springende Punkt dafür, dass die Welt nicht perfekt ist.
http://www.beliefnet.com/News/2005/09/Katrina-Gods-Judgment-On-America.aspx

Jürgen Niebecker hat gesagt…

Adam und Eva bekamen keinen Schnupfen, und das obwohl sie immer unbekleidet durch die Gegend liefen.
Daß Krankheiten eine Folge der (Erb)Sünde sind, steht doch wohl außer Frage.
In die Schieflage kommt die ganze Sache, wenn man eine individuelle Krankheit oder ein einzelnes Ereignis heraussucht und dann auf den Kranken oder Sünder zeigt und sagt: „Siehste! Du hast gesündigt, deswegen bist Du nun krank", oder „Du hast gesündigt, nun kommt ein Hurrikan und Gott bestraft UNS wegen DEINER Sünden.“

Gerd Franken hat gesagt…

Ich wollte dich auch nicht angreifen. Das war so nicht gemeint. Entschuldige wenn es so rüber gekommen ist.

Gerd Franken hat gesagt…

Wobei der Tod ja nun wirklich Strafe genug ist. Da jeder sterben muss, sind wir alle Sünder....mit unseren Fehlern, versteht sich.

Alipius hat gesagt…

Nee, überhaupt nicht!

Alipius hat gesagt…

Ja, genau so meinte ich es Jürgen!

Markus Gehling hat gesagt…

Ausgezeichneter Kommentar zu dieser Geschichte aus Liberia.

Anonym hat gesagt…

Traurig. Nach der Logik sind wir "Westler" ja quasi sündenfrei unterwegs - das Schlimmste, was uns in der Regel so im Alltag passiert (im Vergleich zu Kobane und Westafrka), sind Glatteis auf der A1 und Cellullitis. Da haben wir ja echt was richtig gemacht!