Mittwoch, 29. Oktober 2014

382.

Hineingeworfen...

Wer das Gefühl kennt, der weiß wovon ich rede, wenn ich sage, daß ich mich manchmal in die Welt hineingeworfen fühle wie eine Staubfluse in eine Windhose.

Die guten Dinge, an denen ich mich festklammern will, werden mir entrissen. Die bösen Dinge, die mich bedrohen, wirbeln mir entgegen. Zwei Sekunden später ist es genau anders herum, nur um weitere zwei Sekunden später schon wieder ins Gegenteil zu kippen undsoweiter...

Die Hoffnung hat einen An/Aus-Schalter, an dem irgendein Kleinkind permanent mit wachsender Begeisterung herumspielt.

Die Liebe hat Wurzeln, wie sie stärker und tiefer nicht sein könnten, und schaut ihrem Laub beim Fallen zu.

Der Glaube ist Medizin. Ohne Rezept nachts aus der Apotheke geklaut. Den Beipackzettel ungelesen verbrannt. Dankend und demütig festgestellt, daß sie wirkt.

Leidenschaft wird wie Melasse durch Adern gepumpt von einem Herzen, das Sehnsucht gefressen hat und sich mit Kapitulation nicht zufrieden geben wird.

Egoismus findet Schönheit und schmiert sie wie Wundsalbe auf die Seele. Verstand rennt seinem Auftrag hinterher.

Tränen in den Augen.

Stöpseln in den Ohren.

Ein strahlendes Lächeln auf den Lippen.

Neunundfünfzig Perlen zwischen den Fingern.

Alles oder und nichts.

Kommentare:

Matthias Ruckenbauer hat gesagt…

Ich empfehle einen täglichen Spaziergang. In Deiner Nähe gibt es eine Pfarrei[¹] - Du weißt welche ich meine - bei der gibt es eine ewig Anbetung. Die Kapelle ist vierundzwanzig Stunden am Tag offen und ein viertel einer Stunde dort (zusammen mit zwei mal zehn Minuten Fußweg weniger als eine Stunde!) bewirkt erstaunliches.

lg

Matthias


[1] Die Korrektur von "Pfarre" auf "Pfarrei" hat mir irgendeine Rechtschreibprüfung vorgeschlagen. Gefällt mir, klingt irgendwie nach kleiner Kirche in einem Dorf am Land.

Monika hat gesagt…

Ich kenne das sehr gut. Ich finde das nicht schlimm, sondern nur nervig. Ich bin froh, daß ich nun älter bin. Ob es die Erfahrung ist, oder tatsächlich nur der Grund, daß Emotionen im allgemeinen mit dem Alter schwächer werden - ich kann nun erkennen, daß die Emotionen nicht wichtig sind.

Lange Zeit habe ich gedacht, sie sind Wesentlich für mich. Das wäre das Beste an mir. Und etwas, was mich positiv von vielen anderen Menschen unterscheidet.

Inzwischen sehe ich sie als Theater. Großes Kino. Spannend, Rührend, Mitreißend, Bewegend. Doch ich habe genug von diesem Theater. Ich will das wirkliche Leben. Das, wo ich sage, wos lang geht.

Sicher geht es niemals immer sicher da lang, wo einer will. Doch das ist nochmal ganz was anderes, als wenn einen die Emotionen dauernd hin und her werfen. Man die Kraft der Emotionen einkalkulieren und benutzen muß, um ungefär in der gewünschten Spur zu bleiben.

Inzwischen glaube ich, viele Menschen haben einen "geraden" Weg.

Die Perlen sind Seifenblasen.

Monika hat gesagt…

"Unsere Hypothese lautet, dass Bewußtsein globale Informationsverarbeitung innerhalb des Kortex, also der Großhirnrinde, ist;es geht aus einem neuronalem Netzwerk hervor, dessen Daseinszweck die massive Verteilung relevanter Informationen über das ganze Gehirn ist.
Der Philosoph Daniel Dennett bezeichnet diesen Vorgang zutreffend als 'Aufsehen im Gehirn'. Dank des globalen neuronalen Arbeitsbereiches können wir jede Idee, die einen starken Eindruck hinterläßt, beliebig lange im Kopf behalten und sicherstellen, dass sie in unsere Zukunfspläne einbezogen werden, welche das auch immer sein mögen. " aus Stanislas Dehaene, "Wie das Gehirn Bewußtsein schafft."
Dennetts "Aufsehen" (im Gehirn) heißt im Englischen wohl "clout"

Leute mit starken Emotionen haben wohl ein Überangebot an "Aufsehen" (im Gehirn). Und deshalb ist eine klare Linie schwerer.

Emotionen
- sind flüchtig
- sind nicht wichtig
- gehen vorbei
- haben keine Bedeutung

Noch nie hatte eine Emotion Bestand. Jede Emotion ist bis jetzt immer vorbeigezogen. Man kann sich dranmachen, sie zu ignorieren. Dann sind sie immer noch da, solange sie da sind, aber man verstärkt sie wenigstens nicht noch. (Ach, aber die schönen Augen. Oh, und wenn sie nun ... )