Sonntag, 19. Oktober 2014

392.

Zum heutigen Evangelium

In jener Zeit kamen die Pharisäer zusammen und beschlossen, Jesus mit einer Frage eine Falle zu stellen. Sie veranlassten ihre Jünger, zusammen mit den Anhängern des Herodes zu ihm zu gehen und zu sagen: Meister, wir wissen, dass du immer die Wahrheit sagst und wirklich den Weg Gottes lehrst, ohne auf jemand Rücksicht zu nehmen; denn du siehst nicht auf die Person. Sag uns also: Ist es nach deiner Meinung erlaubt, dem Kaiser Steuer zu zahlen, oder nicht? Jesus aber erkannte ihre böse Absicht und sagte: Ihr Heuchler, warum stellt ihr mir eine Falle? Zeigt mir die Münze, mit der ihr eure Steuern bezahlt! Da hielten sie ihm einen Denar hin. Er fragte sie: Wessen Bild und Aufschrift ist das? Sie antworteten: Des Kaisers. Darauf sagte er zu ihnen: So gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört! (Matthäus 22,15-21)

Im heutigen Evangelium macht Jesus einen wichtigen Unterschied zwischen den Dingen der Welt und den Dingen Gottes. Gleichzeitig erteilt er uns eine Lektion, nämlich die, daß wir durchaus zu den Dingen der Welt beitragen können und sollen, daß wir aber nicht der Welt gehören.

Die Jünger der Pharisäer fragen, ob es erlaubt ist, dem Kaiser Steuern zu zahlen. Diese Frage umfaßt drei andere Fragen: Gibt es etwas, das ich habe und worauf der Kaiser Anspruch hat? Wenn ja, was ist es? Und darf ich es ihm auch geben?

Jesu Antworten auf diese Fragen lauten also: Ja, es gibt etwas, das du hast und worauf der Kaiser Anspruch hat. Nämlich das, was des Kaisers Abbild trägt. Somit ist es erlaubt, dem Kaier Steuern zu zahlen, indem man ihm gibt, was sein Abbild trägt.

Jesus sagt aber auch, man solle Gott geben, was Gott gehört. Analog muß man nun also nach etwas suchen, was das Abbild Gottes trägt. Und da findet man natürlich den Menschen. Denn "Gott schuf also den Menschen als sein Abbild", wie es im Buche Genesis heißt.

So, wie die Münze dem Kaiser gehört, weil sie des Kaisers Abbild trägt, so gehören wir Gott, weil wir Gottes Abbild tragen. Und wenn auch das Reich Jesu nicht von dieser Welt ist, wie er selbst sagt, so sind wir doch aufgerufen, an dieser Welt mitzuarbeiten und in dieser Welt unseren Betirag zu leisten.

Natürlich soll der Text kein Werbespot für bedingungsloses Steuerzahlen sein, zumal es aus katholischer Sicht auch vertretbar wäre, einem üblen, gottlosen Herrscher die Steuern zu verweigern. Der Text soll - so denke ich - eine Mahnung an uns sein, daß wir nie vergessen, wessen Abbild wir tragen. Denn dann wissen wir immer, zu wem wir wirklich gehören und können die Beklopptheiten der Welt leichter ertragen und unseren Beitrag zur Welt mit größerer Entspannung leisten.

Keine Kommentare: