Freitag, 17. Oktober 2014

394b

Lothar Franz von Schönborn in Häppchen (VIII)

ie relativ ruhigen und friedlichen Jahrzehnte der Regierung von Erzbischof Lothar Franz bedingten, daß sich das Erzstift wirtschaftlich wieder erholen und konsolidieren konnte. Mit ähnlichen den Handel und das Finanzwesen unterstützenden Mitteln wie Kurfürst Johann Philipp förderte und forcierte Lothar Franz diese Entwicklung. Auch der Reform von Justiz, Steuerwesen, der Verwaltung und Bildung gab er wichtige Impulse. Das zeitigte in verschiedenen Bereichen durchaus beachtenswerte Fortschritte. Eine wirkliche Strukturverbesserung resultierte daraus jedoch nicht. Trotz aller Aufgeschlossenheit blieb Lothar Franz dafür noch zu sehr der tradierten patriarchalisch geprägten Herrschafts- und Regierungsauffassung verhaftet. Die Staats- und Wirtschaftstheorien der frühen Aufklärung berührten ihn noch nicht. Sie fanden erst unter den Schönborn der nächsten Generation, insbesondere unter Friedrich Karl und durch die mit den Schönborn liierten von Stadion, Eingang in die rheinischen und fränkischen Hochstifte.

Bedeutsame Akzente vermochte Erzbischof Lothar Franz dem kirchlichen und religiösen Leben in seinen Sprengeln zu geben. Unter ihm kam die von Johann Philipp von Schönborn begonnene Einführung der tridentinischen Reformen zum Abschluß. Reformdekrete, die Förderung des neuen Jesuitenkollegs in Bamberg und der Druck verschiedener liturgischer Bücher wiesen in diese Richtung. Die von ihm betriebene Förderung des prunkvollen Prozessions- und Wallfahrtswesens kam dem Empfinden des Barockmenschen ebenso entgegen wie die Einführung des "Großen Gebetes" 1722 im Erzbistum Mainz.

Zum Geist der Erneuerung des Konzils von Trient gehörte auch, daß die Reichsbischöfe trotz ihrer Doppelfunktion und ihrer fast ausschließlichen Tätigkeit als Fürsten nicht lediglich gewählte und von Rom bestätigte Amtsinhaber waren, sondern auch geweihte Bischöfe. Wie vor ihm sein Onkel und nach ihm alle seine bischöflichen Neffen ließ sich auch Lothar Franz 1695 die Bischofsweihe erteilen. Für ihn war das nicht lediglich die Erfüllung einer kirchlichen Vorschrift oder gar bloß feierliche Zeremonie. Seine religiöse Einstellung veranlaßte ihn zum Empfang der Bischofsweihe und möglicherweise noch mehr die Überzeugung, durch den sakramentalen Akt mit der Fülle des priesterlichen Amtes ausgestattet und damit persönlich von und vor Gott erhöht zu werden. Noch stark von der hierarchisch ausgerichteten Weltanschauung des Mittelalters geprägt, wußte er sich durch die Weihe in besonderer Weise "aus den Menschen genommen, bestellt für ihre Angelegenheiten bei Gott" (Hebr. 5,1). Von dieser "Erhöhung vor Gott" leitete er seinen Führungsanspruch her und auch die Berechtigung, wenn nicht gar die Verpflichtung, zur Repräsentation.

[Aus: Die Grafen von Schönborn: Kirchenfüsten, Sammler, Mäzene; Germanisches Nationalmuseum Nürnberg, 18.2.-23.4.1989, Verlag des Germanischen Nationalmuseums, 1989, Passavia Druckerei GmbH, Passau]

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Persönliche Notiz: Jedem Konzil seinen Geist...

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