Donnerstag, 16. Oktober 2014

395b

Woher kommt eigentlich dieser Vorwurf,...

... Katholiken beteten Bilder oder Statuen an?

Setzen wir einmal voraus, daß mit "Anbeten" die betende Verehrung eines höheren Wesens gemeint ist und nicht die stürmische Vergötterung eines anderen Menschen.

Was man anbetet ist dann das, wovon man sich Rettung und Heil erhofft. An vielen Orten der Welt gibt es in vielen Ländern viele Gemälde und Statuen, die seitens der Katholiken eine besondere Verehrung erfahren.

Tritt diese Verehrung auf, weil man sich von genau diesem einen Bild, vor dem man soeben kniet, oder von genau dieser einen Statue, die soeben von anderen Menschen in festlicher Prozession durch die Straßen getragen wird, in ihrer Eigenschaft als nicht-animierte Objekte genau diese Rettung und dieses Heil erwartet und nicht etwa von jemandem, der für diese Statuen oder Bilder steht?

Wenn ja, warum tragen diese Bilder und diese Statuen dann die Gesicher und Attribute von Heiligen auf solche Art, daß man die Heiligen erkennt? Wer hat den Menschen gesagt, auf welche Art die Bilder und Statuen gestaltet zu sein haben, wenn es bei angebeteter toter Materie doch vollkommen egal ist, wie sie ausschaut, da sie ja nichts repräsentieren sondern nur vorhanden sein muß?

Warum toben nicht schon längst dauernd Kriege um solche Statuen und Bilder, wenn sich an einer Stelle der Welt herumspricht, daß es an einer anderen Stelle der Welt Bilder oder Statuen gibt, welche auf intensives Anbeten vorteilhafter reagieren?

Vergeßt es, liebe mitchristliche Katholiken-Basher. Katholiken beten weder Bilder noch Statuen an sondern sie verehren das, wofür diese Bilder und Statuen stehen (wenn es sich um Heilige handelt) oder beten an, wofür diese Bilder und Statuen stehen (wenn es sich um Christus handelt).

Und bevor jetzt die "Kein Bildnis machen!"-Karte gezogen wird: Dieser Zug ist spätestens abgefahren, als Gott Mensch wurde und einer ganzen Generation von Zeitzeugen das Bild seiner menschlichen Natur ins Hirn gebrannt hat. Wie soll das Menschengeschlecht reagieren? So tun, als sei der Retter nicht in Menschengestalt erschienen und nach seiner Himmelfahrt fürderhin zwar wie ein Wasserfall von ihm berichten, aber jegliche bildliche Darstellung vermeiden, weil Gott es bestimmt nicht so gemeint hat, als er für die Sinne erfahrbar und die Erinnerung erfaßbar wurde? Wohl kaum.

Natürlich ist es eine ganz andere Frage, was auf welche Art dargestellt wird. Daß es aufgrund bildlicher Darstellung heiliger Dinge und Personen auch retinaschmelzenden Sakro-Kitsch und himmelschreiende Blasphemie gibt ist ärgerlich, verrückt, unfaßbar. Nennt es, wie Ihr wollt. Aber beim Kitsch steht nicht böser Wille dahinter, sondern einfach Geschmacksverirrung. Und die Lästerer verletzen lediglich Gläubige, die sich verletzen lassen, aber keinen Gott. Denn der wird trotz aller vergangenen und künftigen Lästerung unverrückbar in seinem Reiche sitzen und weiterhin in die Herzen schauen.

Kommentare:

Jürgen Niebecker hat gesagt…

Die Frage ist fasch. Sie muß richtig lauten: Warum verehren Katholiken Bilder/Statuen?

Die Antwort ist einfach: Die Putten sind d'ran Schuld.

Richelieu88 hat gesagt…

Weitere Punkte: Warum sind die Heiligen in den Litaneien immer Gott so untergeordnet, dass die ¨ Anbetung¨ letztendlich immer Gott zukommt?

Und warum werden manche protestantische/evangelikale Prediger wie Propheten verehrt, wenn doch die Offenbarung schon mit der Johannes-Apokalypse beendet ist?

Und vor allem: Warum wird Martin Luther von den modernen Medien (die ja diesen Vorwurf allzu gerne aufgreifen) regelmäßig fast schon als Personifikation des Heiligen Geistes stilisiert?

Dear Bashers: Think of it and get Catholic! ;-)

Alipius hat gesagt…

Stimmt: Die Frage ist falsch, aber sie wird leider immer wieder so gestellt. Daher habe ich versucht, zu erklären, daß es um Verherung und nicht um Anbetung geht.

Cassandra hat gesagt…

Woher kommt der Vorwurf?

das erste Mal untergekommen ist er mir im Frankreich des 13. Jahrhunderts, bei den Katharern. Die waren "der Kirche" vor, die Gläubigen in die Irre zu führen, was u.a. zur Anbetung von Statuen führe.
Kurzer Ausflug in die katharische Theologie: das Alte Testament ist vom Teufel, bis auf die Psalmen, die sind von Gott. Jesus ist reines Geistwesen weil Geist=rein=Gott, Körper=unrein=Teufel. Die Seele des Menschen stammt von Gott und ist ein Engel, der Körper vom Teufel. Nur das "consolamentum" befreit die Seele aus dem Kreislauf des immer wieder geboren werden müssens. Die Welt steht unter der Herrschaft des Teufels, Kirche und Könige sind, solange sie sich nicht abwenden, erst mal seine Werkzeuge.Das ist so etwa das, auf was sich Katharer einigen konnten. Consolamentum: man bekommt das Johannesevangelium gegen die Stirn gedrückt von einem "perfectus" oder einer "perfecta", der oder die sagt "Empfange den Heiligen Geist". Dann ist man selber perfectus (oder eben perfecta). Dann lebt man vegan, denn alles tierische ist ja unrein weil körperlich. Dadurch verliert man diese Reinheit dann wieder. In dieser Person residiert dann der Heilige Geist, der bei Begrüßung mit Kniefall verehrt wird.

Krachen tat es dann um's Geld: Weil eben alles des Teufels ist Deswegen darf oder muss man Steuern verweigern, und das fand dann der französische König suboptimal.

Man schenkte sich wenig bis nichts: "ihr betet den Teufel an" kam von beiden Seiten, Papst lief zu literarischer Hochform auf mit Bulle über Füchse im Weinberg, der Kniefall vor dem "Pefekten" wurde zu "Ihr betet Menschen an!", zwischendrinne hatte man Säuglingen in Todesgefahr das consolatemtum erteilt und nun erholten sie sich wieder, durften aber keine Muttermilch mehr trinken und verhungerten folglich (was damals wie heute blöde Presse macht), St Dominicus erfand den Manic Street Preacher (nein, tat er nicht, aber es paßt ins Narrativ) und am Ende dengelte man mit Stahl aufeinander ein, wobei die Unabhängigkeitsbestrebungen der Grafen von Toulouse nicht grade deeskalierend wirkten. Und dem päpstlichen Legaten Highwayman-mäßig aufzulauern war auch nicht hilfreich. Kurz: es ging heiß her, die Gemüter schaukelten sich hoch, man schenkte sich nichts.

Der Spaß dauerte bis in der 15. Jahrhundert an und wenn erst mal was in der Welt ist, wird es weitergetratscht. In diesem Fall nahm die Reformation es auf und dadurch wurde es zum absoluten Dauerbrenner.


Manchmal hilft es, zu wissen, wer was wann und unter welchen Bedingungen in die Welt gesetzt hat.

peccator quidam hat gesagt…

Das war aber keineswegs das erstemal, daß diese Frage gestellt wurde. Schon mal vom byzantinischen Bilderstreit gehört?

Cassandra hat gesagt…

Ja, habe ich, aber der Zorres zwischen Ikonoklasten und Ikonodulen hatte schon damals mit Rom nur ganz am Rande zu tun. Das ist ja alles noch vorschismatisch.
Eine Kontinuität von "Ihr Bilderverehrer ihr!" zwischen dem 9. Jahrthundert in Byzanz und dem heutigen evangelikalen Spektrum anzunehmen finde ich gewagter als 300 Jahre Stress um unter anderem diese Frage bis kurz vor der Reformation als Quelle der heutigen Vorwürfe. Waren ja nicht nur die Katharer, die was das angeht Öl ins Feuer gossen, da liefen ja auch noch Waldenser rum mit, was Bilder angeht, ähnlichen Ansichten (die Franziskanerminoriten störten sich eher an anderen Dingen). War halt eine unruhige Zeit, in der man mit "du Falschgläubiger" mehr Punkte machen konnte als mit "ich habe keinen Bock, Steuern zu zahlen". Da ist das mit der Bilderanbetung nur einer von vielen Punkten, aber das macht es nicht rationaler wenn man bei "ich hau dir den Schädel ein" angekommen ist. Wobei sich die Byzantiner auch gut in die Wolle bekamen...
Oder?