Montag, 6. Oktober 2014

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Lothar Franz von Schönborn in Häppchen (VII)

ünf Jahre vor dem erzbischöflichen Bruder war 1688 Philipp Erwein von Schönborn gestorben und im rheingauischen Geisenheim beigesetzt worden. Seiner Familie hinterließ er ein auf 620.000 rheinische Gulden geschätztes Gesamtvermögen. Als Fideikommiß ging es an seine Söhne Franz Georg (1639 bis 1674), Domherr in Bamberg, Würzburg und Mainz und Propst von St. Bartholomäus in Frankfurt, den Johanniter Johann Philipp (1642 bis 1703), auf Melchior Friedrich, seit 1668 verheiratet und seit 1672 Mainzer Vizedom in Aschaffenburg, und auf Lothar Franz, dem als Jüngsten der Komplex Gaibach übertragen wurde.

Große Aussichten, bald als Fürst- oder Erzbischof die Nachfolge des Oheims antreten zu können und damit die errungene hohe Position der Schönborn zu halten, besaß Franz Georg. Doch dessen unerwarteter Tod 1674 machte diese Hoffnung zunichte. Die Pläne der Familie konzentrierten sich von da an auf den damals 19 Jahre alten Lothar Franz, der ebenfalls für die geistliche Laufbahn bestimmt worden war, und der sich gerade in Wien für das obligate Biennium eingeschrieben hatte. Auffallend ist die Wahl des Studienortes. Bisher hatten die Schönborn französische Universitäten bevorzugt. Wohl wegen der negativen Erfahrungen mit der von Ludwig XIV. seit etwa 1688 verfolgten politischen Linie und der daraus gezogenen Konsequenzen war jetzt die Kaiserstadt an der Donau in den Vordergrund der Schönbornschen Beachtung getreten. Eine lang anhaltende politische Umorientierung deutete sich damit an. Vollzogen hat sie Lothar Franz, seit jungen Jahren Domherr von Bamberg und Würzburg und seit 1674 auch Mitglied des Mainzer Domstifts. Er löste sich von der frankophilen Haltung seines Oheims und vertrat bald eine eindeutig prokaiserliche Richtung. Mehrere Faktoren begünstigten diese Entwicklung. Österreich, das durch die Waffenerfolge über die Türken gegen Ende des 17. Jahrhunderts zu einer europäischen Großmacht aufrücken konnte und in Wien einen faszinierenden Mittelpunkt des kulturellen und künstlerischen Lebens hatte, war wieder attraktiv. Seine Ausstrahlung wirkte bis weit ins Reich. Gleichzeitig gewann der Kaiser als der verfassungsmäßige Beschützer und Verteidiger des Reichsrechts für das stiftische Deutschland erneut einen besonderen Stellenwert.

Auch in der Devise von Lothar Franz fand das seinen Niederschlag. Sein "Pro Deo, Caesare et Imperio" demonstrierte Kaisertreue. Gleichzeitig weist es jedoch als sein politisches Programm nach, daß diese Treue wesentlich vom Reich und seiner Verfassung her bestimmt ist. In der immer autarker geführten Politik der armierten großten Reichsstände, insbesondere im raschen Emporkommen von Brandenburg-Preußen sah er mit vielen im stiftischen Deutschland eine Bedrohung der katholischen Reichsstifte und der hohen Reichsämter der Kirchenfürsten. Um solcher Gefahr zu begegnen, vertrat er das unbedingte Festhalten an der bestehenden Reichsverfassung und ihrer Organe. Obwohl die alte Reichsidee von der politischen Realität eigentlich schon überholt war, hielt er an ihr fest und entfaltete sich zu einem ihrer letzten großen Verfechter.

[Aus: Die Grafen von Schönborn: Kirchenfüsten, Sammler, Mäzene; Germanisches Nationalmuseum Nürnberg, 18.2.-23.4.1989, Verlag des Germanischen Nationalmuseums, 1989, Passavia Druckerei GmbH, Passau]

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

na den nenne ich einen gelungenen Protzbischof, son richtig netter väterlich feudaler....den kann man nur in Häppchen genießen-aber er ist so nett zu Kindern und bietet denen sogar ein fürstliches Mahl an, gell Pimpfe. Sr. Robusta sollte ihm den Palast putzen, das hat sie aber abgelehnt, sie hat ja wahrlich schon genug zu tun.

Alipius hat gesagt…

Ja, Lothar Franz von Schönborn war nicht nur bzgl seiner Vita ein echter Barockfürst. Auch sein Äußeres konnte gut mithalten ;-)