Donnerstag, 27. November 2014

353c

Ähhh...

Seit bekannt wurde, daß der Polizist Darren Wilson wegen seiner tödlichen Schüsse auf Michael Brown nicht angeklagt wird, weil die Jury befand, daß er damals in Notwehr handelte, brennt Ferguson, während in anderen US-Städten die Menschen auf die Straße gehen, um gegen das Urteil, gegen Rassismus und gegen Polizeigewalt zu protestieren.

Eine us-amerikanische Lebensschutzseite kommt uns nun mit der Information, daß seit dem Tod von Michael Brown allein in Missouri (dem Staat, in dem Brown erschossen wurde) fast eintausend schwarze Babies abgetrieben wurden, daß aber komischerweise niemand deswegen protestiert. Abschließen heißt es:
    Everyone’s life has value regardless of how many people die or in what circumstances. Michael Brown’s life had value in the same manner as the lives of black babies killed in abortion, yet we’re outraged by the taking of one life and not the other.

    [Jedermanns Leben hat einen Wert, unabhängig davon, wie viele Leute sterben oder unter welchen Umständen. Das Leben von Michael Brown hatte einen Wert auf die gleich Art wie das Leben der schwarzen Babies, die durch Abtreibung getötet werden, und dennoch sind wir empört, wenn das eine Leben genommen wird und nicht, wenn das andere genommen wird]
Ich sehe einfach nicht, welcher Dienst der Lebensschutz-Bewegung geleistet wird, wenn man das Ferguson-Drama nimmt und ruft: "Jetzt schaut doch nicht nur auf den erschossenen Jugendlichen, sondern auch auf die Babies!"

Wenn in der unstabilen Situation, die momentan in Ferguson und in den USofA herrscht, ein ganz konkreter Fall herangezogen wird, um damit gegen Abtreibung zu protestieren, dann ist der Zweck zwar löblich (Protest gegen Abtreibung) aber das gewählte Mittel zum augenblicklichen Zeitpunkt meiner Meinung nach fragwürdig.

Die Wunde der Abtreibung wird leider ohnehin erst einmal offen bleiben. Dies bedeutet, daß all jene, die sich für den umfassenden Lebensschutz einsetzen, künftig immer wieder nicht nur die Gelegenheit, sondern auch die Pflicht haben werden, genau dies zu tun. Daher ist es unklug, jetzt auf die Wunden Fergusons noch Salz zu streuen, indem man den Tod von Michael Brown auf irgendeine Art und Weise mit den Abtreibungszahlen in Verbindung bringt.

Man soll sich gegen Abtreibung aussprechen. Man soll sich gegen zu locker sitzende Polizeischußwaffen aussprechen. Man soll sich gegen die automatische Schuldvermutung bei schwarzer Hautfarbe aussrepchen. Aber man sollte in gewissen Momenten auch das Fingerspitzengefühl haben, bestimmten Schmerzen ihren Platz einzugestehen, ohne zu befürchten, daß hier ein Drama das Rampenlicht klauen will.

Kommentare:

Monika hat gesagt…

Der ganze Beitrag läuft auf den letzten Satz zu. Und besonders für diesen: Danke

Gerd Franken hat gesagt…

Ich fürchte ganz so einfach ist es nicht. Wenn ich morgens die Zeitung aufschlage und lese, dass gegen eine Mutter wegen der Tötung ihres geborenen Kindes, Mordanklage erhoben wird, kommt mir immer das Frühstück hoch bei dem Gedanken, dass sie straffrei ausgehen würde, wenn sie vor der Geburt "gehandelt" hätte. Ich ertappe mich dann dabei, diesen Sachverhalt lieber für mich zu behalten und nicht weiter zu erzählen, weil ja ein Drama das andere nicht besser macht. Die Folge ist, dass ich schweige. Das ist allerdings auch nicht der Weisheit letzter Schluss. Das Problem was Lebensschützer haben ist die Tatsache, dass eine Abtreibung keine Straftat mehr ist, die von der Justiz verfolgt wird. Zumindest fällt mir auf die Schnelle kein Land ein, wo das so gehandhabt wird.

Alipius hat gesagt…

Das läßt aber immer noch Platz, einen Fall wie den von Michael Brown getrennt von Abtreibungsszenarien zu betrachten.