Sonntag, 23. November 2014

357.

Zum heutigen Evangelium

    In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern : Wenn der Menschensohn in seiner Herrlichkeit kommt und alle Engel mit ihm, dann wird er sich auf den Thron seiner Herrlichkeit setzen. Und alle Völker werden vor ihm zusammengerufen werden, und er wird sie voneinander scheiden, wie der Hirt die Schafe von den Böcken scheidet. Er wird die Schafe zu seiner Rechten versammeln, die Böcke aber zur Linken. Dann wird der König denen auf der rechten Seite sagen: Kommt her, die ihr von meinem Vater gesegnet seid, nehmt das Reich in Besitz, das seit der Erschaffung der Welt für euch bestimmt ist. Denn ich war hungrig, und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig, und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war fremd und obdachlos, und ihr habt mich aufgenommen; ich war nackt, und ihr habt mir Kleidung gegeben; ich war krank, und ihr habt mich besucht; ich war im Gefängnis, und ihr seid zu mir gekommen. Dann werden ihm die Gerechten antworten: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und dir zu essen gegeben, oder durstig und dir zu trinken gegeben? Und wann haben wir dich fremd und obdachlos gesehen und aufgenommen, oder nackt und dir Kleidung gegeben? Und wann haben wir dich krank oder im Gefängnis gesehen und sind zu dir gekommen? Darauf wird der König ihnen antworten: Amen, ich sage euch: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan. Dann wird er sich auch an die auf der linken Seite wenden und zu ihnen sagen: Weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das für den Teufel und seine Engel bestimmt ist! Denn ich war hungrig, und ihr habt mir nichts zu essen gegeben; ich war durstig, und ihr habt mir nichts zu trinken gegeben; ich war fremd und obdachlos, und ihr habt mich nicht aufgenommen; ich war nackt, und ihr habt mir keine Kleidung gegeben; ich war krank und im Gefängnis, und ihr habt mich nicht besucht. Dann werden auch sie antworten: Herr, wann haben wir dich hungrig oder durstig oder obdachlos oder nackt oder krank oder im Gefängnis gesehen und haben dir nicht geholfen? Darauf wird er ihnen antworten: Amen, ich sage euch: Was ihr für einen dieser Geringsten nicht getan habt, das habt ihr auch mir nicht getan. Und sie werden weggehen und die ewige Strafe erhalten, die Gerechten aber das ewige Leben. (Mt 25,31-46)
Die zur Rechten des Königs stehen, werden im Reich willkommen geheißen, welches seit Erschaffung der Welt für sie bestimmt ist. Warum? Weil sie Gutes getan haben den geringsten Brüdern des Königs und somit dem König selbst.

Wenn nun die zur Rechten des Königs hören "Weil ihr Gutes getan habt, kommt ihr ins Reich!", dann mag man glauben, daß die zur Linken dies zu hören bekommen: "Weil ihr Schlechtes getan habt, kommt ihr ins ewige Feuer!"

Jedoch ist dies nicht der Fall, denn für sie gilt: "Weil ihr das Gute nicht getan habt, kommt ihr ins ewige Feuer!"

Es ist demnach nicht genug, das Böse zu unterlassen. Vielmehr sind wir aufgefordert, das Gute nicht zu unterlassen.

Sollten wir uns diese Aufforderung zu Herzen nehmen? Das sollten wir. Heutzutage wird Christus ja oft dargestellt als ein ganz und gar netter Gott, der auf jeden Fall alle in seines Vaters Reich rufen wird und nie und nimmer irgendwen irgendwie bestrafen wird. Ich denke, der Text des heutigen Evangeliums rückt dies in ein anderes Licht. Christus, der König, der "sich auf den Thron seiner Herrlichkeit setzen" wird, ist durchaus willens, seine Subjekte dem ewigen Feuer zu überlassen, wenn sie nicht tun, was er von ihnen verlangt, nämlich den geringsten seiner Brüder Gutes.

Angesichts dieser Tatsache gibt es für uns, seine Subjekte, zwei Möglichkeiten: Wir können so lange an den Worten Christi heruminterpretieren, bis sie endlich das bedeuten, was wir gerne hören möchten. Bildlich heißt das, wir können vor den Thron des Königs treten und sagen: "Ich habe die Worte wohl vernommen, aber das hast du ja wohl nicht so gemeint, gelle? Hier, ich sage dir, wie du es eigentich gemeint hast!" (Ich wünsche jedermann bei diesem Unterfangen viel Vergnügen).

Oder wir können schlicht und einfach das tun, was Christus von uns verlangt: Nämlich den geringsten seiner Brüder das Gute.

Welche der beiden Möglichkeiten für jeden Einzelnen von uns fruchtbarer ist, das zu überlegen ist meine heutige Fleißaufgabe für den Rest des Tages.

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