Mittwoch, 19. November 2014

361.

Lothar Franz von Schönborn in Häppchen (X) - Abschließende persönliche Bemerkungen

oher kommt eigentlich des Herrn Alipius Vorliebe für genau diese eine historische Persönlichkeit?

Also zuerst einmal:


Wer als Katholik nicht nur Barock-Fan ist, sondern auch findet, daß Kirchenfürsten erstens passend gekleidet und zweitens geziemend übergewichtig zu sein haben, der kommt ja wohl an diesem Herren nicht vorbei, ohne vor Vergnügen zu quieken.

Hinzu kommt, daß ich über Lothar Franz von Schönborn bisher nur so viel in Erfahrung bringen konnte, wie jeder Normalsterbliche, der sich für irgendeine historische Persönlichkeit interessiert. Aber was ich in Erfahrung bringen konnte, daß klang erstens sympathisch und zweitens auch ein wenig seelenverwandt.

Sympathisch, weil der Kurfürst über viele Dinge lachen konnte, nicht zuletzt auch über sich selbst. Das ist eine Eigenschaft, die zumindest ich bei Menschen sehr schätze. Er hatte so ein wenig den Schalk im Nacken, war kleinen Streichen gegenüber ebenso aufgeschlossen (Wasserfontänen in der Sala Terrena, welche aus Löchern im Fußboden emporschießend den Damen unter den Röcken ein wenig "Abkühlung" verschafften), wie in Symbolen versteckten Andeutungen (sich zankende Putten am Geländer der Treppe, über wleche er Gäste gehen ließ, die ihm nicht ganz sympathisch waren).

Seelenverwandt, weil er sich mit Leib und Seele (und Geldbörse) einem Projekt verschreiben konnte, welches er unbedingt zu Ende führen wollte, weil das Endergebnis nach allem menschlichen Ermessen schlicht und einfach schön sein wird. Das waren bei Lothar Franz, dem "bauwurmb"-Opfer Nummer eins, natürlich in der Regel Schloßbauten. Ich selbst wäre in dieser Beziehung dem Kurfürsten mit Sicherheit nicht unähnlich, stünden mir entsprechende Mittel und Freiheiten zur Verfügung (was sie zum Glück nicht tun; wer weiß, was mir alles einfiele...).

Womit wir auch schon bei einem weiteren Grund für mein Groupietum wären: Schloß Weißenstein zu Pommersfelden! Wer so etwas nicht nur finanziert, sondern auch noch planend mitgestaltet, der hat als Fürst automatisch erst einmal meinen Respekt.

Ich sah irgendwann irgendwo einmal in einem Buch ein paar Bilder von Schloß Pommersfelden und dachte nur 'WOW'. Weiter forschend stieß ich auf das oben gezeigte Portrait von Lothar Franz, und irgendwie war die Sache von da an klar. Als ich bald darauf zum ersten Mal Franken und Bamberg bereiste, da wurden die Bischöfe der Familie Schönborn - allen voran Onkel Lothar Franz - zu meinen Reiseleitern und -begleitern. Es klingt vielleicht ein wenig bekloppt, aber ich entwickelte ein gewisses freundschaftliches Verhältnis zum "Erzbaumeister", in welchem meine Pflicht vorrangig darin bestand und besteht, oft nach Franken zu reisen und mir diverse kleine Wunderwerke anzuschauen, während Lothar Franzens Anteil ist, in der Vergangenheit eben für diese kleinen Wunderwerke gesorgt zu haben. Wir verstehen uns also ganz gut, auch wenn wir uns eigentlich gar nicht wirklich kennen.

Mein Traum ist es, irgendwann einmal ein wenig Privatkorrespondenz zwischen Lothar Franz und Lieblingsneffen Friedrich Karl lesen zu können, um zu erfahren, wie des Onkels Begeisterung und Leidenschaft angesichts diverser Bauplanungen von Brief zu Brief wuchs.

Okay, wir haben ja, wie man sagt, alle unsere kleinen Schrullen. Lothar Franz von Schönborn als Vater des fränkischen Barock ist meine.

Kommentare:

kalliopevorleserin hat gesagt…

Sie sei Dir von Herzen gegönnt, die Schrulle - von einer, die dermaßen auf den Archipoeta und seine Zeit abfährt, daß sie schon mal behauptet hat, spätestens nach 1250 hätte man eigentlich mit Dichten und Bauen aufhören können, da war schon alles Große fertig.
OK... ich finde die topmodernen Wohnungen des 19. Jhs. schon auch schön.

Anonym hat gesagt…

Ich weiß zwar nicht ob es hierher passt, wollte aber der Möglichkeit Ausdruck verleihen, hier täglich abzustimmen um 1000plus am Ende eine fünfstellige Summe zu sichern. https://www.made-inandfor-germany.de/project/deeplink/id/42 (Darf gerne geteilt werden)