Samstag, 15. November 2014

365c

Leopold und Rummel

Wenn wir im Stift Klosterneuburg heute unseren Gründer, den Heiligen Leopold, mit allem gebührenden Aufwand feiern, dann denke wohl nicht nur ich dabei besonders an einen Mann des Friedens, einen Mann der Kirche, einen Mann der Familie.

Wenn gleichzeitig drei Tage und Nächste lang direkt auf dem an den Stiftsplatz grenzenden Rathausplatz eine Kirmes stattfindet, dann bekomme zumindest ich - mit Fenster zum Stiftsplatz - dabei einen Soundtrack geliefert, der nur so mittelpassend ist. Das hysterische Kreischen der von tösenden Foltergeräten durch die Luft gewirbelten, auf den Kopf gestellten und wild im Kreis gedrehten Mädels (und manchmal auch Buben), die pseudo-enthusiastischen Durchsagen der Fahrgeschäfte-Belaberer ("Ja, und jetzt noch mal alle hier! Wer will nochmal, wer hat noch nicht! Die Reinigungscrew bitte mit Eimern und Wischmops zum Spinebuster 5000! Uuuuuuuuund Finale!") sowie das Hupen, Rasseln und Klingeln der Karussels und das dumpf-bassige Dröhnen der Musik: Das alles klingt im Mix wie ein Slasherfilm in der Disco.

Natürlich passen Kirche und Kirmes (= Kirch(weih)messe) zusammen. Und natürlich ist im Stiftsarchiv seit Abrahams Zeiten ein Leopoldi-Rummel verzeichnet. Dennoch finde ich das Lärmniveau (und die Alkoholleichen und die Taschendiebe und die auf dicke Hose machenden Jungspunde und und und...) unangemessen.

Nur damit's offiziell ist.

Kommentare:

Alexander hat gesagt…

Also Mädels durch die Luft zu wirbeln, finde ich schon gut. Das sie dabei wie wild kreischen gehört zum Ritual.Ich denke, sie lieben das. Jedenfalls bekam ich hin und wieder einen heftigen Schmatzer.

Anonym hat gesagt…

gilt nur für alle, die eben NICHT in der Nähe oder sehr nahe bei solch Spektakel schlafen müssen. Mich betrifft sowas auch,leider!Kann Herrn Alipius bestens verstehen!