Sonntag, 9. November 2014

371.

Wie es auf mich wirkt

Kardinal Burke war nie ein Mann, der in kuscheliger Wohlfühl-Unverständlichkeit dahervielleichte, wenn es darum ging, Inhalte der kirchlichen Lehre nicht nur zu nennen, sondern auch als für getaufte Katholiken verpflichtend zu erklären. Zudem erwies er sich schon vor vielen Jahren als ein Freund der Alten Messe, der sie pflegenden Institute und all jener besonderen Äußerlichkeiten, welche die Feier eines Pontifikalamtes im außerordentlichen Ritus mit sich bringt. Kurz: Er war gefundenes Fressen für eine bestimmte Geschmacksrichtung von Katholiken. Schließlich ist nichts einfacher, als ein Photo von Kardinal Burke in Cappa Magna zu posten und sich beim Verfassen des dazugehörigen Textes großzügig bei den Vorschlägen von der "Wir si-hind Kirche und du-hu ni-hicht!"-Bingo-Karte zu bedienen.

Daß Kardinal Burke allerdings als Mensch und Hirte alles andere als ein Wüterich war oder ist, das fiel mir bei einer Begegnung mit ihm sofort auf. Er ist ein sehr besonnener Mensch, der genau und geradeheraus sagt, was er denkt, aber dabei eine große Freundlichkeit und Wärme ausstrahlt. Ich würde Kardinal Burke beschreiben als einen Priester, der ein echter Kerl ist, aber es nicht nötig hat, dies irgendwem zu beweisen.

In den vergangenen Tagen gab es viel Wind, wegen eines Interviews, in dem der Kardinal die Kirche verglichen haben soll mit einem Schiff ohne Lotsen. Auf aleteia gibt es ein Interview, in dem Burke einiges erklärt. Die beiden vielleicht wichtigsten Punkte: Der Kardinal erklärt, daß er sich niemals in Opposition zum Nachfolger Petri stellen wird und erkennt an, daß in der Kirche im Moment viele Menschen verunsichert sind.

Gestern nun platzte die Bombe, deren Zündschnur schon seit Wochen eher vernehmlich als leise gezischelt hat: Papst Franziskus hat Kardinal Burke als Kardinalpräfekt der Apostolischen Signatur und damit Leiter des Obersten Gerichtshofes abgesetzt, ihn zum Kardinalpatron des Souveränen Malteserordens ernannt und ihn so aus der Kirchenleitung entfernt.

Da ich nicht gerne über die Intentionen eines Papstes urteile, möchte ich nur beschreiben, wie dieser Schritt auf mich wirkt (ohne dabei Anspruch darauf zu erheben, daß meine Gedanken und Gefühle geteilt oder gar verstanden werden): Auf mich wirkt dieser Schritt unbesonnen, vorschnell und unklug. Auf mich wirkt die Abberufung von Kardinal Burke zu diesem Zeitpunkt der Geschichte der Kirche und der Prüfung ihrer Lehre wie eine Strafaktion bzw wie das schnöde Abschießen einer unangenehmen aber einflußreichen Stimme. Vielleicht am schlimmsten: Auf mich wirkt dieser Schritt wie das hektische (Über-)Agieren agenda-pushender Revolutionäre, die ihr Leben als nicht geglückt betrachten werden, sollte all das, was sie zerstören oder erneuern wollen, nicht zu ihren Lebzeiten vollbracht sein.

Wie gesagt: Ich beschreibe nur, wie es auf mich wirkt. Vielleicht ist alles ganz anders.

Kommentare:

Jürgen Niebecker hat gesagt…

Für alle die einfach "Danke und so" sagen wollen:
https://www.lifesitenews.com/petitions/thank-you-cardinal-burke-for-your-vatican-service

Eugenie Roth hat gesagt…

Auf mich wirkt dieser Schritt keinesfalls unbesonnen, vorschnell und unklug.... Nein, wirklich nicht ... Ich denke, dass Papst Franziskus genau weiß, was er tut.

Jürgen Niebecker hat gesagt…

Natürlich weiß der Papst, was er tut. Es wäre ja auch schlimm, wenn er handeln würde, ohne zu wissen was er tut.

Aus der Tatsache, der der Papst weiß was er tut, folgt aber rein logisch nicht zwingend, daß das was er tut, auch gut ist. Es kann gut sein, oder auch nicht.

Das rechte Bewußtsein des Papstes ist kein Garant für das Richtige oder die Wahrheit.
Die Unfehlbarkeit hat er ja nur dann wenn er „ex cathedra“ in Glaubens- und Sittenfragen eine Entscheidung fällt.

LiturgiaDacoromanica hat gesagt…

Ich gehe als überzeugter aber gemäßigter Freund der altehrwürdigen Liturgie (ich danke Gott für das letzte Konzil!) trotz der großen Probleme ich mit unserem jetzigen amtierenden Papst habe immer vom Guten im Menschen aus.
Ich bin immer noch der Meinung dass in Franziskus mehrere Sachen zusammenkommen.
1. Er ist Argentinier und deshalb populistisch oder positiver ausgedrückt: volksnah. Deshalb die Rede vom Teufel und die Marienverehrung.
2. er muss bereits vor dem Konklave von 2005 "entdeckt" worden sein von 2 Gruppen: 1. den liberalen wie Kasper/Lehmann/Martini und 2. der alten Riege um Sodano die unter Benedikt "entthront" wurde.
Da er 2005 nicht gewann wurde er gecoacht. Man hat das Potential in ihm erkannt und es ausgenützt. Kasper übergab ihm während des Konklaves sein Buch über die Barmherzigkeit. Da er theologisch nicht sehr visiert ist hat er sich auf die "Instanz" Kasper verlassen.
3. Er will zeigen, dass man katholisch bleiben kann aber trotzdem evangelikal sein kann.

Entweder ist der Papst böse und will seine eigene Agenda durchdrücken weil er überzeugt ist dass es der Wille Gottes ist oder er wird instrumentalisiert von "bösen" Leuten die die Kirche dem Zeitgeist anpassen wollen.

Der Traditionalismus muss ein Ende haben! Diese tradi-rethorik muss weg. Ich möchte keinen Klerikalismus (arrogante, selbstverliebte Kleriker mit Doppelleben) und Barock Fetisch! Auch Kardinal Pell vertritt katholische Standpunkte aber er ist etwas defensiver und kluger-er hat Benedikts liturgische Linie immer verteidigt.

Burke ist der Rammbock um den Weg frei zu machen für einen echten Mann der Mitte-Kardinal Pell!

Reinhilde hat gesagt…

Vielleicht könnte man sich an Kardinal Burke ein Beispiel nehmen, Radio Vatikan schreibt:

Er werde sich niemals gegen einen Papst stellen, fügte er an. „Der Papst ist der rechtmäßige Nachfolger des Apostel Petrus, und damit ist alles gesagt“, so Burke.

MisterX hat gesagt…

Das kann nicht sein. Es ist einfach zu widersprüchlich. Die offensichtliche Papst-Doppelspitze erscheint mir auch als ein politischer Trick, wer weiß, ob noch ein Triumvirat daraus wird? Und man komme mir nicht irgendwelchen juristischen Ausreden: Da in Rom laufen zwei Männer rum, die als Päpste wahrgenommen werden und wahrgenommen werden müssen.
Daß man sich auf solche politischen Tricks verlegt will mir allzu weltlich sein und von mangelndem Gottvertrauen zeugen, aber vielleicht bin ich da ja zu naiv und man muß dem Glauben an Gott trickreich unter die Arme greifen. Doch entweder gibt es einen Gott und dann kann ich Ihm vertrauen oder alles ist bloß weltlich. Dann aber ist die Kirche auch nur eine Politvokabel, die um Macht und allenfalls vordergründig um Seelen bedacht ist, wie es ja nicht wenige schon lange unken.
Weder die Methoden noch die Inhalte, die in diesem Pontifikat in Erscheinung treten, kann ich weder mit dem Wirken des Apostels Petrus noch mit dem seiner zahlreichen Nachfolger in Einklang bringen.
Wenn nun niemand in der real-existierenden Kirche da ist, der hier entgegentritt, dann ist dies erstaunlich, denn dies gab es zuvor schon öfters (und fruchtbar!) in der Kirchengeschichte.
Was sind nun die zwingenden Schlüsse aus dieser Sichtweise? Ich mag mich irren, dann aber hat sich auch die Kirche zuvor schon geirrt und ist nicht mehr ernst zu nehmen. Oder die Wahrheit ist veränderlich, dann aber gibt es letztendlich keinen Gott und wir tun gut daran, uns anzupassen um unseres irdischen Überlebens wegen. Oder alles ist auf wundersame Weise richtig so, was unseren Verstand und die Logik Lügen straft und damit auch die Theologie.
Ich bin mir einigermaßen sicher, daß diese Zwickmühle angestrebt ist. Von wem auch immer.
Und daraus ziehe ich meinen Schluß von eingangs.

Georg F. Schimmerl hat gesagt…

schon abenteuerlch, welche Schlüsse aus dieser dem Papst zustehender Entscheidung gezogen werden. Alles Spekulation.
Wem nützt das?
Kardinal Burke wurde versetzt, menetwegen "degradiert", wenn es das n der Kirche überhaupt gibt;
Falls Kardinal Burke ein Heiliger ist, ergeht es ihm gerade wie vielen Heiligen in der Geschichte, wenn er es (noch) nicht ist, hat er jetzt beste Chance dazu

Alipius hat gesagt…

Wie gesagt: Ich schrieb nur, wie der Schritt auf mich wirkt, mit der (leider nicht rot unterstrichenen) Anmerkung, daß ich nicht gerne über die Intentionen eines Papstes urteile.

Stegi hat gesagt…

Also ich bitte euch- jeder, aber auch wirklich ein jeder weiß, dass die Intention eine einzige war: Burke zu beseitigen- wie bitte soll denn sonst auf der 2015er Synode Ehescheidung legalisiert werden!? Der Mann wurde, obwohl relativ orthodox verortet, von den Medien gehört.

"Barmherzigkeit" - das ist das Stichwort.

Arminius hat gesagt…

Ich befürchte auch, daß er genau weiß, was er tut.

Monika hat gesagt…

Bravo! Inhaltlich hab ich keine Meinung zu. Doch das Posting selbst gefällt mir