Montag, 10. November 2014

370b

Zwickmühle...

Eine Zwickmühle bietet zwei Entscheidungsmöglichkeiten, die beide zu einem (ungewünschten) Ergebnis führen.

Im Falle der wiederverheirateten Geschiedenen sieht dies so aus: Man läßt sie nicht zum Kommunionsempfang zu oder man läßt sie zum Kommunionsempfang zu. Das in beiden Fällen gleiche ungewünschte Ergebnis ist eine Anzahl unzufriedener Menschen. Man ist unzufrieden, weil die Kirche nicht barmherzig genug ist, um wiederverheiratete Geschiedene zur Kommunion zuzulassen. Oder man ist unzufrieden, weil die Kirche andeutet, daß es mit der Unauflöslichkeit der Ehe nicht so weit her ist.

Und hier erkennt man dann sofort, daß unsere Unzufriedenheit erst einmal zweitrangig ist. Denn diese ist ja erst das Resultat zweier viel schwerwiegenderer Fakten: Auf der einen Seite gibt es Menschen, die ernsthaft unter ihrer Situation leiden. Auf der anderen Seite gibt es eine auf den Worten Christi beruhende Lehre, von der befürchtet wird, daß sie unter Beschuß steht.

Alles Abwägen und Diskutieren zum Thema "Wiederverheiratete Geschiedene" darf also niemals die größtmögliche Anzahl zufriedener Individuen zum Ziel haben, sondern muß sich - und das ist die riesengroße Schwierigkeit - auf die reale Notsituation der direkt Beteiligten konzentrieren, ohne dabei den Anschein zu erwecken, göttliches Gebot und kirchliche Lehre anzugreifen.

Auch in Zukunft wird in allen Beratungen und Debatten zu diesem Thema sehr viel Spielraum für Essig und Peitschenhiebe sein. Ich wünsche mir, daß es allen Beteiligten gelingt, die Not der Betroffenen so ernst zu nehmen, wie die Worte Christi und die Lehre der Kirche, damit man sachlich und in einer gewissen Ruhe den Rahmen der Möglichkeiten ausmessen und Wege finden kann, die nicht zur Zufriedenheit führen, sondern die tatsächlich sowohl zum Heil der Seelen als auch zum Wohl der Kirche beitragen.

Wie gesagt: Riesengroße Schwierigkeit. Aber wir haben ja nicht nur den Glauben, sondern auch die Hoffnung und die Liebe.

Kommentare:

Frischer Wind hat gesagt…

Es gibt in diesem Fall keine Entscheidungsmöglichkeit und deshalb auch keine Zwickmühle.

Wenn ein Gläubiger (der Gottes Gebote ja kennt und Gottes Gesetz liebt) in schwerer Sünde lebt, so weiß er, dass er nicht fähig ist, die Wirkungen aufzunehmen, die der Empfang der heiligsten Eucharistie bei würdigem Empfang entfaltet, nämlich Stärkung und Wachstum des Gnadenlebens in der Seele durch die helfende Gnade.

Außerdem führt der Empfang der hl. Eucharistie zu einer wirklichen Vereinigung mit Gott und den anderen Menschen, die die Kommunion empfangen und das göttliche Gnadenleben in sich nähren. (Wenn keine heiligmachende Gnade da ist, kann sie auch nicht genährt und gestärkt werden).

Das Sakrament, das die heiligmachende Gnade wieder herstellt, ist nicht die Eucharistie, sondern die Beichte.

Siehe auch hier bei Pro Spe Salutis:
Von den Sakramenten der Toten und der Lebenden

Da durch die schwere (=Tod-)Sünde des nicht bereuten Ehebruchs das Gnadenleben in der Seele erloschen ist, muss sich die Seele zunächst durch das Sakrament der Buße das Gnadenleben wieder schenken lassen. Erst dann ist sie in der Lage, würdig zu kommunizieren.

"Würdig" bedeutet dabei also nur, "im Stande der heiligmäßigen Gnade sein", ein Zustand der Seele, der durch das Fallen in und Nichtbereuen einer Todsünde zerstört wird. Deswegen ist das Geschwätz von wegen "niemand sei doch letztlich würdig, zu kommunizieren" auch eben das: unverständiges Geschwätz, das nicht weiterhilft.

Wer dieses Brot nicht unterscheidet, so der hl. Paulus, isst und trinkt sich das Gericht, d. h. er begeht ein Sakrileg, also eine weitere schwere Sünde, die ein Umdenken und eine Bekehrung noch unwahrscheinlicher macht.

Viel schimmer aber ist, dass manche Verantwortlichen in der Kirche betroffenen Gläubigen (die falsche) Hoffnung machen, dass die Kirche die Möglichkeit habe, sie zur Kommunion zuzulassen. Stattdessen sollten vor allem sie den Gläubigen erklären, warum dies ein Ding der Unmöglichkeit ist.

Sie tragen auch die Verantwortung dafür, den Betroffenen (und allen anderen, die den Gnadenstand verloren haben) verständlich zu machen, dass ihr Seelenheil auf's äußerste gefährdet ist, wenn sie in diesem Zustand sterben sollten.

Würden Betroffene die Kommunion in ihrem Seelenzustand empfangen, so hätte sie auch keinen geistlichen Nutzen davon. Es wäre reine Show, Heuchelei, die vorgaukelt, man sei, was man nicht ist. Es bleibt die Hoffnung auf Umkehr und Buße, zu der die Liebe zu Gott führen kann.

So ergänzen sich Glaube, Hoffnung und Liebe. Niemals ist das eine ohne das andere denkbar. Alle münden schließlich im Willen Gottes.

Alipius hat gesagt…

Das ist alles selbstverständlich richtig, aber wenn ich von "Entscheidungsmöglichkeiten" spreche, dann meine ich eben auch wirklich Möglichkeiten. Zu diesen Möglichkeiten zählt für Menschen, die in schwerer Sünde leben, nicht der Empfang der Heiligen Kommunion (und auch nicht die Beichte, wenn sie nur eine Momentaufnahme der Reue ohne Willen zur Besserung ist). Andererseits kann man deswegen nicht sagen, daß man nun die wiederverheirateten Geschiedenen in der Kirche einfach links liegen läßt.

Mit "Zwickmühle" meinte ich nicht, daß die Kirche sich zwangsläufig für eine von zwei falschen Lösungen entscheiden muß, sondern eher die Art, wie die Debatte momentan in weiten Kreisen wahrgenommen wird. Letztlich geht es - wie Du ja auch sagst - um die Gnade und um das Heil der Seelen. Hier muß meiner Meinung nach viel stärker angesetzt werden, um den Menschen die Natur und die Realität sowohl der Ehe als auch der Sünde (inkl Buße und Umkehr) wieder näherzubringen. Das Problem ist, daß man eben heutzutage die Sünde lieber unter den Teppich kehrt (auch in der Kirche) und die Ehe in diesen Tagen schwer ausgehöhlt wird.

Gerd Franken hat gesagt…

Vielleicht eine etwas provokante Frage: Wenn jemand hartnäckig in der Todsünde verharrt, und sich nicht belehren lassen will, (soll vorkommen, kommt auch vor), warum soll die Kirche ihn dann nicht links liegen lassen?

Alipius hat gesagt…

Ist es denn wirklich so, daß der Großteil der Menschen überhaupt noch korrekt darüber aufgeklärt ist, was eine Todsünde ist? Was die Bedingungen für eine Todsünde sind? Natürlich haben diejenigen ein Problem, die sich wissentlich im Stande der Todsünde befinden und dies weder bereuen noch ändern wollen. Aber ist "Todsünder!" wirklich der Ansatz, mit dem wir von vornherein auf jeden wiederverheirateten Geschiedenen zugehen wollen und müssen?

Anonym hat gesagt…

Eure honigsüße Opulenz, meine Abiturienten - überwiegend katholisch und gefirmt - können auf Nachfrage keinen Kerngedanken des Christentums nennen. Sie wissen sicherlich auch nicht, was eine Todsünde ist.

Matthias Ruckenbauer hat gesagt…

Aber ja, doch! Man muss nur herumfragen. Die Menschen sind ganz aufgeklärt über die Sünde, hauptsächlich darüber, daß es sie nicht gibt und, daß die Kirche da mit ihren mittelalterlichen Moralvorstellungen (die müssen ja schlecht sein, weil Mittelalter ist immer schlecht) so viel schaden angerichtet hat. Woher ich das habe? Von einem freigeistigen Hippie-Theologen? Von einem durchgeistigten Schleiertanz-zu-Bongotrommel-am-Altar Befürworter? Mitnichten! Diese Offenbarung stammt von einem Priester bei der Beichte.

Wir unterrichten die Kinder nicht mehr ordentlich, wir unterrichten die Jugendlichen nicht mehr ordentlich und dann sind wir erstaunt, daß die Erwachsenen keine Ahnung von zumindest dem Buchstaben der katholischen Lehre haben, geschweige denn von ihrem Sinn und Inhalt. Zum Ausgleich passen wir alle Regeln, die eigentlich dazu da wären uns auf dem rechten Weg zu halten, auch wenn wir ihn vielleicht nicht immer erkennen können, diese Regeln passen wir immer weiter der "Lebensrealität der Menschen" an. Wir beugen uns immer weiter der normativen Kraft des Faktischen anstatt die die faktische Kraft des Normativen zu verwenden um die Menschen tatsächlich Gott näher zu bringen. Ich *hoffe* auf die Gnade Gottes für die, die es nicht besser wissen. Ich *fürchte* für alle, denen Verantwortung für die Menschen auf die eine oder andere Weise übertragen ist, die Berge, von denen der Psalm sagt, daß sie Frieden empfangen für das Volk damit die Hügel Gerechtigkeit erlangen.

Gerd Franken hat gesagt…

@Alipius
Ich habe meine provokante Frage nun nicht speziell auf die wiederverheiratet Geschiedenen projektieren wollen. Ich frage mich nur immer wieder, was Jesus genau gemeint hat, als er der Ehebrecherin den Rat gab, "von nun an, nicht mehr zu sündigen." Weiter bezeichnet er die hartnäckigen Sünder, die sich auch nach Belehrung nicht umkehren wollen, als Heiden, mit denen man keinen Kontakt mehr pflegen soll. Hört sich doch sehr nach "links liegen lassen" an.

Alipius hat gesagt…

Ich schrieb ja auch: "Natürlich haben diejenigen ein Problem, die sich wissentlich im Stande der Todsünde befinden und dies weder bereuen noch ändern wollen". Dennoch ist es meiner Meinung nach auch Aufgabe der Kirche, für solche Menschen erkennbar und vernehmlich als Angebot zum Heil aufzutreten. Man weiß wie, was in deren Leben geschieht, und wir haben es aus Jesu Mund, daß im Himmel über einen reuigen Sünder mehr Freude herrscht als über 99 Gerechte.

Matthias Ruckenbauer hat gesagt…

Die Aufgabe der Kirche ist es den Heiden das Evangelium, die frohe Botschaft, Christi zu verkünden, sie zu lehren und für Gott zu gewinnen. Es ist eine gute Idee jemanden der sich zwar Christ nennt aber nicht so handelt als Heiden anzusehen, also als jemanden dem ich helfen will.
Merke: Jesus sagte über den völlig uneinsichtigen Sünder: "... dann sei er für Dich wie ein Heide oder ein Zöllner." Sieh Dir dann an, wie Jesus mit Heiden und Zöllnern umging und schließe daraus, was das für Deine Nachfolge Christi bedeutet.

Gerd Franken hat gesagt…

>>Sieh Dir dann an, wie Jesus mit Heiden und Zöllnern umging und schließe daraus, was das für Deine Nachfolge Christi bedeutet.<<

Auch auf die Gefahr, dass ich nerve: Ein Bekannter wurde von seiner Frau verlassen. Die Ehe war kirchlich geschlossen und gültig, zumindest wird das bis heute bestätigt. Nun lädt mich die Frau zu einem Geburtstag ein, weil ich mit ihr gut bekannt bin. Ich bin nicht gegangen, weil ich das vor meinem Gewissen nicht verantworten und auch den ersten Mann nicht bloßstellen wollte. Hätte ich gehen solle? Mit welcher Begründung? Etwa weil Jesus mit Heiden und Zöllnern verkehrt hat?

Alipius hat gesagt…

Welches Etikett ich bestimmten Leuten aufdrücke ist ja nun auch zweitrangig. Wichtiger ist, wie ich mit bestimmten Leuten umgehe. Ich muß einen Menschen nicht erst als Heiden ansehen, um ihm helfen zu wollen und ein Mensch, dem ich helfen will muß auch nicht zwangsläufig ein Heide sein. Ich weiß, daß hast Du nicht gesagt und nicht gemeint, aber ich möchte für alle Leser ein wenig der Gefahr vorbeugen, zu glauben, man könne Menschen klassifizieren und dann entsprechend behandeln. Mensch ist und bleibt Mensch. Hilfsbedürftig ist hilfsbedürftig und bleibt es so lange, bis ich helfe.

Matthias Ruckenbauer hat gesagt…

Ah, aber nein doch - ehrlich fragen, suchen und zweifeln finde ich gut!

Man muss immer auf die ganze Lehre, auf alles was Jesus getan hat schauen. Ja, er hat mit Sündern Kontakt nicht nur gehabt sondern sogar gesucht. Das war ihm wichtig, daß er für die gefallenen Menschen da ist und nicht nur für die gerechten. Die ersteren haben es ja auch notwendiger und weil er sie liebt will er, daß sie gute Menschen werden. Deshalb hat er ihnen ihre Schuld vergeben wenn sie Vergebung gesucht haben, und deshalb hat er ihnen eingeschärft von nun an nicht mehr zu sündigen. Nie hat er ihre Schuld relativiert, nie den Blick darauf vernebelt sondern immer hingezeigt und gesagt: "Das ist nicht gut, mach das nicht!"
In der konkreten Situation wäre ich vielleicht auch nicht mit der Freundin zu dem Geburtstag gegangen. Die Frage ist dabei wie sie es verstehen würde wenn doch (und vielleicht auch wie ich es verstehen würde). Gemeinsam eine Einladung wahrzunehmen bedeutet in unserer Gesellschaft für gewöhnlich mehr als bloße Freundschaft. Keinesfalls sollte man einen anderen in Versuchung führen zu sündigen. Wen man liebt, dem will man nicht schaden, viel mehr will man das beste für diesen Menschen. Das ist nicht immer leicht zu erreichen, oft richtet man viel Schaden an, wenn man allzu plump mit der Türe ins Haus fällt.
Es wäre eine Überlegung wert zu versuchen der Dame ein liebender Freund zu sein, sie geduldig und sanft darauf hinzuweisen was der richtige Weg ist und auch keinesfalls aufzugeben wenn sie diesen Weg nicht geht. Den nächsten zu lieben heißt auch darauf zu hoffen, daß er vielleicht letztendlich doch noch umkehrt. Zu spät ist es dafür nie und manche Menschen führt der Herr auf wirklich seltsamen Wegen die wir nicht immer erkennen.

Matthias Ruckenbauer hat gesagt…

Ah ja - danke für die erklärende Unterstützung - da war ich vielleicht nicht klar genug.
Was natürlich bei meinem obigen Geschreibsel nicht herauskam war, was es heißt jemanden "als Heiden anzusehen". Das bedeutet, daß man ihn noch viel mehr lieben muss, im Sinn einer aktiven Caritas, einer hinausreichenden und sorgenden Liebe. Schließlich hat der Sünder das ja auch mehr nötig. Der Hirte, der losgeht um das eine verlorene Schaf zu finden sorgt sich in diesem Moment ja auch mehr um das eine als um die neunundneunzig anderen - die lässt er auf der Weide stehen. Natürlich ist er auch noch immer Hirte der restlichen Herde, aber seine besondere Sorge und Mühe gilt dem verlorenen Schaf bis er es wieder zurückbringt. Schafe, die bereits einem einfachen Rufen folgen sind da natürlich leichter zu handhaben, aber man hat es halt nicht immer leicht.

Gerd Franken hat gesagt…

Danke für die ausführliche Antwort. Dass der Herr uns auf seltsame Wege führen kann ist unbestritten. Hauptsache er führt uns wieder gut heraus.

Monika hat gesagt…

Es gibt sehr wohl noch (wenigstens) eine dritte Möglichkeit. Das ganze beruht auf dem Jeususwort "Was Gott verbunden hat, soll der Mensch nicht trennen".

Und aus diesem Wort ergeben sich zwei Fragen: Hat es Gott verbunden? Ist es noch (von Gott) verbunden?

Die erste Frage wird durch die Eheannulation gelöst.

Der zweiten Frage widmen sich sehr wenige Leute. Die meisten gehen davon aus, daß die Verbindung noch besteht, solange einer der beiden Ehepartner lebt. Es kann aber durchaus sein, daß man eine eheliche Verbindung "ermorden" kann - daß diese Verbindung nach einer Tat, einer Reihe von Vorgängen, nicht mehr besteht.

Also, daß durchaus eine von Gott gestitftet Beziehung da war - und jemand hat sie zerstört. Das könnte die schwere Sünde gewesen sein. Einen echten Mord kann man bereuen, ohne daß von einem verlangt wird, dem Getöteten wieder Leben einzuhauchen. Allen ist klar, daß eine Leiche tot ist. Nur Gott kann wieder Leben einhauchen. Tut er aber meistens nicht. Eine Beziehung kann genauso tot sein.

Zu verlangen, daß zwei Menschen das menschenunmögliche versuchen und eine tote, ermordete, geschändete Beziehung wiederbeleben ist der Fehler.

Monika hat gesagt…

"Solange beide Ehepartner leben" sollte es heißen.

Jorge hat gesagt…

Das ist ein ganz puritanisches Jesusbild. Jesus ist kein Sittenprediger, er ist nicht gekommen, Sünder zu bekehren und zur Besserung anzuhalten. Dann hätten ihn die Gerechten ja nicht umgebracht, sondern gelobt. Er ist gekommen, Sünder zu retten, und hat die Gerechten links liegen lassen. Das heißt er hat offenbart, dass die Sünder in den Himmel kommen und die Gerechten nicht.

Das scheint im Kern daran zu liegen, dass die Gerechten gar nicht gerecht sind, sondern selbstgerecht, und dass diejenigen, die sich einbilden, sie wären Sünder, in Wirklichkeit dem Gottesreich viel näher stehen als die Frommen und die Priester, die ihnen das einreden, um selber vor Gott besser dazustehen.
Das wird ihnen aber nicht gelingen, und genau dies zeigt Jesus durch seine (zeichenhafte, nicht moralpredigerhafte) Zuwendung zu öfftl. Sündern.

Wer diese Verkehrung der öfftl. Moral ausblendet und Jesus zum Moralprediger stilisiert, der versteht nicht, was Jesus bei den öffentlichen Sündern eigtl. wollte. Die Sünder sind in Gottes Augen besser als wir, das ist die Botschaft. Die ist für sittenstrenge Gutmenschen schwer zu ertragen, aber gerade deshalb wurde Jesus ja so angefeindet und starb am Kreuz.

Am Rande (und zum Trost) sei angemerkt, dass es ein paar Gerechte, die Jesu Opfer verstanden und daran geglaubt haben, womöglich doch in den Himmel schaffen, aber jdfs. ist es für sie sehr schwer und geht auf keinen Fall, wenn sie darin fortfahren, sich als etwas Besseres als die Sünder zu betrachten.

Deshalb ist die strenge Haltung in dieser Wiederverheiratetenfrage so gefährlich. Nicht für die Wiederverheirateten, sondern für die Sittenstrengen. Die müssen umkehren, nicht die so gen. Sünder. Denen wird das Himmelreich vielmehr fast umsonst gegeben, wenn sie sich nicht ganz doof anstellen (gibt es natürl. auch, man denke an die lustige Geschichte bei Joh, wo der am Sabbat Geheilte schnurstracks in den Tempel rennt und Jesus bei den Priestern anzeigt).

Das Ganze nennt sich "Evangelium" und unterscheidet das Christentum von anderen Religionen, wo immer nur die Guten gerettet werden.

Jorge hat gesagt…

Also, ich würde das nicht so eng sehen und vor allem nicht so stark auf die theoretische Debatte über die Wiederheirat beziehen wollen. Wenn ich das Gefühl habe, jmd. hat sich schäbig verhalten und das auch noch ggü. meinem Freund, so finde ich es ganz normal, dass man diese Person evtl. schneidet oder ihr mit gewisser Reserve begegnet. Als Außenstehender sollte man sich nur bemühen, trotzdem niemandem Unrecht zu tun und nicht vorschnell zu urteilen. Ansonsten ist das ganz menschlich.

Bei der theoretischen Debatte über die Wiederheirat geht es ja aber gerade darum, dass der Freund (nehmen wir mal an, er ist der unschuldigere Teil) genauso behandelt wird wie der (mglw. schuldigere) andere Partner. Wenn also ein unschuldig Verlassener nach Jahren der Einsamkeit und Verzweiflung und dauerhaft enttäuschten Hoffnungen auf Versöhnung am Ende doch eine neue Partnerschaft eingeht, droht ihm dieselbe Konsequenz wie dem, der die Ehe durch seine Untreue kaputt gemacht hat. Das ist doch der springende Pkt.