Donnerstag, 6. November 2014

374.

Menschenwerk

Blasphemie, zusammengesetzt aus altgr. blaptein (schwächen, hindern, beschädigen) und pheme (Ruf, Ansehen, Rede), ist in vielen Kulturkreisen mehr als simple Rufschädigung, nämlich - wenn es als öffentliche Beschimpfung oder Lästerung Gottes daherkommt - eben genau dies: Gotteslästerung.

"Gotteslästerung" klingt übel. Und Gotteslästerung ist übel, wenn man sich im falschen Kulturkreis aufhält und dort von den richtigen Leuten angeklagt wird. Dann kann es schon mal geschehen, daß man von einem aufgebrachten Mob gefoltert und verbrannt wird, unabhängig davon, ob man denn nun wirklich Gott gelästert hat, oder ob private und/oder wirtschaftliche Interessen dahinterstehen.

Ich bin sicherlich nicht der Einzige, dem bei solchen Geschichten die Nackenhaare senkrecht von der Haut abstehen. Und während sich die Nackenhaare irgendwann wieder legen, kommt immer wieder die gleiche Frage: "Wie kann das eigentlich sein?"

Welcher Gott sitzt auf seinem Thron und murmelt: "Wie bequem ist es, einfach von hier aus zuzusehen und eine tollwütige Meute darüber entscheiden zu lassen, wer nun wahrhaft lebenswert ist, wer wirklich glaubt und wer würdevolle Behandlung verdient! Was für ein Glück, daß ich Mimöschen Leute habe, die all das für mich erledigen, was ich in meiner grenzenlosen Schwachheit niemals zustande brächte! Wie gesegnet bin ich, daß meine Schöpfer mich als dauerbeleidigte Leberwurst konzipiert haben! Hey, du! Ja, du! Engel mit den löchrigen Flügeln! Reich mir mal die Fernbedienung rüber!"

Kommentare:

Matthias Ruckenbauer hat gesagt…

Na ja, vermutlich doch der gleiche, der zuließ, daß Menschen von einem aufgebrachten Mob als Hexx (man beachte die gendergerechte Schreibweise) verfolgt und verbrannt/ersäuft/wasauchimmer wird, unabhängig davon, ob man denn nun wirklich einx Hexx ist, oder ob private und/oder wirtschaftliche Interessen dahinterstehen. Egal ob es elf Millionen waren (eher nicht) oder ein paar tausend oder ein paar hundert, jeder einzelne stellt mir die Nackenhaare auf und wenn sie sich dann wieder legen frage ich mich: "Wie kann das eigentlich sein?"
Manche Gesellschaften haben Gott sei Dank daraus etwas gelernt (wenn auch nicht immer genug).

Matthias

Tantum Ergo hat gesagt…

Die "Hexenverbrennungen" waren zahlenmässig a) nur ein Bruchteil der Massenmorde an Christen durch Mohammedaner, und b) waren sie aus der Sicht der Tradition not-wendig.
Merke: wenn zwei das Gleiche tun, dann ist es NICHT das Gleiche!

Matthias Ruckenbauer hat gesagt…

a) Wen interessiert's? Für die Richtigkeit des einen ist die Menge des anderen doch nicht ausschlaggebend!
b) Viele der - meist zivilen, nicht kirchlichen - Hexenprozesse kamen, soweit ich nachlesen konnte, nur dadurch zustande, daß irgendjemand das Eigentum einer alleinstehenden Frau (insb. Grund) haben wollte und diese daher als Hexe angeschwärzt hat. Was soll daran aus Sicht der Tradition (welche Tradition?) denn notwendig sein?

Anonym hat gesagt…

Sie waren aus der Sicht der Tradition NOTWENDIG? Wenn Ihnen das als Entschuldigung dient, müssen Sie dasselbe Verständnis für die Dschihadisten aufbringen, denn deren Dschihad ist im Sinne ihrer Tradition auch notwendig. Also bitte.

kalliopevorleserin hat gesagt…

Verleumdung aus Geldgier hat zwar tatsächlich Tradition, und zwar überall. Aber notwendig ist sie nicht!