Samstag, 20. Dezember 2014

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Mit oder nicht?

Bayerns Erzbischöfe sind sich im Moment nicht einig, ob Katholiken nun bei PEGIDA-Demos mitlaufen dürfen, oder nicht.

Bambergs Ludwig Schick meint: "Nö!"

Münchens Erzbischof Marx meint: "Das muß sich jeder selbst überlegen!"

Der Herr Alipius meint: "Ja! Aber aus den richtigen Gründen!"

Denn egal, wie man zum Islam steht und in welchem Grad man sich durch ihn bedroht fühlt, oder nicht: Mit Haß-Aktionen wird man nichts ändern. Nun sehe ich im Moment in der PEGIDA-Masse noch keinen Haß und keine explodierende Gewalt, sondern eher Sorgen und/oder Ängste, ausgedrückt von Leuten, die in ihrer Hilflosigkeit oder vielleicht auch Naivität keinen anderen Weg sehen. Die Aufgabe für Katholiken wäre, daß wir da hingehen und den Leuten klarmachen, daß nur durch ein glaubwürdiges Vorleben der christlichen Botschaft sich in der Gesellschaft die Dinge zum Besseren ändern werden. Pures "Kein Islamismus"-Getue (welches dann - über die Politically Incorrect-Bande gespielt - in meinem Kommentarbereich schnell mal solche Formen annimmt: "der islam und seine anhänger sind der letzte abschaum und sollten sich aus europa - solange sie noch können - verdünnisieren" - Keine Angst: Kommentar wurde bereits gelöscht) ist alleine schon deswegen für mich verdächtig, weil ein "Dagegen!" nie ausreicht. Es gibt nun mal keinen Weg vorbei an der Tatsache, daß wir in einer Gesellschaft leben, in der man statt diesem "Dagegen!" ein "Gemeinsam!" setzen muß. Hier stehen an erster Stelle die Anständigen, die Mutigen aber auch die Ehrlichen, die keine Agenda fahren.

Und an zweiter Stelle stehen die Nicht-Unanständigen, die Nicht-Feigen und die Nicht-Unehrlichen, die sich aber noch nicht zum Anständig-, Mutig- oder Ehrlich-Sein durchringen konnten und höchstwahrscheinlich nur auf den richtigen Anstoß warten, um die richtige Seite zu wählen, nämlich die der Gewaltlosigkeit, der Barmherzigkeit, der Nächstenliebe und des Friedens.

Schäumendes und verallgemeinerndes Auf-dem-Islam-und-den-Muslimen-Rumgehaue bringt nichts. Ich weiß nicht, ob (und wenn ja, wie heftig) dieses Rumgehaue auf den PEGIDA-Demos stattfindet, aber ich weiß, daß überall dort, wo PEGIDA thematisiert wird und die Kommentarbereiche geöffnet sind, in nullkommanix die Trolle am Start sind, die gleich mal mit den gewetzten Messern anrücken und eine Sprache drauf haben, die mir eben so viel Angst einflößt, wie meine nicht eben gemütlichen Salafisten-Kumpels in Floridsdorf (Klar: Letztere sind momentan für mich konkret die größere Bedrohung, aber wenn man das gesamte Bild betrachtet, dann darf man eben nirgendwo Gewalt-Tendenzen dulden).

Schäumendes und verallgemeinerndes PEGIDA-Teilnehmer-als-Nazis-Abstempeln bringt ebenso wenig. Besser wäre es, mit kleinen, agilen, katholischen Schock-Truppen das Unerhörte zu versuchen und im Herzen der Bewegung die Aufmerksamkeit auf die befreiendste Botschaft aller Zeiten zu lenken (ich frag mal bei den Pimpfen nach, ob das 'was geplant ist...).

Denn im Grunde ist doch schon der Name der Bewegung falsch Gewählt. Nicht "Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes" sollte es heißen, sondern "Europäer für das Ernstnehmen und Ausleben der Christlichen Botschaft" (Wobei sich "PEGIDA" natürlich besser spricht als "EFDEUADCS", gebe ich gerne zu...).

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Da immer wieder Sympathisanten von Pegida Menschen mit einer differenzierenden Betrachtungsweise abwertend als "politisch korrekt" abtun, hier einige Gedanken dazu.
Ich sehe jetzt mal zwei Deutungsebenen der "politischen Korrektheit".
- Einerseits bezeichnet sie einen historisch mühsam erarbeiteten gesellschaftlichen Konsens bezüglich des respektvollen und wertschätzenden Umgangs mit Menschen anderen Geschlechtes, anderer Hautfarbe, nichtheterosexueller Lebensweise, anderer Nationalität, anderer Religion, körperlicher bzw. seelischer Behinderung, mit Arbeitslosen, Armen etc. So wie es als Menschenwürde auch verfassungsrechtlich geschützt wird. In diesem Sinne ist "political correctness" eine der wesentlichen menschheitlichen Errungenschaften.
- Andererseits kann man darunter verstehen, was Erich Fromm und Arno Gruen als die Krankheit des Normalen kritisieren, nämlich der alltäglich allgemein hingenommene Irrsinn der Ausbeutung von Mensch und Natur zugunsten eines auf herzlosem Konkurrenzdenken basierenden Wirtschaftswachstumsparadigmas, das einer immer kleiner werdenden Finanzelite immer wahnwitzigere Geldbeträge nach oben hin abführt, dabei sogar Kriege in Kauf nehmend. Dass die entsprechenden Politiker und Interessengruppen dann nicht gerne darüber reden oder reden hören, wenn Luft, Böden und Gewässer global vergiftet werden und wenn Hirne und Gemüter der Menschen durch Werbung und Konsum vergiftet werden, wenn im Rausch von Konsum und Mobilität nicht einmal die heilige Sonntagsruhe eingehalten wird, auf dass der Mensch sich wenigstens am siebten Tag rückbindet mit der bedingungslos liebenden Gegenüberhaftigkeit als solcher, die ihn erst zur menschlichen Person erschuf und erschafft, wenn Tiere in der Massentierhaltung grausam leiden, wenn Menschen in anderen Ländern regelrecht versklavt werden zur Ermöglichung von "Geiz ist geil" in Billigdiscountern in Deutschland (parallel dazu etwa in Deutschland der Umgang mit Menschen in "Hartz 4"), wenn westliche Waffen diese geschundenen Menschen von ihrem berechtigten Protest abhalten (und solche Protestierenden allzuleicht als "Terroristen" abgestempelt werden) etc. und wenn in vielen Medien über diese Zusammenhänge kalt hinweggegangen wird, dann widersetzt sich etwa auch ein Eugen Drewermann - in der Nachfolge Erich Fromms - ausdrücklich einer totschweigenden, verdrehenden, erstarrten und erstarrenden "politischen Korrektheit".

Gruss
Peter Friedrich