Donnerstag, 18. Dezember 2014

332.

Das achtzehnte "WSDST"-Türchen

Hmm...

Wenn der Franzose Henri Adolphe Laiseement (1854 - 1921) einen jungen, gut aussehenden Kardinal malt, der mit einem Strauß Blumen in der Hand an eine Türe klopft, dann könnte man vielleicht noch denken, daß der Herr bei seiner kranken, ans Bett gefesselten Mama vorbeischaut, um sie ein wenig zu unterhalten.

Wenn der Kardinal dann aber leicht verschmitzt lächelt, die Augen verschwörerisch halb geschlossen hat und rein zufällig in die Richtung zweier abgelegter Damenhandschuhe schaut, dann hat man plötzlich ein Kapitel aus einem Schnulzroman über das, was die Welt irrig als "verbotene Liebe" bezeichnet, was aber in Wirklichkeit nur verbotener Matratzentango ist.

Da aber der Maler klugerweise nicht offenbart, wer hinter der Türe wartet, tippe ich mal nicht auf Madame Frivole und ihre strategisch platzierten Pfauenfeder-Fächer, sondern nur auf eine gute, alte Freundin mit der es schon seit Ewigkeiten leicht erotische Spannungen aber keine ernsten Fehltritte gibt.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

bei der Dame , die über 60 ist , handelt es sich um sein Beichtkind, eine sympathische Gottgeweihte , fromme Seele...was denn sonst?

aloysius hat gesagt…

das erinnert sehr an "Dornenvögel" ;)

peccator quidam hat gesagt…

Pff! Es handelt sich selbst-ver-ständlich um seine Mutter, der er zum Namenstag gratulieren möchte. Die Handschuhe hat er ihr zum Geburtstag geschenkt, und er freut sich, daß sie sie trägt.

Und im Ernst: wenn man das Bild interpretieren möchte, ist der Schlüsse hier zu finden. Die langage des fleurs war im Frankreich des 19. Jahrhunderts extrem beliebt. Ich tippe ja auf die 'Rose de Meaux' (Rosa × centifolia Pomponia); die steht für gentillesse.

peccator quidam hat gesagt…

Und die Blumen auf dem Tischelchen -- sind das Nelken? Amour vif et pur?