Samstag, 31. Januar 2015

288.

Teilnahme

Peter grübelt auf katholon nach über "Liturgische Mißbräuche, Fehler, Fehlgriffe und was man als Laie tun kann" und identifiziert zwei Aspekte, die liturgischen Mibrauch begünstigen:
    Da ist zum einen die Unkenntnis der Gemeindemitglieder, die schlicht und ergreifend gar nicht bemerken, daß etwas anders ist, als es sein sollte. Man sollte im Gedächtnis behalten, daß das die Mehrheit ist. Zum anderen ist auch ein – vorsichtig gesagt – verbürgerlichtes Verständnis von Ästhetik der Liturgie weit verbreitet. Die Liturgie ist dann nicht zuerst ein gemeinsames, auf Gott ausgerichtetes Handeln der ganzen Kirche, wie sie es sein sollte, sondern sie ist Versammlung der Gemeinde, die sich auf sich selber richtet und ihre eigene Ästhetik findet. (Typische Aussage: “Warum? Ist doch schön so, wie der Pastor das macht!”)
Eine Erfahrung, die ich in vielen Gemeinden gemacht habe, ist diese: Je "netter" oder "schöner" eine Liturgie bzw eine Messe ist, desto größer das positive Feedback. Und als "nett" bzw "schön" wird eine Liturgie bzw eine Messe in der Tat dann am ehesten empfunden, wenn sie die Menschen in den Mittelpunkt stellt, irgendwie "abholt" und sie in ihrem Okay-Sein bestätigt.

Die Frage, die mich beschäftigt, ist diese: Zeigt sich hier ein echtes Bedürfnis, welches man ernst nehmen sollte, oder sind "nette" Messen einfach nur deswegen beliebt, weil sich der Priester hier auf irgendeine Weise weniger distanziert zeigt und mit diesem und jenem Trick sich - und somit vermeintlich auch die Liturgie - näher an das christliche Volk heranträgt?

Sollte zweiteres der Fall sein, dann hat der Wunsch nach der participatio actuosa eine hollywood-reife Wendung erfahren, in welcher nicht das christliche Volk "in voller, tätiger und gemeinschaftlicher Teilnahme mitfeiern kann", sondern in welcher plötzlich der Priester in die volle und tätige Teilnahme an den Dingen des christlichen Volkes hinabsteigt.

Kommentare:

Gerd Franken hat gesagt…

"Zeigt sich hier ein echtes Bedürfnis, welches man ernst nehmen sollte,"

Ich kann nicht erkennen, dass es ein Zeichen von Ernsthaftigkeit ist, als Priester den Messbesuchern am Ende des Gottesdienstes eine schönen Sonntag zu wünschen. Das tun auch die Heiden......

Cicero hat gesagt…

Und weiß nicht, ob nicht eine rite et recte gefeierte Messe den Menschen nicht dort abholen kann, wo er steht. Schon der Beginn der Messe mit der Hinführung auf den Bußakt: "Bevor wir das Wort Gottes hören und das Opfer Christi feiern, wollen wir unser Herz bereiten und Gott um Vergebung bitten." Holt mich doch genau da ab, wo ich gerade herkomme, nämlich aus meinem (so ganz gewöhnlich sündigem) Alltag.

Nun gut, es bestätigt mich nicht in meinem Okay-sein, aber es bestätigt mich darin, wirklich, ernsthaft und mit Gottes Hilfe den Weg dorthin zu suchen, wo wirklich alles OK ist, nämlich bei Gott und nur dort.

Ich habe eine rite et recte gefeierte Hl. Messe noch nie als abstoßend oder eben nicht den Menschen zugewandt empfunden.

Wie in meinem Blogartikel schon geschrieben, die Sicht auf die Liturgie ist bei den meisten Menschen in unseren Gemeinden eine andere.

Eine Patentlösung habe ich auch nicht, wie ja aus dem Artikel deutlich geworden sein sollte.

Alipius hat gesagt…

Das Bedürfnis sah ich aber weniger beim Priester verortet als bei den Menschen, die aus irgendeinem Grund auf solche Dinge abfahren.

Alipius hat gesagt…

"Ich habe eine rite et recte gefeierte Hl. Messe noch nie als abstoßend oder eben nicht den Menschen zugewandt empfunden."

Ja, ich weiß ehrlich gesagt auch nicht, was an einer solchen Messe überhaupt abstoßen sein könnte. Aber offenbar gibt es da Leute, die finden, daß man Spielraum erst aufbrechen und dann ausfüllen muß. Komisch.

Gerd Franken hat gesagt…

Ich kenne zumindest einen Priester der da voll drauf ab fährt. Dem ist es egal ob ich gerade einen schönen Sonntag habe oder nicht. Früher antwortete man als Gläubiger in der Messe: "und mit deinem Geiste," heute heißt es "danke gleichfalls."

Alipius hat gesagt…

Gruselig...

Anonym hat gesagt…

volle und tätige Teilhabe...buah, das ist der Unwortsatzt der Liturgie

Anonym hat gesagt…

Ich schätze vor allem am traditionellen Ritus diesen Wechsel zwischen liturgischer Musik und Stille. Ich geniesse es, wenn einfach mal nichts passiert, wenn auch das Hirn runterfährt auf nahe Null. Ist mir auch schon im neuen Ritus passiert, zugegeben, dass das Hochgebet und die Wandlungsworte einfach mal links rein, rechts rausgehen und ansonsten alles ungestört bleibt, also mir auch keiner seinen Friedensgruß aufzwingen will. Es ist nur etwas schwieriger.
Ich weiss aus Schilderungen alter Leute, dass ihnen vor der Liturgiereform diese Momente der Stille genommen wurde und sie als Kinder Rosenkranz beten mussten, während der Priester still die Wandlungsgebete sprach. Das war imho mehr als liturgischer Missbrauch, das war ein persönlicher Angriff. Vermutlich können sich deswegen viele aus dieser Generation die Rückkehr zur überlieferten Liturgie nicht mehr vorstellen.
Desweiteren gilt natürlich was mir gut tut, muss nicht unbedingt etwas sein, womit sich andere wohlfühlen.