Dienstag, 6. Januar 2015

313.

Zum heutigen Evangelium

Als Jesus zur Zeit des Königs Herodes in Betlehem in Judäa geboren worden war, kamen Sterndeuter aus dem Osten nach Jerusalem und fragten: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen. Als König Herodes das hörte, erschrak er und mit ihm ganz Jerusalem. Er ließ alle Hohenpriester und Schriftgelehrten des Volkes zusammenkommen und erkundigte sich bei ihnen, wo der Messias geboren werden solle. Sie antworteten ihm: In Betlehem in Judäa; denn so steht es bei dem Propheten: Du, Betlehem im Gebiet von Juda, bist keineswegs die unbedeutendste unter den führenden Städten von Juda; denn aus dir wird ein Fürst hervorgehen, der Hirt meines Volkes Israel. Danach rief Herodes die Sterndeuter heimlich zu sich und ließ sich von ihnen genau sagen, wann der Stern erschienen war. Dann schickte er sie nach Betlehem und sagte: Geht und forscht sorgfältig nach, wo das Kind ist; und wenn ihr es gefunden habt, berichtet mir, damit auch ich hingehe und ihm huldige. Nach diesen Worten des Königs machten sie sich auf den Weg. Und der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, zog vor ihnen her bis zu dem Ort, wo das Kind war; dort blieb er stehen. Als sie den Stern sahen, wurden sie von sehr großer Freude erfüllt. Sie gingen in das Haus und sahen das Kind und Maria, seine Mutter; da fielen sie nieder und huldigten ihm. Dann holten sie ihre Schätze hervor und brachten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe als Gaben dar. Weil ihnen aber im Traum geboten wurde, nicht zu Herodes zurückzukehren, zogen sie auf einem anderen Weg heim in ihr Land.

(Matthäus 2, 1-12)


Der König Herodes war - ohne es zu wissen und ohne es zu wollen - der erste katholische Monarch. Denn als drei Männer in seine Stadt kommen und sich nach dem neugeborenen König der Juden erkundigen, da läßt er sie zu sich bitten und sagt nicht "Der einzige König, den es hier gibt, bin ich! Basta!", sondern er verweist sie an einen Knaben in einer Krippe, unseren Herrn Jesus Christus.

Nichts anderes haben all die katholischen Herrscher im Laufe der Jahrhunderte getan: Bei aller Macht, die sie besaßen und ausübten, verwiesen sie doch in ihrem Handeln und ihrer Symbolik immer auf einen, der größer ist als sie und vor dem sie sich eines Tages werden verantworten müssen. Sie ließen sich unter großer Anteilnahme öffentlich in Kathedralen krönen und trauen; sie ließen dort auch ihre Kinder taufen. Sie stifteten Klöster. Sie hatten Beichtväter. Und sie hatten in ihren Palästen wenigstens eine Hauskapelle, wenn nicht eine prächtige Hofkirche, in der sie eine eigene Loge besaßen.

Und so prägten diese Herrscher die Gesellschaft. Das Volk schaute auf sie und tat es ihnen gleich. Es wurde gebetet, es wurde die Messe besucht, es gab Wallfahrten und Prozessionen, Bildstöcke und Herrgottswinkel.

Bei aller Macht, die die Herrscher damals besaßen, erließen sie jedoch nie Gesetze, die den Anschein erweckten, als wollten sie in Gottes Rolle schlüpfen.

Wenn wir uns heute die Regierenden anschauen, dann verhält es sich etwas anders. Manche tragen ihren Atheismus, ihren Agnostizismus oder auch ihren Antikatholizismus mehr oder weniger stolz zur Schau. Und nicht selten wird an Gesetzen gearbeitet, die den Eindruck erwecken, als wolle hier jemand Gott spielen. Am leichtesten erkennbar ist dies in Fragen des Lebens. Dieses soll auf Wunsch in Laboren entstehen oder im Mutterleib bzw im Krankenbett beendet werden, wenn es nicht gelegen kommt.

Ich möchte mit all dem nicht sagen, daß katholische Monarchen automatisch gute Menschen oder gar Heilige waren und die Politiker der heutigen Zeit allesamt Lumpenpack sind. Ich möchte vielmehr darauf aufmerksam machen, daß wir heute in einer großartigen und aufregenden Zeit leben, in der wir als Gläubige den Glauben und seine Formen nicht mehr von der Spitze der Gesellschaft empfangen, sondern in der wir den Glauben der Spitze der Gesellschaft zurückgeben müssen. Das klingt anstrengend und das ist auch anstrengend. Aber es ist das, wozu all jene berufen sind, die wirklich aus Wasser und Geist neu geboren sind.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Das verklärt die Sache aber schon ein bisschen sehr - für die Monarchen (von denen manche wohl sehr, andere wesentlich weniger gläubig waren) war der Schulterschluss mit der Kirche natürlich auch eine Möglichkeit, ihre Macht zu zementieren. Sieht man ja anhand des Investiturstreites, dass es nicht lohnt, sich den Papst zum Feind zu machen. Also sattle man das eigene Machtmodell auf eines, das von sich sagt, direkt von Gott übertragen worden zu sein (die Kirche), und voilà. Den Schulterschluss beweise man dann, indem man die prunkvollen Räumlichkeiten und die Rituale nutze. Das Volk wird geblendet und beeindruckt sein und sich den Pomp und Circumstance über Jahrhunderte gefallen lassen.

Severus hat gesagt…

Falsch. Das europäische König- bzw. Kaisertum war seit den Karolingern, spätestens seit Otto I., wesentlich auch ein sakrales Amt, in einer Zeit, in der Kirche und Papsttum noch recht schwach waren und vom Königtum gestützt werden mussten. Also nicht trotzdem, sondern gerade deshalb (z.B. weil Heinrich III. die Kirchenreform förderte) kam es zum Investiturstreit.

Frischer Wind hat gesagt…

"Der König Herodes war - ohne es zu wissen und ohne es zu wollen - der erste katholische Monarch."

Der hinterhältige, verlogene, machtkranke König der Juden, der dem Kind in der Krippe als vermeintlicher neidischer Konkurrent den Tod bringen wollte, der weder getauft war, noch sich hätte taufen lassen wollen, noch je das Verlangen hatte, den Messias willkommenzuheißen, weil er sich selbst als den Messias wähnte, dieser Herodes war der erste katholische Monarch? Also bittscheen...

Alipius hat gesagt…

Ach komm schon! Du hast doch auch den Rest des Textes gelesen und weißt, wie es gemeint war, oder?

Frischer Wind hat gesagt…

Ich dachte nur: Was für ein Unsinn.
Ok, Du hast es gar nicht so gemeint... ;-)