Montag, 5. Januar 2015

314.

"Führerauftrag Monumentalmalerei"

Im Rahmen dieser Aktion wurde von den Nazionalsozialisten zwischen 1943 und 1945 das Historische Farbdiaarchiv zur Wand- und Deckenmalerei angelegt. Das Archiv umfaßt vor allem Fresken und Wanddekorationen in Kirchen, Klöstern und Schlössern und ist mit seinen fast 40.000 Aufnahmen das größte Archiv von Wand- und Deckenmalerei der Welt.

Ziel der Aktion war, bedeutende Kunstwerke, die im Krieg möglicherweise zerstört werden könnten, nach dem immer noch fest eingeplanten "Endsieg" wieder herzustellen.

Logik der Irren: Wir wollen schöne Kunst nicht durch Kriegszerstörung verlieren, also bemühen wir uns nicht um Frieden, sondern halten die wichtigsten Werke im Bild fest, um sie später wieder auferstehen zu lassen.

Das Zentralinstitut für Kunstgeschichte hat die gewaltige Sammlung einzigartiger Aufnahmen im Jahre 2005 online zur Verfügung gestellt. Im vergangenen Jahr gab es einen Relaunch der Datenbank, welche nun über die Expertensuche penibelst durchwühlt werden kann.

Man findet Bilder von Bauten, die heute nur noch als kahle Ruinen herumlungern (z.B. Schloß Zerbst), die nach grober Zerstörung wieder hergerichtet wurden (z.B. die Würzburger Residenz) oder die sozusagen mit dem Kriegsschrecken davon kamen (z.B. Schloß Ludwigsburg).

Neben dem offensichtlichen Reiz, viele verlorene Kunstschätze im Bild sehen zu können, kommt natürlich erschwerend hinzu, daß sämtliche Aufnahmen in Farbe gemacht wurden. Eine einzigartige Sammlung, der man ruhig ein Stündchen Internetzeit opfern darf.

1 Kommentar:

Jürgen Niebecker hat gesagt…

Hochinteressant!

Meine Heimatstadt ist mit einigen Bildern aus der Kirche vertreten. Wenn ich recht informiert bin, wurden In den Jahren 1914/15 uralte Fresken (13.Jh) im Stil der damaligen Zeit "restauriert". Sie hatten danach zwar kräftige Farben aber nicht mehr so viel mit den Ursprünglichen Fresken zu tun.
In den 60ern/70ern hat man manches übertüncht und spätestens seit den 80ern ist der Urzustand wieder hergestellt bzw versucht in wieder herzustellen, wobei man da an vielen Stellen gar nichts mehr erkennen kann.
Sie sind Teil des Projekts „Figürliche Wandmalereien der Romanik“
http://www.lwl.org/dlbw/service/projekte/figuerliche-wandmalerei-der-romanik

Der Zwischenzustand ca 1915 bis in die 60er/70er Jahre ist auf den Dias von 1944/45 dokumentiert. — Der interessant.