Donnerstag, 12. Februar 2015

276.

Das weinende Auge spricht die Wahrheit, das lachende Auge schämt sich

Auf dem Blog "Social Injustice" ("Hatred is not allowed here, this is a safe zone for everyone...") gesteht Autorin Lana: "I Aborted My Baby - Because it was a Boy".

Ich las die Überschrift auf facebook und war ziemlich schockiert.

Als ich dann den Artikel las, war ich nicht mehr nur schockiert, sondern zugleich tieftraurig und auf eine total ungeziemende Art amüsiert. Die Welt kann einfach so brutal sein. Da geht ein Individuum hin, und macht öffentlich eines der grausamsten Geständnisse, welches man überhaupt machen kann. Die Begründung für die Tat bewegt sich dann aber während des gesamten Textes immer so nahe am Bereich der Satire, daß die bittere Pille einerseits leichter hinuntergeht, aber andererseits nach dem Lesen die Frage im Raum steht, wie viele andere zutiefst verstörte und zerfressene Frauen künftig exakt die gleiche Entscheidung treffen werden. Denn immerhin wurden sie ja alle mit dem gleichen Standard-Vokabular und den gleichen Ideologie-Häppchen gefüttert.

Opfer in der ganzen Geschichte ist natürlich Lana. Von der ersten Zeile an läßt sie keinen Zweifel aufkommen, daß ihr löwengleicher Kampf für die Rechte der Frauen (i.e. "make choices") höchsten Einsatz fordert und nie etwas abwirft. Mit ihrem weinerlichen "Schaut doch und seht, ob ein Schmerz ist wie mein Schmerz"-Ton, mit ihrem glückseligen Eintauchen in jede Möglichkeit, sich vom "Patriarchat" verneint, verletzt, vergewaltigt zu fühlen und vor allem mit ihrem Herumtrampeln auf dem eigenen Körper, der sie "verraten" hat, schafft Lana mit ganz breitem Pinsel auf immerhin doch noch zweidimensionaler Leinwand ein Werk, das in ihren eigenen Augen sicherlich als heroInnenisches Schlachtengemälde bestehen kann, bei mir aber (wahrscheinlich aufgrund der Übersetzungschwierigkeiten von "aufrechte Feministen-Kämpferin" in "schweinischer Cisgender-Macho") nur noch als "Verstehen Sie Spaß?"-Futter ankommt.

Echt jetzt? Du hast Dich darauf gefreut, Deiner Tochter Toleranz und feministische Ideale beizubringen? Wie läuft das denn jetzt so, wo Du im zweiten Versuch tatsächlich eine Tochter zur Welt gebracht hast? Hast Du Ihr schon die Gutenachtgeschichte von der toleranten Bubenabtreibung erzählt?

Wirklich? Du hast Deiner Kleinen genderneutrale Kleidung gekauft, damit keine äußeren Einflüsse über ihr Geschlecht entscheiden? Wie wird das denn dann, wenn sie Dir in einigen Jahren erklärt, daß sie eigentlich ein Mann ist, der blöderweise im falschen Körper eingeschlossen ist? Ist es in diesem Fall okay, weil hier ausnahmsweise dann mal die Natur zählt ("Sie wurde immerhin als Frau geboren!") und nicht die Regenbogengeschichten aus dem Lehrstuhl-Wolkenkuckuckhheim? Oder wird sie dann ganz fix auf die Straße gesetzt?

Ernsthaft? Du bist von der Abtreibung als befreite Frau weggegangen, weil Du etwas "Positives" getan hast? Etwas, das "wirklich einen Unterschied macht"? Etwas "Gutes"? Ich bin kein Racheengel und auch keine Hexe, die Menschen mit Flüchen belegt. Aber irgendwie wünsche ich mir schon, daß Deine Tochter zu einer Art katholischer Robin Scherbatsky heranwächst. Zu einer Zigarren rauchenden, blutige Steaks verschlingenden, Whisky genießenden, mit Pistole unter dem Kopfkissen schlafenden, Wölfe mit bloßer Hand erledigenden Supermutter mit 5 Söhnen und einem Patriarchen-Papa, dem sie in dienender Liebe lebenslang verbunden sein wird.

Genug gealbert. Hier kommt die 1.000.000-€-Frage: Wie kann es sein, daß Menschen wie Lana von "Toleranz" in einer haßbefreiten Welt träumen und dann ein menschliches Leben noch vor der Geburt auslöschen, weil es das falsche Geschlecht hat? Was geht in den Köpfen solcher Menschen vor (bzw nicht vor)?

Lana ist sicherlich ein extremes Beispiel. Aber sie ist der Ursuppe der Verwirrten entsprungen, in der es möglich ist, sich einerseits für die verschiedensten Ideale ("Toleranz", "Gleichheit", "Gewaltlosigkeit") einzusetzen, nur um bei nächster Gelegenheit mit Trillerpfeifengekreische, mit Kodomwerfen, mit beleidigenden Sprüchen und mit aggressivem Körpereinsatz genau diesen Idealen mit Schmackes in den Hintern zu treten.

Und sie zählt damit zu den tragischen Opfern der Einstellung, daß alles, was man an "Weltverbesserung" erreichen möchte, unbedingt noch zu Lebzeiten erreicht werden muß. Es geschieht dann das, was immer geschieht, wenn der Mensch versucht, das Paradies auf Erden zu errichten: Die Ideologie muß Vorrang vor dem Leben haben.

P.S.: Lana hat mittlerweile auch auf die überwiegend negativen Reaktionen reagiert, welche ihr Geständnis ihr eingebracht haben. Diesen Artikel darf man komplett lesen, wenn man ("Social Injustice") ihn vorher auf facebook, twitter oder google teilt bzw gut findet...

Kommentare:

Ester hat gesagt…

So ist das halt seit ca 1972.
Abtreibung ist die befreiende Tat der befreiten Frau, die dann hingeht, und jeden zur Schnecke macht, der es wagt ein Stück Pelz auf dem Mantel zu haben und das auch gut findet.
Die Hoffnung besteht in den negativen Kommentaren, die zeigen, dass die Leute die giftige Kröte immer noch nciht heruntergeschluckt haben

Anonym hat gesagt…

Oh Herr schmeiß mit Hirn.
Das wäre doch DIE Chance gewesen, dem Patriarchat eins auszuwischen und den Jungen zu einem netten Mann zu erziehen.
Und dann noch auf Facebook posten...
*facepalm

kalliopevorleserin hat gesagt…

Mir tut das Mädchen leid, das sie nun hat und gendert und in geschlechtsneutrale Kleidung steckt. Wobei ja die geschlechtsneutrale Kleidung, die mir auf Anhieb einfällt, eine Kutte ist - aber das meint sie wohl eher nicht.
Aber ganz ehrlich - mir fällt zu dem Fall ein Zitat von Bertolt Brecht ein (Kaukasischer Kreidekreis):
"Nehmt der Schlampe das Kind weg, sie würde es kalten Herzens in Stücke reißen."

Anonym hat gesagt…

BBC ist sich nicht recht sicher, dass die Story authentisch ist - und BBC recherchiert recht sauber.
Es mehren sich auch andere Stimmen, dass das ein Hoax ist.
(http://www.bbc.com/news/blogs-trending-31448193)

Ester hat gesagt…

ach je und selbst wenn die konkrete story ein Hoax ist,so geschieht genau das doch andauerend.
Man ist für alles und jedes, kämpft beständig die Rechte von anderen, sieht überall Diskriminierung, Unterdrückung und sonstiges Böse, gegen das man sich lauthals wehrt und dann bringt das eigene Kind um, weil es halt nicht geplant ist, oder sonstwie nicht passt.

Anonym hat gesagt…

Sie haben schon eine leicht pessimistische Weltsicht. Die Abtreibungszahlen gehen zurück, d. h. von leichtfertig "das eiegne Kind umbringen" kann wohl kaum die Rede sein. Mal abgesehen, dass ein Embryo oder Fötus kein Kind ist, da hapert's schon an der Terminologie. Aber da kommen wir sowieso nicht zusammen.

Ich glaube, es macht einen Unterschied, ob eine Story ein Hoax ist oder nicht - sei's nur wegen der intellektuellen Redlichkeit.
Das Thema ist hier auch nicht, warum jemand abtreibt, sondern ob jemand aufgrund des Geschlechts abtreibt.

Ich halte es auch nicht für sehr wahrscheinlich, dass hierzulande, wenn eine Schwangerschaft besteht, nach Geschlecht abgetrieben wird. Innerhalb der Fristenlösung (12. Woche and all that) ist ja noch gar nicht klar zu erkennen, welches Geschlecht das Kind haben wird. Wer dann eine Abtreibung möchte, kann doch das Geschlecht nicht als Indikation wählen (sowieso keine legale Indikation). Abtreibungen später werden eher vermieden (darum auch der Versuch, die Chromosomenscreenings vorzuverlegen), und DANN ist das Geschlecht auch keine Indikation, sondern mehr oder weniger schwerwiegendende Behinderungen.

In der USA (ich hab gerade nachgesehen) haben ca. 2/3 der Staaten late abortion laws, und z. T. haben die Staaten noch restriktivere Gesetze als bei uns (fetal heartbeat bill und so was). Also einfach mal spät abzutreiben, weil man das Geschlecht blöd findet, ist weder hier noch in der USA so easy möglich.

Ich habe ein Kind nach einer ungeplanten Schwangerschaft großgezogen und bin genau darum ein großer Fan der Fristenlösung in der momentanen Form. Es ist keinem gedient, wenn Frauen gezwungen sind, gegen ihren Willen Schwangerschaften auszutragen und Kinder großzuziehen.
Auch nicht unbedingt dem Kind.
Eine Abtreibung sollte dabei natürlich ein last resort sein, scheint es aber auch zu sein, nachdem die Abtreibungszahlen zurückgehen.


Ester hat gesagt…

Die Abtreibungen gehen zurück, weil die zahl der gebärfähigen Frauen zurückgeht.
Und wenn die Frau nicht schwanger werden will, dann soll sie halt ins Kino gehen, um es mal blöd auszudrücken.
Was soll denn das?
Seit wann hat ein Mensch ein Recht auf einen anderen Menschen?
Jeder Mensch ist ein Geschenk und noch was was sagen Sie ihrem Kind "Sorry aber ich wollte dich eh nciht, und es wäre besser du wärst gar nicht da und ich hätte dich abtreiben können!"
Gegenfrage, vielleicht gehören sie zu den Frauen die auch schon ungewollt und ungeplant waren,. wie es nach dem 2. Weltkrieg viele gab, ich versteh das Leid, aber es wird nicht besser, wenn man das Leid ungewollt, zu sein weitergibt.
Und besser ungewollt zu sein, als gar nicht zu sein.

Anonym hat gesagt…

Ester, es ist egal, ob man selbst ungewollt und ungeplant war - wer nicht lebt, weiß nicht, ob ihm was entgeht. Wenn meine Eltern mich abgetrieben hätten, wäre ich nicht da, dann könnte ich mich auch nicht beschweren oder wüsste auch nicht, ob ich etwas tolles versäume. ch wäre auch nicht böse, wwenn ich nicht geboren worden wäre, wenn ich mir so ansehe, wie's läuft. Ich wäre nicht da, wo ist das Problem. Das ist einfach kein Argument für irgendwas.


Nein, es ist nicht besser, ungewollt zu sein, als gar nicht zu sein. Es kann besser sein, es kann schlechter sein, aber existieren ist nicht per se besser als nicht existieren. Es kommt auf die Umstände an, unter denen man existiert. Wenn die Umstände bescheiden genug sind, möchte ich nicht existieren müssen. Der "Das Leben ist IMMER ein Geschenk"-Ansatz ist blauäugig, umgeben Sie sich mal mit hochgradig kranken und alten und leidenden Leuten, da sagen nur mehr die wenigsten, dass sie gerne leben.

Es geht bei Abtreibung immer um das finden eines gangbaren Weges in einer schwierigen Situation und Grauzone, und der Gesetzgeber hat ganz vernünftig entschieden, dass das geborene Leben in Konfliktsituationen Vorrang vor dem ungeborenen hat. Macht abseits hehrer religiöser Vorstellungen total Sinn - das Leben ist halt nicht schwarz und weiß, sondern es muss in unterschiedlichen Situationen die beste vertretbare Lösung gefunden werden.

Und wenn die Frau nicht schwanger werden will, wird sie trotzdem manchmal schwanger, so ist das. Lt. Statistik sind nur 1/3 der Schwangerschaften explizit erwünscht, bei 1/3 wird das Kind halt zähneknirschend in Kauf genommen, 1/3 wird die Frau schwanger und es passt dann auch.
Es gibt Gründe, warum Frauen in jeder Epoche abgetrieben haben, egal, wie illegal oder gesundheitsschädlich das war. Wer ein Kind kriegt, bindet sich 20 Jahre Minimum an einen anderen Menschen, und verschreibt sich ihm mit Haut und Haar - das muss nicht für alle gut gehen, und ich würde das unter bestimmten, eng umrissenen Umständen einfach nicht mehr machen. Nein, eine Schwangerschaft ist nicht immer ein Geschenk, sondern in bestimmten Fällen eine verdammte Belastung, und das Leben ist nicht immer ein tolles Geschenk, auch nicht für einen Embryo. Irgendjemand zwingt ihm das Leben auf, ob er will oder nicht. Tolles Geschenk.

Ich kenne übrigens persönlich genau einen Fall, in dem eine Mutter ihrer Teenagertochter gesagt hat, dass sie (die Mutter) besser eine Abtreibung hätte machen lassen sollen; ich glaube nicht, dass das eine standard procedure ist, sondern die Ausnahme - ich würde nicht auf die IDEE kommen, meinem Kind sowas an den Kopf zu werfen, ein Kind, das unter ungünnstigen Umständen aufwächst hat schon genug Probleme am Hals.

Ester hat gesagt…

Also besser ein schlechtes Leben,. als gar keins, weil gar keins kann nicht besser werden, ein schlechtes schon.
Natürlich ist jede Schwangerschaft eine verdammte Belastung, steht schon in Genesis 3, aber die Annahme der verdammten Belastung führt zum Heil, während die Nichtannahme das Unheil verstärkt.
Die einzige Möglichkeit dieser verdammten Belastung zu entgehen ist die Keuschheit, die dann auch wieder zum Heil führt.
Der ganze Schmonzes mit Geschenkt und auch wie süß und nein die stolzen Eltern sind gesellschaftliche Tricks, die die Sache erleichtern sollen.
Und ja das Leben ist, so mies es sein kann, ein Geschenk, weil es die Eintrittskarte zum wahren Leben ist, aber nur die Eintrittskarte, und aus der Verwechslung dieser Dinge, resultiert viel Elend in unserem Teil der Welt.
Und ja die alten und leidenden, die zeichnen sich durch eins aus, dass sie mit jeder Faser ihres Seins (und je ungläubiger desdo schlimmer) sich an ihrem bisschen Leben festklammern.
Wobei noch viel erschreckender das festhalten an dem alten,. leidenden, von Seiten der Sippschaft ist, und hier gibt es Leute die lauthals Euthanasie brüllen, aber die Oma mit ihren 96 nicht gehen lassen, weil "Es könnte ja doch wahr sein, dass es einen Gott gibt!"

Anonym hat gesagt…

1. Ist natürlich Geschmackssache, aber ich hätte lieber kein Leben als ein elendes.

2. Es ist eine pure Glaubenssache, ob die Annahme der Scwangerschaft zum Heil in der nächsten Welt führt oder nicht. Wer daran nicht glaubt, warum sollte er sich dann eine für mindestens zwei Personen unheilvolle Situation heraufbeschwören?

3. Keuschheit - jeder wie er will und kann, würde ich sagen. Offensichtlich funktioniert das nicht besonders gut, offensichtlich hat das nie besonders gut funktioniert (s. Anzahl von unehelichen Geburten in stark katholischen (!) Ländern noch Ende 19./Anfang 20. Jh. Ich bin da für einen realistischen Blick, Sie mehr für's Idelle, es sei Ihnen unbenommen, aber genausogut kann ich als probates Mittel gegen Pest empfehlen, auf eine einsame Insel zu ziehen. Hilft, ist aber für viele schwierig umzusetzen. Meinetwegen sogar Natürliche Familienplanung.

5. Die religiöse Brille ist eine rein individuelle Sichtweise - für viele Menschen einfach keine überzeugende. (wenn man nicht glaubt, dass ein elendes Leben Punkte im Jenseits bringt, fällt die ganze Argumentation in sich zusammen.)

6. Kein normal nichtreligiöser Mensch lässt die 96-jährige Oma nicht gehen, weil es vielleicht doch einen Gott gibt.Vielleicht lässt er sie nicht gehen, weil er nicht loslassen kann, vielleicht glaubt er, dass die Medizin noch ein paar Tricks in Petto haben muss, aber die große religiöse Umkehr setzt i. d. Regel nicht ein, wenn die 96-jährige Oma stirbt. Ich habe genügend Todesfälle älterer Verwandtschaft erlebt, um zu wissen, dass die Versuche, die 96-jährige Oma doch noch irgendwie am Leben zu erhalten, sehr oft von den Medizinern kommen, die sich glauben absichern zu müssen - als Angehöriger kannst du dich mit ihnen rumstreiten, ob eine Operation am Schädel zur Druckentlastung jetzt das Gebot der Stunde ist, und auch da hast du nur Gewicht, wenn du Vormund der Person bist. Sonst ist es schwierig.

Ester hat gesagt…

Sorry aber ich habe nicht behauptet dass ein elendes Leben Punkte im Jenseits bringe,
und das mit der Oma, die man nicht gehen lassen will, na das erlebe ich schon anders.
man brüllt zwar nach Euthanasie, aber betrachtet den Tod dennoch als persönlichen Affront................

Und das die Menschen schon immer gegen das 6. Gebot sündigen und das dann mittels Abtreibung vertuschen wollen, was soll das bitte beweisen?

Und nochmal, etwas ist immer besser als nichts, Sein besser als nichtsein
Dabei finde ich es fast schon absurd, wie im abtreibungsseligen Westen dann wieder immer rumgeheult wird, wenn irgendwo irgendwelchen Leute zu Tode kommen!
Ich kapiere das echt nicht, entweder ist das Leben nix wert, dann ist es auch egal, wenn es beendet wird, oder es ist alles wert, dann ist es je unschuldiger und hilfloser es ist, besonders zu achten.
Und am hilflosesten ist so ein Ungeborenes.
Mir kommt diese kollektive Heulerei, immer vor, wie das Ventil, dass die tabuisierte Trauer, über das abgetriebenen eigene Kind, frei lässt.