Dienstag, 10. Februar 2015

278b

Neues zur Causa Latzel

Auf den Stufen des Bremer Domes haben vor gut einer Woche 70 Pastoren für Vielfalt demonstriert und sich gegen alles ausgesprochen, was irgendwie auf die gute, alte, unterträgliche Art und Weise phobt.

Die Bremische Evangelische Kirche (BEK)...
    ... entschuldigte sich nach dem Gespräch in einer Erklärung bei ihren „muslimischen, buddhistischen und katholischen Gesprächspartnern sowie allen Bremerinnen und Bremern, die durch Herrn Pastor Latzel diskriminiert und in ihren religiösen Gefühlen und Wertvorstellungen oder liturgischen Traditionen beleidigt wurden.“ Für den 8. Februar hat Latzel eine Erklärung im Gottesdienst seiner Gemeinde angekündigt.
Nur, damit es auch offiziell in den Akten steht: Bei mir war keine Entschuldigung notwendig.

Klar, ich weiß, daß die Empörungs- und Forderungs- und Beleidigtsein-Kultur ein riesengroßer Bestandteil des täglichen Lebens ist, und daß man mit ein paar strategisch gesetzten Fußstampf-Tangos, Schnappatmungs-Zwischenspielen und Indignations-Operetten nicht nur bei den Medien punkten kann, sondern - wenn die Entrüstung dem korrekten Ziel gilt - auch noch die fix mobilisierten Horden im Rücken hat.

Aber ich bin katholisch. Und ich weiß, warum ich es bin. Daher wäre - streng genommen - eine Entschuldigung wie die der BEK, wenn sie denn auch mir gegolten hätte, wegen der unterstellten Weinerlichkeit und Unsicherheit gegenüber dem eigenen Glauben für mich eine größere Beleidigung, als jeder noch so wild an meiner Kirche und an meinem Glauben herumrüttelnde Satz eines Menschen, bei dem ich einfach nicht wissen kann, warum er solche Dinge sagt. Er könnte in seinem Glauben sehr gefestigt sein und im Koffeinrausch bei einer Predigt über das Ziel hinausschießen. Geschenkt. Oder er könnte noch auf der Suche sein und mit seinen saftigen Worten versuchen, dies zu kaschieren. Vergeben.

Die Staatsanwaltschaft Bremen prüft - wie wohl bekannt - im vorauseilenden Gehorsam oder unter dem Druck der Krokodilstränen zusammenbrechend, ob gegen den Pastor ein Verfahren wegen Volksverhetzung eingeleitet werden kann. So wird die Limbostange tiefer gehängt, und bald passen dann wohl auch die nicht mehr drunter durch, die auf irgendeinem offiziellen Dokument unter Religionszugehörigkeit "Katholisch" oder "Muslimisch" oder "Jüdisch" stehen haben und nicht "Konfessionslos" oder "Atheistisch" oder "Irgendwie an diesen einen lieben Universal-Onkel glaubend, der aber nicht will, daß wir von ihm reden, weil wir ja eh alle an diesen einen lieben Universal-Onkel glauben... oder eben nicht, wenn wir das vorziehen".

Kommentare:

Severus hat gesagt…

Lieber Alipius, danke für diese elegante Wort- Neuschöpfung !
Lasst uns also unbekümmert weiter-PHOBEN !!:-))

Monika hat gesagt…

Volle Zustimmung! Und so schön zu lesen.

Ester hat gesagt…

Ich habe ja schon länger die Idee, dass der Mensch der Zukunft ein großer Schweiger sein muss, um ja keinen zu beleidigen!

Peter Friedrich hat gesagt…

Wir sollten aufhören, an unsichtbare Männekens zu glauben.

thysus hat gesagt…

Pastor Latzel - ein aufrechter Lutheraner (der es ist, weil er nichts anderes sein will und der glaubt was sein Glaube ihn zu glauben heisst!)
Ein ausgezeichneter Kommentar in der "Achse des Guten":
http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/luthers_letzter_streiter

Jorge hat gesagt…

Finde ich irritierend, dass du dich pro Latzel positionierst. Du bist doch gar kein Scharfmacher. Latzels Predigt mag in gewissen Passagen "lutherisch" klingen (vor allem die angriffslustige Diktion und die Selbststilisierung zum aufrechten Opfer), christlich im geistlichen Sinne ist sie aber ganz und gar nicht.

Alipius hat gesagt…

Ich positioniere mich weniger pro Latzel (der mich, wie geschrieben, überhaupt nicht berührt hat), sondern gegen die Hysterie, die nach ihm kam.

Peter Friedrich hat gesagt…

Und uns endlich auf die Socken machen, Christen zu werden.

Peter Friedrich hat gesagt…

Trauriges Zeichen, wenn sie Liebloses sagen muss, um sich nicht als Schweigerin zu erleben; hat sie denn nichts Nettes zu sagen. Sagt gerade meine Liebste nah an meinem Ohre...