Samstag, 11. April 2015

Barmherzigkeit...

In der Blogoezese findet man doch immer wieder Ansporn, sich bestimmten Themen zu widmen. Da grüble ich mittlerweile seit Wochen über Gottes Barmherzigkeit nach, und dann geht Andreas hin und macht eben diese (oder - genauer - den nach ihr benannten Sonntag) auf Pro Spe Salutis zum Thema.

Wenn das Wort "Barmherzigkeit" tatsächlich mit dem mittelhochdeutschen "Barm" (= Schoß) beginnt, dann ist die Barmherzigkeit Gottes jene rettende und tröstende väterliche Tat, welche das reuige Kind an sich reißt, auf den Schoß nimmt und an eben jenes Herz drückt, aus welchem die Liebe strömt, die zu dieser Handlung befähigt. Freilich ist das Bild mit dem Schoß und dem Herzen nur ein Mittel, mit dem ich in meiner Hilflosigkeit auf menschliche Konzepte zurückgreife, um mir die Auswirkungen von Gottes Liebe vorzustellen.

Barmherzigkeit ist somit nichts, was man sich verdient, sondern ist gänzlich eine Gabe der Liebe, also eine Gabe Gottes, welcher ja die Liebe ist.

Diese Gabe wird uns aber nicht regelmäßig in kleinen oder auch größeren Paketen zugeschickt, so daß wir sie öffnen können oder auch nicht ("Och nö... Schon wieder Werbung von diesem 'Gott'!?"), sondern sie liegt bereit auf eben diesem väterlichen Schoß, so daß wir uns als Sünder schon nahe genug ("Ich bekenne... Ich bereue... Ich bin bereit zur Buße... Ich will's in Zukunft besser machen!") an ihn heranwagen müssen, um sie entgegenzunehmen.

Da nun Gott aber die Liebe ist, ist er auch erste und einzige Quelle der Barmherzigkeit. Diese Quelle jedoch strömt stark und dauerhaft, so daß wir als Menschen nicht nur die Liebe kennen, sondern auch - von ihr erfüllt - Barmherzigkeit zeigen können.

Ist man als Mensch aber einmal barmherzig und ist es in einer Situation, in der die ganze befreiende Macht der Barmherzigkeit deutlich wird nicht nur für den, der sie empfängt, sondern auch für den, der sie gibt, dann möchte man erstens eigentlich in Zukunft immer barmherzig sein (scheitert aber oft an der eigenen Unvollkommenheit) und möchte sich zweitens gar nicht vorstellen, was man als Mensch tun muß, um die Barmherzigkeit Gottes, welche doch unendlich viele Male größer ist als die unsere, zu verlieren.

Und so wächst mit zunehmendem Alter in mir das Vertrauen in die göttliche Barmherzigkeit, der Wille, selbst öfter barmherzig zu sein und die Gewißheit, daß ich einen himmlischen Vater habe, der keines seiner Kinder verlieren will.

Das bedeutet nun nicht, daß ich einfach die Hände in den Schoß legen will oder darf oder kann, sondern es bedeutet, daß ich immer mehr mit dieser Barmherzigkeit auf eine Wellenlänge gehen muß und will.

"Ich weiß, daß du mich retten willst, also vertraue ich ganz auf deine Liebe und tue ansonsten, was ich will" ist nicht die korrekte Antwort auf Gottes Angebot.

"Du weißt, daß ich gerettet werden will, also werde ich deine Liebe nicht verletzen sondern werde immer versuchen, zu tun, was dieser Liebe entspricht" klingt schon besser.

Unterm Strich bin ich jedenfalls gewiß, daß wir Gottes Liebe und Barmherzigkeit immer mehr vertrauen dürfen und sollen, als wir uns vor seinem Zorn fürchten müssen. Denn vertrauensvolle Kinder handeln besser als angsterfüllte.

Kommentare:

Peter Friedrich hat gesagt…

Angsterfüllte Kinder handeln immer "schlecht", sie "müssen" gewissermassen immer das Falsche machen.
Erst ein Mensch, der sich für seine schiere Existenz vom Absoluten her geliebt erlebt, kann überhaupt zu sich selbst finden und "besser" handeln.

Peter Friedrich hat gesagt…

Oder vielleicht so:
Ein Mensch kann nur so gut sein, inwieweit er selber Güte erfahren hat.

Andreas hat gesagt…

Nun ja, eigentlich hatte ich weniger Gottes Barmherzigkeit auf der Agenda als vielmehr meine liturgischen Bauchschmerzen des "Barmherzigkeitssonntags" wegen ... ;-)

Der Herr Alipius hat gesagt…

Habe ich doch auch so geschrieben: "... und dann geht Andreas hin und macht eben diese (oder - genauer - den nach ihr benannten Sonntag) auf Pro Spe Salutis zum Thema".

Andreas hat gesagt…

Nun ja zum zweiten ... wer lesen kann, ist natürlich klar im Vorteil. Da bleibt mir allein noch, auf eine Extraportion Klosterneuburger Protz-Barmherzigkeit zu hoffen ... :-)

Der Herr Alipius hat gesagt…

Meiner Protz-Barmherzigkeit sollen bis ans Ende aller Zeiten Lieder gesungen werden (sprich: Sie sei gewährt)! ;-)

Andreas hat gesagt…

Vielleicht sollte ich beim Geistbraus eine Hymne in Auftrag geben ... ?!?

Der Herr Alipius hat gesagt…

Zu meiner Kardinalsernennung dann...