Samstag, 18. April 2015

Fauler Kompromiß

Auf der Seite Humanistischer Pressedient geht zwei Psychologinnen der Hut hoch, weil in einem katholischen Kindergarten die Kreuzigung Christi thematisiert wird.

Unter dem Titel "Katholische Indoktrination der Kleinsten – vom Feinsten" wird der ganze große Frust herausposaunt, der sich naturgemäß aufstaut, wenn Menschen in einer total legitimen Erwartung ("Ein katholischer Kindergarten beschäftigt sich doch schon per definitionem nicht mit der Kreuzigung Christi, oder habe ich da etwas mißverstanden?") brutalstmöglich enttäuscht werden.

Vollkommen den Anforderungen der Logik entsprechend wird aus dem Horrorszenario ("Es sind schlimme Vorstellungen, heftige Bilder, die damit in die Köpfe von Kindern gepflanzt werden.") der Schluß abgeleitet, "dass im Kindergarten Werte wie Nächstenliebe, Respekt und Menschlichkeit" leider nicht vorgelebt werden.

Man muß eben auch ein wenig dicker auftragen und das Panik-Beet anständig wässern, damit im Kommentarbereich dann auch genug "Hirnwäsche", "religiöse Wahnvorstellungen", "Menschenschlächter" und "Angst- und Schuldgefühle" nachwachsen.

Grundsätzlich stimmt in dem Artikel von vorne bis hinten nur wenig. Da wird behauptet, es werde der Eindruck vermittelt, Folter und Hinrichtungen seien in Ordnung. Der Hinweis einer Kindergärtnerin, daß der Sohn die Frohe Botschaft von der Auferstehung im Kindergarten verpaßt hat, weil er nicht jeden Tag ganztägig mit dabei ist, wird dankend aufgegriffen, um es sich in der Opferrolle bequem zu machen: "Somit wird uns die Verantwortung in die Schuhe geschoben, dass der Kindergarten Folter und Tötung zum Thema macht."

Ehre, wem Ehre gebührt, aber das ist dann vielleicht doch ein wenig viel der Selbstüberschätzung. Der Kindergarten hätte "Folter und Tötung" in jedem Falle zum Thema gemacht ohne irgendwem dafür die Verantwortung in die Schuhe zu schieben. Die Eltern sind lediglich dafür verantwortlich, welche Inhalte ihr Kind im Kindergarten mitbekommt und welche nicht.

In diesem Zusammenhang dann auch gleich ein kleiner Lebenshilfe-Bissen: Es soll ganz gewiefte Füchse geben, die bei den Worten "katholischer Kindergarten" schon vor der Anmeldung ihres Kindes wittern, welche Inhalte in dieser Einrichtung vermittelt werden könnten.

Und da kann dann auch gerne die religiöse Erziehung der Punkt sein, der laut einer Umfrage am Kindergarten den Eltern am wenigsten wichtig ist. Es wird im Fußballverein nun mal Fußball gespielt und nicht Unterwasserkorbflechten, egal, wie viele Eltern sich das wünschen mögen.

Die Autorinnen bezeichnen es selbst als Kompromiß, daß ihre Kinder in den katholischen Kindergarten gehen. Ein Kompromiß ist eine Übereinkunft durch gegenseitige Zugeständnisse, sprich, durch Verzicht auf einen Teil der eigenen Forderungen oder Interessen. Der Nutzen der Mütter: Die Kinder besuchen einen nahe gelegenen Kindergarten und können so Freunde gewinnen, die ihnen später auch noch örtlich nahe sind. Die Forderung, auf die man verzichtet (oder, in diesem Falle: verzichten sollte): Totale Religions-Abwesenheit in einem katholischen Kindergarten.

Ist man zu dem Verzicht nicht bereit, dann handelt es sich immer noch um einen Kompromiß, aber um einen faulen.

Ich will daraus jetzt nicht sofort ein Urteil ableiten über die Redlichkeit humanistischer Religionsfeinde, aber vielleicht kann man solche Situationen künftig mit etwas mehr Grips und etwas weniger Helen Lovejoy behandeln. Nicht, daß die Instrumentalisierung von Kindern mir als finsterem Dunkelkatholiken grundsätzlich unsympathisch ist. Aber die religionsfreien Weltverbesserer wollten da doch eigentlich mit besserem Beispiel vorangehen, wenn ich sie richtig verstanden habe.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Sehr geehrte Mütter, es ist ein katholischer Kindergarten. Vom Waldorfkindergarten erwarten wir zu recht warme Erdfarben und Holzspielzeug, vom Montessorikindergarten erwarten wir zu Recht die Möglichkeit für Kinder, selbst aktiv zu werden und Schleifenbinden, Buchstabendrucken etc. zu lernen. Vom Katholischen Kindergarten erwarten wir...na...?
EBEN.
Be prepared to get what's on the label.
*facepalm

Gerhard Ley hat gesagt…

Es wird niemand gezwungen, einen katholischen Kindergarten zu besuchen!!!!!!!

Cinderella01 hat gesagt…

So ticken sie eben die Atheisten. Da sollte die Kirche etwas härter vorgehen. Merkblätter verteilen, in dem die Ausrichtung des Kindergartens beschrieben wird. Und sich per Unterschrift die Zustimmung bestätigen lassen. Dieses Papier kann man dann den klagenden Eltern unter die Nase halten und sie bitten, ihr Kind doch mit nach Hause zu nehmen, wenn sie nachträglich den Konditionen nicht mehr zustimmen.... Andere freuen sich, wenn sie den freigewordenen Platz bekommen.

Andreas hat gesagt…

Den "Humanisten" gehen offensichtlich die Argumente aus ...

Tipp: Statt Kinder einer katholischen Institution mit religiöser Indoktrinierung auszuliefern (eigentlich ja schon ein Armutszeugnis "humanistisch" gesinnter Mitmenschen), kann man sie vor der Glotze samt der dort praktizieren Vielfalt (!) pädagogisch monstermäßig wertiger und restlos religionsfreier Zeichentrick- und Anime-Serien etc. ganz wunderbar ruhig stellen. Dann hat man auch keinen Ärger mit dem Kindergarten ... ;-)

Anonym hat gesagt…

Nein, so ticken sie nicht, "die Atheisten". Bitte verallgemeinern Sie nicht. Es gehen genügend Kinder von Atheisten auf katholische Kindergärten, z. B. weil in diversen Orten keine anderen Wahlmöglichkeiten bestehen. In der Regel gibt es da keine Probleme!