Sonntag, 21. Juni 2015

Das ist jetzt irgendwie unpraktisch...

Da geben sich die üblichen Verdächtigen in Rundfunk und Fernsehen größte Mühe, mich lästigen Dunkelkatholiken mit meinesgleichen in die ultrakonservative, erzreaktionäre, rechtsrechte Ecke zu kommentieren, und sobald ich es mir dort gemütlich gemacht habe, heißt es in Stuttgart von Seiten der Gegendemonstranten zur "Demo für alle" plötzlich: "Es gibt kein Recht auf Nazipropaganda".

Ja, aber...

Meine schönen Weltherrschaftspläne!

Meine grandiosen Ausrottungsphantasien!

Meine stundenlang vor dem Spiegel eingeprobten, theatralischen Gesten zur Untermalung meiner (Ver-)Führer-Reden!

Bitte, bitte, bitte, liebes "linkes Spektrum": Laß mir doch das Recht, der Nazi zu sein, für den Du mich ohnehin hältst!

Überleg doch mal, wie auch Du davon profitieren kannst! Es winkt ein auf lange Zeit gesichertes, erhöhtes Fingerzeig-Potential mit ganz viel "Ich armes Opfer"-Drama und einer großen Beilagenportion von moralischem Hochsitz und total betroffenem Dackelblick!

Ich verspreche im Gegenzug auch, mich nur indirekt lustig zu machen über Leute, die tatsächlich glauben, mit der "Nazi!"-Keule heute noch einen gläubigen und standhaften Katholiken beeindrucken zu können [** zwinker **].

Kommentare:

Jürgen Niebecker hat gesagt…

-> https://www.youtube.com/watch?v=i55AA6d0xRs

Der Herr Alipius hat gesagt…

Exakt!

Richard hat gesagt…

Es gehört ja vielleicht nicht direkt zum Thema aber wo kommt der Name "Demo für Alle" eigentlich her? In Frankreich war der Name "Manif pour tous" ja eine Antwort auf das Motto der Bewegung für die Homo Ehe ("Manif pour nous") aber im Deutschen ergibt das ja keine Sinn, denn die Demo vertritt eben per Definition nicht "Alle" sondern hat im Gegenteil ja den Zweck einige Minderheiten auszuschließen.

Der Herr Alipius hat gesagt…

Ich habe keine Ahnung, wo der Name herkommt. Vielleicht ist es einfach nur aus dem Französischen übernommen. Vielleicht ist es eine Antwort auf "Ehe für alle".

Severus hat gesagt…

"Manif pour tous" ist die Antwort auf Hollandes "Marriage pour tous", und "Demo für alle" hat sich in der Tat vom französischen Vorbild inspirieren lassen.

Marinika hat gesagt…

Wobei ich den Titel gar nicht unpassend finde, wenn man sich mal anschaut, wer da alles mitdemonstriert. Das ist schon eine ziemlich heterogene Gruppe. Es gibt auch Homosexuelle, die gegen den Bildungsplan protestieren, weil er Kindern einfach nicht gut tut. Die "Demo für Alle" richtet sich ja auch nicht gegen bestimmte Personen, sondern gegen eine schlechte Politik.

Peter Friedrich hat gesagt…

Auslöschungsphantasien gegenüber Nichtheterosexuellen gibt es von religiöser Seite offenkundig und nachweisbar. Nachdem ich mit steigender Fassungslosigkeit Rednern der sog. "Demo für alle" zugehört habe, darunter Inge Thürkauf, Gabriele Kuby etc., finde ich ein dramatisierend - bagatellisierendes Getue ("Meine grandiosen Ausrottungsphantasien!") peinlich und unangemessen.
Wolfgang Brosche von "The European" beklagt in seinen Publikationen seit längerem einen Hass auf Nichtheterosexuelle, der durchaus mit mehr oder weniger latenten Tötungswünschen daherkommt.
Darüberhinaus scheinen Kreise im Vatikan in bestätigender Verbindung zu stehen mit afrikanischen Staaten, in denen Nichtheterosexuelle von staatlicher Seite aus tiefgreifend beschädigt und teilweise getötet werden.
Auch die Herzlosigkeit, mit der man auf diesen Demos speziell auch gegen die Erwähnung von nichtheterosexuellen Partnerschaften in Schulbüchern vorgehen, verschlägt mir den Atem. Denn hier kann man nicht mehr rekurrieren auf möglicherweise zu frühe Sexualaufklärung, hier geht es konkret um die strukturelle Auslöschung bestimmter Menschen.

Der Herr Alipius hat gesagt…

Um zwei Dinge gleich mal vorweg zu nehmen: 1.) Gewalt kommt für mich nicht in Frage, und in meinem nicht eben kleinen, katholischen Bekanntenkreis kenne ich auch niemanden, der Gewalt gegen "Nichtheterosexuelle" befürwortet. 2.) Interessanterweise erlebe ich bei Veranstaltungen wie z.B. dem "Marsch für das Leben" jedoch regelmäßig Gewalt (von verbal bis physisch), ausgeübt durch die Gegendemonstranten, also durch diejenigen, die sich ganz dem "Ankommen im 21. Jahrhundert", dem "Respekt", der "Vielfalt" etc verschrieben haben.

Mir ist klar, daß es bestimmte Länder gibt, in denen Homosexuelle wegen der dort vorherrschenden Religion ihre Veranlagung besser nicht mit rosafarbenen Plüschposaunen kundtun sollten, wenn sie keinen Wert darauf legen, bald irgendwo aufgeknüpft am Kran zu hängen (-> "Auslöschungsphantasien"). Ich weiß nicht, wo Ihre Hemmschwelle für "Fassungslosigkeit" liegt. Aber wenn Sie andeuten wollen, daß die berechtigte (und in Demo-Form präsentierte) Frage, ob hemmungslose Frühsexualisierung und eine "Ehe für alle" wirklich widerspruchslos hingenommen werden müssen, gleichzusetzen ist mit einer Todesstrafe für Homosexualität, dann können Sie natürlich auch nicht erkennen, warum der Spruch "Es gibt kein Recht auf Nazi-Propaganda" nichts weiter ist, als ein reflexhaftes Zurückgreifen auf Mundtot-Keulen, die sich in der Vergangenheit wegen der spezifisch deutschen Schuld-Last bewährt haben mögen, aber aufgrund ihrer Abgegriffenheit (und daher auch Abgeschmacktheit) heutzutage dann doch lieber verstandskompatiblen Argumenten oder Schweigen Platz machen sollten.