Sonntag, 16. August 2015

Vorprogramm...

Heute in Floridsdorf, ca 15 Minuten vor Beginn der erste Messe: Die Kirche war noch einigermaßen leer (20-30 Leute vielleicht). Ich stehe in der Sakristei und will mir eben die Albe überstreifen, als ich in der Kirche eine laute und erregte Stimme höre. Also gehe ich mal nachschauen. Und siehe da: Ein junger Mann (Mitte/Ende Zwanzig vielleicht) kommt den Mittelgang entlang auf den Altar zu und brüllt etwas von "Kinderschänder" und "Vatikan... Schätze verkaufen... Armen geben...".

Ich gehe zu dem Kerl hin, erkläre ihm, daß sein Getöse unerfreulich und unoriginell ist und bitte ihn, die Kirche zu verlassen. Dann dreht der aber erst einmal richtig auf so von wegen "Pädophiler!" und (an die Gläubigen gerichtet) "Laßt euch doch von so einem nicht verarschen!" und "Hexenverbrennung!" und "Reichtum der Kirche (übrigens alles von euch geklaut)!" und so weiter und so fort. Daß ich während keiner Sekunde zu Wort kam, versteht sich von selbst, denn er brachte ja, wie er ständig schrie "Argumente". Er kannte sich "in der Geschichte aus". Er wußte genau "was gespielt wird". Zwar riefen auch immer mehr der Anwesenden ihm zu, er möge sich doch bitte verdünnisieren, aber ab eine gewissen Grad der Verwirrung übersetzt sich so etwas in den Hirnen der Angesprochen offenbar in "Mach doch bitte weiter so".

Es kam dann ziemlich schnell der Breaking Point, und zwar dergestalt, daß ich die Geschichte plötzlich irgendwie langweilig fand. Ich wollte durfte natürlich keine Gewalt anwenden, also habe ich den Typen einfach mit... naja... körperlicher Präsenz in Richtung Portal manövriert und ihm dann, nachdem er die Kirche verlassen hatte, noch ein wenig nachgeschaut, um sicherzugehen, daß er sich auch wirklich vom Acker macht.

Ich war zwar ein wenig aufgewühlt, weil der Typ mir wirklich instabil vorkam und ich mir im Kopfkino schon Horrorszenarien anschaute, in denen ich mich einer gezückten Klinge oder einer plötzlich ausfahrenden geballten Faust gegenübersah. Andererseits tat mir der Kerl natürlich auch leid. Denn er war einerseits ganz offensichtlich - aus welchem Grund auch immer - am Rande seiner Belastungsfähigkeit angekommen, war aber andererseits nur daran interessiert, mir weitere Verbalinjurien entgegenzuschleudern, anstatt sich auf meine diversen Gesprächsangebote einzulassen.

Das Blödeste: Bei den Schimpfwörtern war nicht mal eines dabei, daß irgendwie neu und cool war.

Kommentare:

Claudia Sperlich hat gesagt…

Der arme Kerl.
Ehrlich, mir tut der Mann in höherem Maße leid als die durch ihn genervte Gemeinde. Obwohl, die auch. In meiner Heimatgemeinde gab es mal einen ähnlichen Vorfall, nur nicht ganz so lang und ohne "kirchengeschichtlichen Bezug", nur laut - da hat der Betreffende noch am gleichen Tag den Pfarrer aufgesucht und um Entschuldigung gebeten. Das dürfte in diesem Fall wohl eher nicht zu erwarten sein.

Manuel Joseph Schuster hat gesagt…

Schon die Polizei kontaktiert?

In manchen Fällen wissen die ja Bescheid, wenn so was öfter vorkommt oder der Typ schon mal andere in der Gegend in igendeiner Form provoziert hat. In manchen Fällen könnte es sich auch wirklich um einen psychisch Instabilen handeln, der sich halt bei den Nächstbesten austoben will.

Ansonsten würde ich persönlich empfehlen, dass zumindest ein Gottesdienstbesucher eine Dose Pfefferspray dabei haben sollte. Nur mal sicherheitshalber, falls das ¨Hinausmanövrieren¨ gefährlich werden sollte.

Clamormeus hat gesagt…

Kann mir natürlich keine Ferndiagnose über die Motive dieser konkreten Person anmaßen. Ziehe aber die Möglichkeit, daß es sich um einen Kollateralschaden der nahezu wöchentlich anziehenden Hetze gegen Katholiken aus unterschiedlichsten Zirkeln handeln könnte, durchaus in Betracht.

Und finde auch, die Anregung von @M. J. Schuster zumindest nicht abwegig, wenn in Frankreich schon katholische Feiertage unter Polizeischutz abgehalten werden.

Jedenfalls: freut mich, daß Dein kluges und entschlossenes Verhalten die Situation bereinigen konnte.

Anonym hat gesagt…

Nicht nur Lektoren & Co. als "Beauftragung", sondern die - eigentlich niedere Weihe - des Ostiariers wäre hier vonnöten. Und zwar wirklich beinhart im ursprünglichen Sinne als möglichst professioneller Türsteher. Sollte so etwas in Zukunft allgemein gehäufter auftreten, wird man darum wohl ohnehin nicht herumkommen ...

Peter Friedrich hat gesagt…

Grundsätzlich bin ich davon überzeugt, daß wir als menschliche Gesellschaft im Äußeren einen Raum der Akzeptation und des Friedens brauchen als Pendant zum innerlichen Raum der Akzeptation, der geschenkt ist aus der Begegnung mit der absolut liebenden Gegenüberhaftigkeit.
Besagter äußerer Raum könnte und sollte der Raum unserer Kirchen sein.
Wir erleben aber durch die Institution Kirche und deren Umfeld sehr, nun, problematische Auswüchse, die offensichtlich nicht befriedigend angegangen bzw. gelöst werden. Wenn nun ein Mensch den akkumulierten Druck aus diversen Unstimmigkeiten einträgt in die kirchliche Liturgiefeier, so mag man das in der Tiefe vielleicht sogar als eine Bereicherung derselben erleben und jenen Menschen willkommen heißen, der mit seinem lösenden und öffnenden Ausbruch die christliche Idee in unserer Existenz für wichtiger nimmt als manche Würdenträger?!?
Jedenfalls erlebe ich immer wieder im kirchlichen Umfeld Verstörendes, das auch immer wieder unbeantwortet bleibt und damit umso schwerer erträglich.
Beispielhaft gebe ich ein Schreiben an, welches erklärt, warum und was für manche Menschen so schwer erträglich ist und warum es nun wirklich die allerverkehrteste Reaktion ist, entsprechend kritisch nachfragende Menschen reflexhaft in der bekannt gossenhaften Weise als "linksrotgrünversifftökodiktaturhomolobbykinderfrühsexualisierendgutmensch" abzutun:

Sehr geehrte Frau Pantel,

Ich überlasse Ihnen mein folgendes Schreiben an die Bezirksregierung Düsseldorf, Dezernat 43, zur Ansicht:

Sehr geehrte Damen und Herren,
Ich beziehe mich auf die Einladung der Publizistin Birgit Kelle durch MdB Frau Sylvia Pantel, CDU, in das Gymnasium Koblenzer Straße in Düsseldorf für den 21. August.
Nach jahrelangen einschlägigen Recherchen und eigenen früheren schlimmen Erfahrungen im kirchlich-klerikalen Bereich bietet sich mir ein zwiespältiges Bild der katholischen Kirche, das sich gewissermaßen in einem Sonnenteil und einem Schattenteil unterscheidet.
Auf der "Sonnenseite" gibt es Menschen, die hochgradig wichtige Arbeit für unser aller Gemeinwohl leisten, seelsorgerlich wie auch durch tatkräftige Unterstützung Schwacher, das sei unbenommen.
Die Gegenseite wird leider geprägt durch eine reaktionäre und nichts weniger als gefährliche Menschenhaltung, innerhalb derer beispielsweise die Mißbrauchsfälle im kirchlichen Umfeld sowie deren psychologische Hintergründe in beschämender Weise bagatellisiert, verdrängt oder geleugnet werden (zu den einschlägigen Hintergründen s. etwa das epochale Werk "Kleriker - Psychogramm eines Ideals" von Eugen Drewermann).
Birgit Kelle nun steht antiaufklärend in enger Verbindung mit eindeutig faschistischen Organisationen, zu deren Lobbyarbeit es unter anderem gehört, die prinzipiell notwendige Gender-Idee vollständig zu zerstören, ungeachtet der Notwendigkeit, eventuelle weniger wünschenswerte Aspekte bei "Gender" abzuarbeiten, darüber müßte man sicherlich öffentlich diskutieren.
Darum geht es diesen Gruppen (zu denen ideologisch auch das berüchtigte "Opus-Dei" und "Pius-Brüder" gehören) aber gar nicht. Sie wollen nichts weniger als die Abschaffung des allgemeinen Gleichheitsgrundsatzes aller Menschen, wollen etwa die Folter (!) und die Todesstrafe wieder einführen.
Zu diesem Zweck hetzen sie Menschen gegeneinander auf, wozu auch das Hämischmachen von "Gender" und von Nichtheterosexuellen gehört.
Diese Attitüde des Hämischmachens ("Gendergaga") gehört wohl in keinem Fall an eine Schule, mit Verlaub!
Diese Leute sind hochgradig ekklesiogen-psychotisch und potentiell hochgradig gefährlich.
Unter diesem Blog:

Forts. folgt

Peter Friedrich hat gesagt…

Forts.:

Unter diesem Blog:
Link:
kreuzknappe.blogspot.de/2015/08/ach-das-ist-ja-int
eressant-katholiken.html#comment-form
publizierte Jorge folgenden interessanten Kommentar:
"...Dass die TFP keine Unschuldslämmer sind und sehr viel Geld haben, darf man nicht vergessen. Ein großer Teil der Unterzeichner sind Adelige.
Die TFP versucht wenigstens hierzulande mit großem Erfolg, sich als kleines Grüppchen darzustellen und streng undercover zu bleiben. Nicht einmal die ZEIT nennt die Initiatoren beim Namen (offb. aus Unwissenheit).
Dabei wäre das im Grunde die wirksamste Waffe gegen so eine Petition, wenn man sie diskreditieren will: Es ist ja der Beweis für die Existenz extremistischer Netzwerke und ein Schulterschluss der Unterzeichner mit (echten!) Neofaschisten. Man müsste nur den Namen Plínio de Oliveira nennen und ein paar Dinge recherchieren, und schwupps hätte man die konservativen Katholiken als echte Nazis entlarvt. Warum das keiner macht, ist mir schleierhaft. Ich denke, die Leute wissen einfach zu wenig und fallen auf die Verschleierungstaktik v. Gersdorffs herein. Enhorabuena, Mathias!
Das ist jetzt kein Antifa-Vokabular (die nennen ja alles faschistisch, wo sie gegen sind). Das ist natürlich Quatsch.
Die Einordnung der TFP als faschistisch ist hingegen m.W. politikwissenschaftlicher Standard. Wenn man sich die gesellschaftspolitischen Vorstellungen anschaut, die dahinter stecken und die ja offen kommuniziert werden, leuchtet diese Zuordnung eigtl. auch sofort ein.
In Europa sind sie am stärksten in Italien, agieren dort aber unter anderem Namen. Die Gruppe um Introvigne und De Mattei ist die Schwesterorganisation der TFP dort. Wenn man sich anschaut, woher die unversöhnlichste Papstkritik schallt, ist das natürlich aufschlussreich.
Im Grunde kommt die Aktion wie gerufen, um die derzeit tobende Püttmann-Debatte um die sog. rechten Allianzen zu illustrieren. Da verwahren sich die betroffenen Akteure mit riesiger Empörung dagegen, dem rechten Rand zugerechnet zu werden. Und dann unterschreiben oder bewerben sie ein Pamphlet der TFP. Klasse!
Das dies nicht ausgeschlachtet wird, beweist eigtl. nur, dass die linken Journalisten selbst kaum Ahnung haben, mit wem wir es hier zu tun haben."

Mit den hier genannten faschistoiden Gruppierungen und in deren Geist arbeitet Birgit Kelle nachweislich zusammen.

Mit freundlichen Grüßen
Peter Friedrich

Peter Friedrich hat gesagt…

Mein Gott nochmal, kein Wort bekomme ich, keine Antwort...