Dienstag, 1. September 2015

Keinen Bock, immer nur sachlich, differenziert und logisch zu sein...

Daher kommt diese Geschichte aus den USofA mir wie gerufen: Der Kurs "Women & Popular Culture" an der Washington State University läßt aufgrund seines Titels vielleicht einige schon aufschreien, weil sie der Meinung sind, daß hier in einem Schwafelfach wieder Horden künftiger Opferrollen-Sucher mit Immatrikulationshintergrund ausgebildet werden sollen. Das mag stimmen oder auch nicht.

Interessant (und irgendwie auch ein wenig entlarvend) ist jedenfalls das Programm des Kurses. Denn dort findet man neben Wendungen wie "guerilla anti-consumerist social movements" zuerst das...:
    The course materials may challenge your personal beliefs or opinions, and this is an open space to discuss these disagreements in a civilized, academic manner.
... und dann das:
    Use of racist, sexist, homophobic, transphobic, xenophobic, classist, or generally offensive language in class or submission of such material will not be tolerated. (This includes “The Man,” “Colored People,” “Illegals/Illegal Aliens,” “Tranny” and so on - or referring to women/men as females or males) If I see it or hear it, I will correct it in class since it can be a learning moment for many students. Repeated use of oppressive and hateful language will be handled accordingly – including but not limited to removal from the class without attendance or participation points, failure of the assignment, and - in extreme cases - failure for the semester.
Während sich zivilisierter Umgang meiner Meinung nach im Hörsaal von selbst versteht, brauchte der akademische Umgang wohl doch noch ein wenig Erläuterung: Nenne Frauen weiblich und Männer männlich und tue dies mehrmals, dann wirst du leider wegen deiner tyrannischen und haßerfüllten Sprache durchfallen.

Jetzt weiß ich gar nicht, welchen Song ich darauf hören soll? Timbuk3 - The Future's So Bright, I Gotta Wear Shades oder Morrisey - That's How People Grow Up...

Kommentare:

Friedlon hat gesagt…

Wenn man sich die Etymologie vor Augen hält (male>mas(lat.)>*men = denken, female>femina(lat)>*fe = gebären), kann man ggf. die beleidigte Reaktion einer [kinderlosen?] Hochschullehrerin verstehen.

Christoph Rebner hat gesagt…

1 Timothy 3:2-7 2 Der Aufseher nun muß untadelig sein, Mann einer Frau, nüchtern, besonnen, sittsam, gastfrei, lehrfähig, 3 kein Trinker, kein Schläger, sondern milde, nicht streitsüchtig, nicht geldliebend, 4 der dem eigenen Haus gut vorsteht und die Kinder mit aller Ehrbarkeit in Unterordnung hält 5 - wenn aber jemand dem eigenen Haus nicht vorzustehen weiß, wie wird er für die Gemeinde Gottes sorgen? - 6 nicht ein Neubekehrter, damit er nicht, aufgebläht, dem Gericht des Teufels verfalle. 7 Er muß aber auch ein gutes Zeugnis haben von denen, die draußen sind, damit er nicht in übles Gerede und in den Fallstrick des Teufels gerät.

Anonym hat gesagt…

Vielleicht hab ich's ja falsch verstanden, aber ich dachte, man könne "women" oder "men" sagen aber nicht statt dessen "females" oder "males" - also "the women set the table and the men washed the dishes", aber nicht "the females set the table and the males washed the dishes".
- (back from research) Ja, das dürfte es sein. "females" statt "women" wird von manchen abgelehnt, weil sie es für abwertend halten ("women" = weibliche Menschen; "females" = "Weibchen) und weil sie den Eindruck haben, das reduziert sie rein auf ihre reproduktiven Fähigkeiten. "Males" ist wohl nicht so das Problem und wird wohl seltener verwendet.
Ist wohl eher so zu verstehen, dass das nichts mit irgendeiner absurden Geschlechterbinarität oder deren Leugung zu tun hat, sondern eben mit Höflichkeit...wir würden ja im Seminar auch nicht sagen "Die Weiber ... die Kerle..." sondern eben "die Männer....die Frauen".
So absurd manche der akademischen lunatic fringe-Sprechverbote sind, dieses "no no" kann ich nachvollziehen.

Der Herr Alipius hat gesagt…

Okay. Das wäre eine Erklärung, die mir einleuchtet.

Anonym hat gesagt…

Wir wurden auf der Uni mal gewarnt, dass "males/females" zu umgangssprachlich wäre und dem akademischen Umfeld nicht angemessen, das könnte auch noch reinspielen. Aber in dem Kontext spielt sicher die für manche negative Konnotation eine stärkere Rolle.

Peter Friedrich hat gesagt…

Ihnen zur Ansicht, einfach wunderbar, weiter so.

http://www.queer.de/detail.php?article_id=24740

Imrahil hat gesagt…

Habe ich auch so verstanden.

Zumal das Englische den deutschen Unterschied zwischen "Männchen, Weibchen" (wirklich nur Tiere) und "Männlein, Weiblein" (können auch Menschen sein, gerade auch in ihrer Männlichkeit und Weiblichkeit und wissenschaftlich, aber immer ein bißchen humoristisch angehaucht) nicht kennt.

Allerdings scheint in jüngerer Zeit im Englischen das Wort "males" für "Männer" mehr Verwendung zu finden (aber nicht "females" für Frauen), weil ein eigenes Wort für "Männer" (also eines, das nicht auch "Menschen" heißt) im Englischen nun einmal nicht zur Verfügung steht. Insofern entsteht eher hier das Problem.

(Diese englischen Feinheiten führen u. a. zu der schön plakativen Formulierung Chestertons:

Men are men. But Man is a woman.)