Sonntag, 21. Februar 2016

Mensch? Oder nicht? Oder so grade noch?

n Anlehnung an Forrest Gump stelle ich fest, daß die facebook-Timeline wie eine Schachtel Pralinen ist: Man weiß nie, was man kriegt. Als ich eben in gewohnter Weise langsam die Seite herabscrollte, bekam ich zuerst diese Botschaft...


... und direkt danach einen Link zu einem focus-Artikel, der mich darüber informiert, daß Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich über die tobenden Teilchen am Flüchtlingsbus dies zu sagen hatte:
    "Das sind keine Menschen, die sowas tun. Das sind Verbrecher. Widerlich und abscheulich ist das."
Und schon haben wir den Beweis, daß überall dort, wo man es sich zu leicht macht, früher oder später der Widerspruch anklopft und sich diebisch freut.

Denn wenn wir alle Menschen sind, dann sind eben auch rassistische, hetzerische, braune Dummschwätzer Menschen. Wenn es aber gewisse menschliche Qualitäten gibt, deren Nichtvorhandensein in Individuen dafür sorgt, daß wir diese Individuen als Nicht-Menschen klassifizieren dürfen, dann steht die Frage im Raum, warum damit bei rassistischen, hetzerischen, braunen Dummschwätzern, die in Sachsen vor einem Bus herumpöbeln, Schluß sein soll und warum man die Praxis dann nicht ausweiten kann auf alle Dummschwätzer, welche sich offenbar nur aus der Menge heraus stark fühlen, welche sich für besonders, für besser, für von Gott auf besondere Art auserwählt betrachten und welche für all jene, die anders sind als sie, von Ausgrenzung bis Auslöschung alles mögliche planen.

Ich persönlich habe es aufgrund der Schöpfungsgeschichte, aufgrund der menschlichen Natur und aufgrund des christlichen Menschenbildes bis heute nicht fertiggebracht auch nur in Gedanken von irgendeinem IS-Schlächter zu sagen, er sei kein Mensch. Ich werde es auch von den Bus-Pöblern nicht sagen. Im Gegenzug weigere ich mich allerdings auch, die Unterschiede in gewissen Kategorien nur deswegen zu ignorieren oder als belanglos zu betrachten, weil wir alle Menschen sind.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Die Gläubigkeit eines Priesters, sein Leben, sein Tun, haben nichts mit der Wirksamkeit seiner Spende der Sakramente zu tun.

Darüber denke ich seit Tagen nach.

Egal welchen Verbrechens er sich schuldig machte und macht, egal ob er bereut oder nicht. Seine Sakramente sind wirksam, von Amts wegen...;

Was für ein machtvolles Amt, egal wie jemand lebt und denkt und fühlt...;

Es ist völlig unterschiedslos, in seiner Bedeutung in dieser Welt, siene Entscheidungen/Sakramente.

Für ihre Bedeutung in dieser Welt und die Folgen für die Zukünftige.

Darum drehe ich, wie kann dies sein?


Anonym hat gesagt…

Danke für diese, heutzutage, sehr mutige Klarstellung!

Peter Friedrich hat gesagt…

@Anonym: Mutig? Warum mutig? - grübel -
Ach ja, jetzt habbichs! Es geht um das (Nicht-)Sagendürfen...
Das wird man doch wohl noch sagen dürfen.
Das wird man doch wohl noch sagen dürfen?
Das wird man doch wohl noch sagen dürfen!
Das würde ich jetzt aber sagen wenn man das in diesem Land noch sagen darf was man nicht mehr sagen darf dann darf man das ja wohl noch sagen, denn daß man das ja wohl nicht mehr sagen darf was man sagen darf das darf man ja wohl noch sagen das!

Hans hat gesagt…

Sie sind also der Meinung, dass der Katholik Tillich _tatsächlich_ der Meinung sei, "das sind keine Menschen"? Nicht dass er etwa im Überschwang der Gefühle, wie soll ich sagen, -ungünstig?- formuliert haben könnte? Er einfach "Es sich zu leicht macht"?
Sie persönlich haben es ...bis heute nicht fertig gebracht, ....irgendeinem IS-Schlächter zu sagen, er sei kein Mensch." Respekt, Respekt, welch ein Kraftakt, da zu widerstehen.
Ich hab auch noch niemand das Meschsein abgesprochen, was sind wir beide doch für gute Menschen!