Montag, 28. März 2016

Das Beten und das Lieben

argot Käßmann fliegt grade mal wieder eine ihrer Aussagen um die Ohren. Auf die Frage, was Jesus zum Terror von heut sagen würde, antwortete sie laut WELT: "Wir sollten versuchen, den Terroristen mit Beten und Liebe zu begegnen".

Boom! Enter: The Shitstorm!

Tatsächlich hat Käßmann einen Fehler gemacht, als sie sagte, daß wir versuchen sollten, den Terroristen mit Beten und Liebe zu begegnen. Denn eigentlich müssen wir den Terroristen mit Beten und Liebe begegnen. Zumindest dann, wenn wir die Worte unseres Herrn ernst nehmen.

Natürlich ist die Feindesliebe gerade in diesen Tagen eine zwar nicht unerhörte (Ich gehe davon aus, daß alle Christen und auch viele Nicht-Christen davon gehört haben) aber dafür eine extrem unwahrscheinliche Variante und daher (immer noch) eine Provokation. Und natürlich sind selbst viele Christen in der heutigen Zeit eher dazu bereit, brachiale Rhetorik aufzufahren, als tatsächlich auf die Kraft des Gebetes und die Macht der Liebe zu vertrauen. Ich selbst erhebe mich in Zeiten wie diesen jeden Morgen zu einem neuen, inneren Kampf, in dem ich die Versuchung der einfachen Antworten und der naheliegenden Impulse dem gänzlich Anderen der bedingungslosen Liebe unterordnen muß.

Und wieso funktioniert das für mich?

Weil ich keine kaputten, maroden, verkommenen, lustlosen, lebensfeindlichen Ideologien lieben muß, sondern Individuen. Menschen. Geschöpfe.

Kommentare:

Betbruder hat gesagt…

Für die Terroristen zu beten, das bringe ich bisher nicht fertig.
Aber für die verfolgten Glaubensgeschwister bete ich schon seit langem regelmäßig vor jedem Gottesdienst.

Cinderella01 hat gesagt…

Na ja ich weiß nicht.
Ich gehe mal davon aus, dass unser Papst ja immer mal wieder die Mafia oder (wie kürzlich in Mexiko) die Drogenbosse damit bedroht, dass sie sofort in die Hölle kommen.
Wo ist aber jetzt der Unterschied zwischen einem Terroristen (Verbrecher), Mafiosi (Verbrecher), Drogenboss (Verbrecher).
Warum sind jetzt zwei aus dieser Gruppe sofort mit Hölle zu bestrafen, während der dritte von uns geliebt werden soll?

Der Herr Alipius hat gesagt…

@Cinderella: Wir können Menschen davor warnen, daß sie unter bestimmten Bedingungen in der Hölle landen können. Das wiederum bedeutet nicht, daß wir nicht auch für diese Menschen beten und sie lieben können.

katholischlogisch hat gesagt…

Oha...
Das Unterscheiden scheint für viele ganz, ganz schwere Kost zu sein. Mir ist mal vorgeworfen, ich wünsche Menschen in die Hölle, weil ich bemerkt hatte, daß ein bestimmter, übler Weg in die Hölle führt (und tatsächlich hätte ich sagen sollen: führen kann).
Frau Käßmanns Formulierung ist schräg, natürlich sollten wir nicht versuchen, sondern wir müssen. Was sie vermutlich meint, ist richtig: Wir müssen unsere Feinde lieben und für sie beten, aber wir schaffen es allzuoft nicht - und dürfen trotzdem nicht aufgeben, es wenigstens zu versuchen.
Mein Versuch:
Herr, ich kann diese Menschen nicht lieben - verzeih mir und ihnen, führe mich und sie auf den rechten Weg.

Andreas N hat gesagt…

Nun, der angeblichen Bemerkung wurde ein hönisches "schön warm da unten" beigegeben.

Ist aber nicht schlimm. Da Christentum seit Käßmann ohne Glauben an die Auferstehung auskommt, kann es der Wahrhaftigkeit ja mit Leichtigkeit ebenfalls entbehren.

Jörg Loch hat gesagt…

Ja, ich tendiere auch zur Aussage des Herrn Alpius, da muss "müssen" stehen. Ich selbst habe auch ein Problem für die Terroristen zu beten. Wir müssen uns aber immer wieder ins Gedächtnis rufen dass wir ja nur die Sünde (den Terror) hassen sollen und nicht die Sünder. Eine zentrale Aussage, die wohl auch zur Definition aller Christen nicht unerheblich beiträgt.

Martina Baro hat gesagt…

Aber ja!
Natürlich bete ich für die Terroristen, um ihre Bekehrung. Will ich denn wirklich, das sie sich nicht ändern? Das sie weiter bomben und morden? Wie bescheuert müsste ich sein, nicht darum zu beten, das diese Leute sich ändern? Gern, intensiv und freudig bete ich für sie, die Alternative ist leider, das meine Schwestern und Brüder im Glauben weiterhin verfolgt, vertrieben, enteignet, ermordet werden. Das geschieht nur, wenn sich die Mörder bekehren wie die Christenverfolger in der Antike.
Jemand eine bessere Idee?

Dann heraus damit!

Martina Baro

Betbruder hat gesagt…

Lesen Sie mal die Buchbesprechung von Hubert Hecker zu dem Buch von Jürgen Todenhöfer "Inside IS" heute auf katholisches.info.
Können Sie solche völlig verblendeten Schwerstverbrecher wirklich "lieben" im ursprünglichen Sinne?
Beten um Umkehr mag noch angehen, aber dann würde ich mich lieber an Gott selbst wenden, denn Er hat wirksamere Mittel als ein Mensch, um Irene vielleicht zu einer Umkehr zu bewegen.
Markt Käßmann vertritt sehr plakativ einen Radikalpazifismus, der aber vor geradezu tollwütig agierenden Verbrechern an Grenzen stößt und in dieser Form auch nicht neutestamentlich-biblisch herleitet ist.
Die vom Herrn geforderte Feindesliebe ist nicht ein einfaches Gewährenlassen der Täter; damit verkündigt man sich gegenüber deren Opfern.
Notwehr und Verteidigung ist auch nach Jesus Christus erlaubt. Er hat nie gefordert, z.B. den Soldatenberuf zu ächten oder abzuschaffen, vielmehr geht Er sogar mit dem heidnischen Hauptmann von Kapharnaum sehr unbefangen und sogar freundlich um.
Sicherlich sollen wir selbst unmenschlichen Feinden nicht all ihre Verbrechen mit gleicher Münze heimzahlen - tut der Staat auch insofern nicht, als sie nicht z.B. grundlos gequält und gefoltert werden.
Allerdings kann es in einem quasi gnadenlosen kriegsähnlichen Kampf passieren, dass solche Terroristen durch Scharfschützen, Drohnen o.ä. ohne Vorwarnung getötet werden.
Wie soll es denn auch anders gehen?

Betbruder hat gesagt…

Lesen Sie mal die Buchbesprechung von Hubert Hecker zu dem Buch von Jürgen Todenhöfer "Inside IS" heute auf katholisches.info.
Können Sie solche völlig verblendeten Schwerstverbrecher wirklich "lieben" im ursprünglichen Sinne?
Beten um Umkehr mag noch angehen, aber dann würde ich mich lieber an Gott selbst wenden, denn Er hat wirksamere Mittel als ein Mensch, um Irrende vielleicht zu einer Umkehr zu bewegen. 
Margot Käßmann vertritt sehr plakativ einen Radikalpazifismus, der aber vor geradezu tollwütig agierenden Verbrechern an Grenzen stößt und in dieser Form auch nicht neutestamentlich-biblisch herleitbar ist.
Die vom Herrn geforderte Feindesliebe ist nicht ein einfaches Gewährenlassen der Täter; damit versündigt man sich gegenüber deren Opfern.
Notwehr und Verteidigung ist auch nach Jesus Christus erlaubt. Er hat nie gefordert, z.B. den Soldatenberuf zu ächten oder abzuschaffen, vielmehr geht Er sogar mit dem heidnischen Hauptmann von Kapharnaum sehr unbefangen und sogar freundlich um.
Sicherlich sollen wir selbst unmenschlichen Feinden nicht all ihre Verbrechen mit gleicher Münze heimzahlen - tut der Staat auch insofern nicht, als sie nicht z.B. grundlos gequält und gefoltert werden.
Allerdings kann es in einem quasi gnadenlosen kriegsähnlichen Kampf passieren, dass solche Terroristen durch Scharfschützen, Drohnen o.ä. ohne Vorwarnung getötet werden.
Wie soll es denn auch anders gehen?