Mittwoch, 8. April 2015

Es wird in der kommenden Zeit zwangsläufig so sein,...

... daß ich immer wieder mal auf meinen verstorbenen Pater Rudi zu sprechen komme. Den kannte ich nämlich seit über 31 Jahren, und so hatte er reichlich Gelegenheit, sich mir gegenüber immer wieder als er selbst zu erweisen und auf diese schlichte Art mein Leben extrem zu bereichern.

Da nun diese - streng genommen von meiner Seite aus noch nicht vorgesehene und eingeplante - Amputation erfolgt ist, sind Phantomfreuden unumgänglich (Phantomschmerz = Etwas, das nicht mehr da ist, tut weh; Phantomfreude = Jemand, der nicht mehr da ist, tut immer noch gut).

Und einzelne Perlen dieser Phantomfreuden will ich hin und wieder mit Euch teilen.

Da ist zum Beispiel der Glaube dieses Mannes. Ich kenne und kannte niemanden, der so liebevoll glaubt. Wann immer er von Gott sprach, von Christus und auch von der Gottesmutter Maria, dann klang er wie ein Kind, das über seine Eltern spricht und dabei ganz genau weiß, daß sie ihn niemals im Stich lassen werden, daß sie ihn niemals fallen lassen werden.

Um Mißverständnisse aus dem Weg zu räumen: Er legte dabei nicht diese leicht hochnäsige "Ich werde sowieso gerettet und in den Himmel kommen"-Art an den Tag (obwohl er vielleicht einer der wenigen Menschen war, die dies tun dürfen, weswegen sie es aber eben genau nicht tun).

Nein, was er an den Tag legte, war eine perfekte Mischung aus Ehrfurcht, die keine Angst kennt, aus Demut, der jegliches "Guckt mal, wie klein ich mich machen kann!" fremd ist und aus Liebe, die ohne jede Ausreden daherkam.

Wenn er von Gottes Barmherzigkeit sprach, dann klang er dabei nicht wie ein Sünder, der einen Notausgang sucht, sondern wie ein Sünder, dem das Heilmittel nicht nur gut tut sondern auch schmeckt.

Ich danke ihm dafür, daß er diesen wilden Bilokations-Trick drauf hatte, der es ihm gestattete, Zeit seins Lebens Gott zu Füßen zu liegen und ihn anzuhimmeln und gleichzeitig unter den Menschen hin und her zu wuseln und diese ganz spezielle Art der Freude am Glauben und der Liebe zu Gott zu verbreiten.

Kommentare:

Gerd Franken hat gesagt…

Vielleicht war Pater Rudi ein Mensch an dem kein Falsches war. Man könnte sagen, das sind die Menschen die Gott besonders lieb hat. Hab ich aus den Evangelien. Weiß nur die Stelle nicht mehr.

Der Herr Alipius hat gesagt…

Es war sicherlich kaum, vielleicht sogar überhaupt nichts Falsches an ihm. Und ich kann mir durchaus vorstellen, daß Gott ihn lieb hatte.