Freitag, 28. August 2015

Was noch zu sagen wäre...

In den letzten Tagen und Wochen ist so viel geschehen und über das Geschehene in so kurzer Zeit soviel geredet und geschrieben worden, daß ich persönlich irgendwann einfach zumachen und in mich gehen mußte.

Das Zusammentreffen einer nicht eben kleinen Menge von Flüchtlingen mit einer ebenfalls nicht mickrigen Anzahl von Menschen, die in kürzestmöglicher Zeit mit brutalstmöglichem Vokabular und geringstmöglichem Innehalten und Nachdenken sich und allen, die es interessieren könnte, klarmachen wollen, wer nun ein "stocktumber Nazi" und wer ein "linksgrünversiffter Gutmensch" ist, hat meine Lust auf öffentliche Kommentare gewaltig geschmälert.

Da ich mich nicht in der Lage sah, die komplexen Detail-Probleme zu lösen, schielte ich nach dem groben Pinsel. Und alles, was mir einfiel, ist dies:

Erstens: Menschen, die es sich zu einfach machen, sagen Sätze wie:
  • "Jeder Einwanderer ist nur ein Glücksritter, der sich bei uns ein schönes Leben machen will!"
  • "Jeder Moslem ist automatisch ein potentieller Terrorist!"
  • "Niemand ist willkommen!"
  • "Alle sind ausnahmslos willkommen!"
  • "Wer auf mögliche Probleme mit importierten religiösen/ethnischen Konflikten hinweist, ist ein Nazi!"
  • "'Pack?' Aber das sind doch immer die Anderen, oder?"

Zweitens: Es ist möglich, daß ich mir das nur einbilde, aber mir scheint insgesamt die Situation etwas instabiler geworden zu sein. Daher halte ich es für dringend notwendig, alle Straßen als Sackgassen auszuweisen, die zu Gewalt führen könnten. Wer auch nur ansatzweise alle Gabeln in der Besteckschublade hat, der ist nicht daran interessiert, daß die "falsche" Gewalt unterbunden und die "richtige" Gewalt totgeschwiegen, schulterzuckend genehmigt oder gar tönend gefördert wird. Sondern er ist daran interessiert, daß Gewalt so weit wie möglich eingedämmt wird. Sei es nun Gewalt, die in den Gedanken beginnt, die sich in Worten zeigt oder die sich im Gebrauch von Fäusten und Waffen entlädt. Sei es Gewalt, die von den Rändern der Gesellschaft kommt, oder aus ihrer Mitte. Sei es Gewalt, die von Traumatisierten ausgeübt wird oder von Aufgehetzten. Sei es Gewalt, die im Namen einer Religion ausgeübt wird oder sich gegen eine Religion richtet.

Drittens: Ich bin - und man verzeihe mir den Ansatz, wenn man ihn für wirklichkeitsfremd hält - sehr davon überzeugt, daß wir umso mehr Regeln und Ordnung nicht nur brauchen sondern auch durchsetzen müssen, je mehr unterschiedliche Lebensentwürfe, Wertekataloge, Traditionen und Überzeugungen aufeinandertreffen. Haben wir diese Regeln nicht und sorgen wir nicht dafür, daß sie eingehalten werden, dann kommt es über kurz oder lang entweder sofort zu blutigem Chaos, oder es wird erst einmal nur derjenige recht haben und Recht ausüben, welcher der Lautere, später möglicherweise der Überzeugendere und am Ende dann der Stärkere war.

Viertens: Es liegt sehr viel Arbeit vor uns. Wenn wir bereits an einem Punkt angekommen sind, an dem besoffene Faschos in einer S-Bahn auf Migrantenkinder urinieren und aufgebrachte Muslime wegen eines mißhandelten Korans einen Lynchmord versuchen, dann sollte eigentlich jedem klar sein, daß wir keine Streichhölzer an die Lunte halten dürfen, sondern daß wir nüchtern und scheuklappenfrei all jenen Kräften Einhalt gebieten müssen, die irgendwelche Komplexe auf Kosten anderer ausleben wollen.

Fünftens: Es wäre sicherlich hilfreich, wenn wir die Gebote und die Lehre unseres Herrn Jesus Christus nicht nur zitieren sondern auch leben und dies auf eine Weise tun, die andere Menschen nicht vor unserem Glauben zurückschrecken läßt. Natürlich ist es verlockend (und tatsächlich auch nicht falsch), dem Anderen zu erklären, wo und warum und wie er sündigt. Aber wenn diese Erklärung nicht einhergeht mit dem Eingeständnis der eigenen Sündhaftigkeit und dem Hinweis auf einen Weg zum Heil, den es gemeinsam zu beschreiten gilt, dann werden wir immer Gefahr laufen, die Welt in eine Wagenburg der Reinen und ein gegen sie anbrandendes Meer der Schmutzigen aufzuteilen.

Noch zwei Punkte in mehr oder weniger eigener Sache:

Sechstens: Kommt mir jetzt bitte nicht mit der Rettung des christlichen Abendlandes, es sei denn, Ihr gehört nicht zu den Leuten, die das, was von eben diesem christliche Abendland noch übrig war, in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten mit Freudenseufzern selbst auf dem Altar Ihrer Bedürfnisse und Interessen geopfert haben.

Siebtens: Ein besonderer Gruß an die Kommentarspalten-Helden, die Couch-Analytiker und die Fernbedienungs-Moralisten. Die Welt ist glücklicherweise nicht so schwarz und weiß, wie Ihr es gerne hättet. Ich habe das mittlerweile gelernt und erkannt, und ich weigere mich daher, nach irgendeiner Pfeife zu tanzen, egal wie schmeichlerisch oder wie bedrohlich sie auch klingen mag. Es gibt Menschen, die halten mich für einen bambiäugigen Gutmenschen. Es gibt andere Menschen, die halten mich für total Autobahn. Geschenkt. Schubladen sind einfach und schön und erleichtern all jenen den Weg, die lieber gleich ein Urteil hätten, ohne vorher groß nachzudenken oder nachzufragen. Die meisten Leute scheinen mich glücklicherweise korrekt einordnen zu können. Diese Tatsache gibt mir eine Ruhe und Gewißheit, die bei weitem allen Ärger überwiegt, den irgendwelche hausgestrickten Diagnosen mir bereiten könnten. Was auch immer Ihr aus welchen Gründen an Selbstbestätigung benötigt: Zieht es meinetwegen aus vorschnellen Urteilen über meine Person, aber glaubt bitte nicht, daß Ihr mich jemals ändern könnt. Ich weiß, daß ich mich verletzbar und angreifbar mache, wenn ich unter meinem richtigen Namen poste und auch sonst aus meiner Identität und Beschäftigung keinen Hehl mache. Aber ich habe mich dazu entschlossen, mit offenen Karten zu spielen, mich nicht zu verstecken und zu vermummen, und ich möchte das auch durchhalten. Das Internet ist mittlerweile ja kein Parallel-Universum mehr, sondern Teil unserer realen Welt. Vielleicht lohnt sich einmal das Nachdenken darüber, auf welcher Seite in eben dieser realen Welt in der Regel die Vermummten stehen.

Kommentare:

damasus hat gesagt…

Den Strickern und Strickerinnen dieses dumpfen und simpelst möglichen Einordnungsmusters (zwei links zwei rechts) geht es nicht um das genaue Lesen und Zuhören, gar einen Dialog.
Sie wollen mit ihren ideologischen Stricknadeln alles aufspießen, was sie mit Hilfe des oben genannten Musters als NICHTLINKS ( horribile dictu, ist sowas überhaupt erlaubt? ) identifiziert haben. Sie streben die schöne neue Linkswelt an- ohne jede Richtungsabweichung, das macht alles so viel einfacher.
Allerdings müssen bis zum Erreichen dieses sinistren Utopias Opfer gebracht werden, auch in der blogozoese. Das war schon immer so. Auch bei der Französischen Revolution mußten im Namen der Brüderlichkeit schließlich Hekatomben von Blut fließen und Köpfe rollen.....
Anders gesagt: dreh dich nicht um, der Blogwart geht um....verderben wir ihm sein Mund-tot-macher-Konzept.
Heiliger Augustinus bitte für uns!

Peter Friedrich hat gesagt…

@Damasus: Jetzt geht das schon wieder los, ich fasse es nicht.
Gerade eben noch in dem Statement von Alipius ging es völlig zu recht um die jetzt so nötige differenziertere Sichtweise aus dem Lagerdenken heraus, schon geht dieses reflexhafte dumpfe Dreinschlagen auf "Links", was immer das subjektiv bedeuten mag, völlig unreflektiert weiter.
Noch vor 20 oder 25 Jahren wurden jene armen "konservativen" "christlichen" "Rechten" von den bekannt gefährlichen Linksideologen jämmerlich verfolgt mit dem brutalen Zwang, sich für Vergewaltigung in der Ehe einem ordentlichen Gerichtsverfahren aussetzen zu müssen. Sie erinnern sich?
Linke Ideologie hat etwa auch gegen den verzweifelten Widerstand vieler verfolgter sklavenhaltender "Christen" die Sklaverei abgeschafft und "Christen" dem Meinungsterror unterworfen, Sklaverei sehr schlimm zu finden.
Kürzlich hat man sich in Charleston, USA, von "konservativer" Seite gegen diesen Meinungsterror erfolgreich gewehrt. Schließlich kann man es sich doch nicht gefallen lassen, wenn gegen das gottgegebene Naturrecht Dunkelhäutige und Hellhäutige gleichgestellt zusammenleben und sich paaren. Gleich neunfach wurde die gottgewollte Ordnung wiederhergestellt.
Ernsthaft: Was eigentlich "christlich" bedeuten kann, wurde meist von Persönlichkeiten außerhalb des "konservativ" kirchlichen Milieus in bewegende Worte gefasst. Wenn Erich-Maria Remarque die "Trägheit des Herzens" beklagt, so könnte gerade damit eigentlich eine mitgefühllose Unchristlichkeit beschrieben sein.

Cinderella01 hat gesagt…

Danke Alipius, der Beitrag ist so gut und so wahr und sagt genau das aus, wohin wir kommen, wenn wir so weitermachen.
Und das heißt, wenn wir nicht endlich aufhören, die Politik und dieses seit zwei Jahren extrem hochgekochte Links-Rechts-Gedöns aus dem kirchlichen Alltag entfernen. Es nervt einfach nur noch. Schlimm genug, dass so viele führende Kirchenvertreter da mitmachen. Man kann das in Deutschland ja sogar in der DBK beobachten.
Da tut es wirklich gut, dass wir hier in M in zwei Kirchen gerade den Frauendreißiger beten. Hier gibt es täglich Marienandachten, Stille Stunde mit Anbetung, Rosenkranz und heiliger Messe incl. Kreuzauflegung. Man kommt dann aus der Kirche raus und ist total gestärkt und einfach nur froh. Und man fragt sich ernsthaft, was wollen diese ganzen "Politiker" eigentlich in unserer Kirche? Ich habe jetzt bestimmt alles gelesen in der Bibel, aber ich habe da nirgends was über rechts oder links gefunden (Es sei denn "da weiß die rechte nicht, was die linke tut). Und die Frage, die sich stellt, ist was soll das also? Es macht keinen Sinn, außer dass eine Menge Leute daran interessiert zu sein scheinen, die Kirche klein zurechtzustutzen. Letztens hatten wir eine Predigt über den Gründer des Salvatorianerordens, der nach seiner Weihe in Deutschland nicht mal seine Primiz feiern durfte, weil Bismarck durchgesetzt hatte, dass jeder neue katholische Priester einen Eid auf den Staat ablegen musste. Das hat natürlich keiner gemacht.
Es gab also schon mal schlimmere Zeiten und wir sollten alle daran arbeiten, dass sie nicht zurückkommen - aber nicht mit politischen Diskussionen, sondern mit mehr Gebet und mehr Glauben. Diese politisch motivierten Kirchenzerstörer sollten wir ned amoi ignorian. Und vor allem, uns nicht auseinanderdividieren lassen.

Cinderella01 hat gesagt…

PS: Ich meinte natürlich das NT und nicht die ganze Bibel....

Richard Leitner hat gesagt…

Schön Ihre offenen und klaren Worte! Ihr Duzfreund "Le Penseur" findet heute übrigens auch sehr klare und mitfühlende Worte für die Toten im Burgenland. Worte, die unser Gewissen erleichtern, denn es könnten ja alle Toten nur Ost-Verbrecher gewesen sein. Es geht halt nichts über die Meinungsfreiheit - mal ganz abseits vom Schwarz-Weiß Denken: "P.S.: woher wissen jetzt eigentlich alle schon, daß es sich bei den Toten im Burgenland um (und sei es nur unter Anführungszeichen zu stellende) Flüchtlinge gehandelt hat? Bis zur Unkenntlichkeit verweste Leichen in Kühlwagen könnten ebenso auf eine gezielte »Entsorgungsaktion« irgendwelcher (Ost-) Mafiabanden hindeuten, die den derzeitigen »Flüchtlings«-Hype dazu ausnützen, irgendwelche »Leichen im Keller« en bloc loszuwerden, und sich das aufwendige vergraben/einbetonieren etc. zu sparen. Zumal das gestern stattfindende »LateNightShopping« in Parndorf (das immer für großes Verkehrs-, und damit Polizeiaufkommen sorgt!) für »zufällige« Entdeckung eines am Pannenstreifen in der Nacht abgestellten LKW überaus günstig ist."

Der Herr Alipius hat gesagt…

Mit LePenseur habe ich mich noch nie geduzt.

Wie ist das jetzt eigentlich? LePenseur ist böse genug, um nicht mehr in der Blogoezese verlinkt zu werden (was ich seit über einem Jahr ohnehin nicht mehr mache), aber gut genug, um seine Inhalte in meinem Kommentarbereich breitzutreten?

damasus hat gesagt…

Dass die Damen und Herren Frei- bzw--Kleingeister mit Unterstellungen arbeiten- wie oben- ist ja leider die Regel, und dem Gegenüber irgendwelche kranken Meinungen aus der Presse oder dem Internet oder selbsterfundene unterzujubeln, ist die alte perfide Methode der Propagandisten beider Extreme.... eine andere Lieblingsdisziplin dieser Blogwarte ist das Nachtreten, besonders wenn man weiß, der Getretene kann sich nicht wehren,
Mutig, mutig Herr Leitner!
Aber um Ihr Ziel der Gleichschaltung der blogozoese an Ihr Denken zu erreichen, müssen Sie sich schon was Klügeres einfallen lassen,

Karl Schütte hat gesagt…

Gut genug dafür, dass Sie ihn auf seinem Blog vor der Blogözensanen Kritik in Schutz nehmen ;-)

Peter Friedrich hat gesagt…

Herr Damasus, der Massenmörder von Charleston hat sich gegen seine Blogwarte erfolgreich erhoben. Trinken Sie doch ein Bierchen mit ihm.

Anonym hat gesagt…

Danke für diese sehr differenzierte Betrachtungsweise!

Der Herr Alipius hat gesagt…

Gerne!

marram hat gesagt…

Ich fände es schäbig diee Gdanken über Sie nur irgendwo anders zu äußern. Daher poste ich sie auch hier bei Ihnen in ihrem Blog:

"Im Gegensatz zu Nobel lebt der Preisverleiher noch. Der hatte und hätte also sehr wohl die Möglichkeit gehabt seinen Robusta-Preis zu verweigern.

Ich weiß nicht mehr über welchen Suchbegriff ich damals auf dem Blog von Alipius gelandet bin. Aber ich hab weniger seine Blogeinträge, sondern die Robusta-Preise wahrgenommen. Und wie auch immer - ich hab den Robusta-Preis für "Papsttreue" wahrgenommen und bin dann natürlich beim Beiboot Petri (Paddeleusen) gelandet. Danach war ich mir sicher, dass die Seite und der Robusta-Preis von dem Alipius ne geniale Satire bzw Vollverarschung sogenannter "Wahrheits-Katholiken" ist.

Hängt vielleicht damit zusammen, dass selbst mir als Kirchenferne die Halbwahrheiten- und Gerüchteverbreitende Berichterstattungen der Paddeldamen und -herren vom Beiboot sauer aufgestoßen ist. Die haben dermaßen verfälscht und einseitig gehetzt, dass sich selbst mir als kirchenkritischem Mensch die Zehennägel ob der Papsthetze aufgebogen haben.

Irgendwann habe ich gemerkt, dass dieser Alipius samt seinen Robusta-Preisen nicht ein zynischer Atheist ist, der mittels seiner Preise sozusagen die Blögozese verarscht - nein, das schien ernst gemeint zu sein.

Ich glaub das war auch der Moment, an dem ich begriffen habe, dass es keinerlei atheistischer Bemühungen bedarf. Die Katholiken machen sich selbst nieder - besser als jeder Atheist es je könnte. "

Mag sein, dass ihr Robusta-Preis nett gemeint war. Aber wenn Sie sich mal ernsthaft anschauen, wer so alles jenen Preis gekriegt hat, frage ich mich einfach ob sie wirklich so unbedarft-naiv drauf waren, dass sie nichtmal mitgekriegt haben, wer da teilweise diese Preise "gekriegt" hat

Der Herr Alipius hat gesagt…

Nachdem ja jetzt seit Hochkochen des Themas beim Kreuzknappen doch schon einiges Wasser die Donau runter ist und ich sicherlich nicht gewillt bin, den Skandaltouristen noch mehr zum Gaffen anzubieten, dieser Vorschlag: Wenn Sie daran interessiert sind, daß all die offenen Fragen, die sie bzgl. des Themas anscheinend noch haben, beantwortet werden, dann lade ich Sie ein, mir eine private Email zu senden (über mein Profil). Sie können dann all Ihre Unklarheiten äußern, idealerweise ehrlich, hyperventilationsfrei und satirefern.