Auf der Seite
Humanistischer Pressedient geht zwei Psychologinnen
der Hut hoch, weil in einem katholischen Kindergarten die Kreuzigung Christi thematisiert wird.
Unter dem Titel
"Katholische Indoktrination der Kleinsten – vom Feinsten" wird der ganze große Frust herausposaunt, der sich naturgemäß aufstaut, wenn Menschen in einer total legitimen Erwartung (
"Ein katholischer Kindergarten beschäftigt sich doch schon per definitionem nicht mit der Kreuzigung Christi, oder habe ich da etwas mißverstanden?") brutalstmöglich enttäuscht werden.
Vollkommen den Anforderungen der Logik entsprechend wird aus dem Horrorszenario (
"Es sind schlimme Vorstellungen, heftige Bilder, die damit in die Köpfe von Kindern gepflanzt werden.") der Schluß abgeleitet,
"dass im Kindergarten Werte wie Nächstenliebe, Respekt und Menschlichkeit" leider nicht vorgelebt werden.
Man muß eben auch ein wenig dicker auftragen und das Panik-Beet anständig wässern, damit im Kommentarbereich dann auch genug
"Hirnwäsche",
"religiöse Wahnvorstellungen",
"Menschenschlächter" und
"Angst- und Schuldgefühle" nachwachsen.
Grundsätzlich stimmt in dem Artikel von vorne bis hinten nur wenig. Da wird behauptet, es werde der Eindruck vermittelt, Folter und Hinrichtungen seien in Ordnung. Der Hinweis einer Kindergärtnerin, daß der Sohn die Frohe Botschaft von der Auferstehung im Kindergarten verpaßt hat, weil er nicht jeden Tag ganztägig mit dabei ist, wird dankend aufgegriffen, um es sich in der Opferrolle bequem zu machen:
"Somit wird uns die Verantwortung in die Schuhe geschoben, dass der Kindergarten Folter und Tötung zum Thema macht."
Ehre, wem Ehre gebührt, aber das ist dann vielleicht doch ein wenig viel der Selbstüberschätzung. Der Kindergarten hätte
"Folter und Tötung" in jedem Falle zum Thema gemacht ohne irgendwem dafür die Verantwortung in die Schuhe zu schieben. Die Eltern sind lediglich dafür verantwortlich, welche Inhalte ihr Kind im Kindergarten mitbekommt und welche nicht.
In diesem Zusammenhang dann auch gleich ein kleiner Lebenshilfe-Bissen: Es soll ganz gewiefte Füchse geben, die bei den Worten
"katholischer Kindergarten" schon vor der Anmeldung ihres Kindes wittern, welche Inhalte in dieser Einrichtung vermittelt werden könnten.
Und da kann dann auch gerne die religiöse Erziehung der Punkt sein, der laut einer Umfrage am Kindergarten den Eltern am wenigsten wichtig ist. Es wird im Fußballverein nun mal Fußball gespielt und nicht Unterwasserkorbflechten, egal, wie viele Eltern sich das wünschen mögen.
Die Autorinnen bezeichnen es selbst als Kompromiß, daß ihre Kinder in den katholischen Kindergarten gehen. Ein Kompromiß ist eine Übereinkunft durch gegenseitige Zugeständnisse, sprich, durch Verzicht auf einen Teil der eigenen Forderungen oder Interessen. Der Nutzen der Mütter: Die Kinder besuchen einen nahe gelegenen Kindergarten und können so Freunde gewinnen, die ihnen später auch noch örtlich nahe sind. Die Forderung, auf die man verzichtet (oder, in diesem Falle: verzichten sollte): Totale Religions-Abwesenheit in einem katholischen Kindergarten.
Ist man zu dem Verzicht nicht bereit, dann handelt es sich immer noch um einen Kompromiß, aber um einen faulen.
Ich will daraus jetzt nicht sofort ein Urteil ableiten über die Redlichkeit humanistischer Religionsfeinde, aber vielleicht kann man solche Situationen künftig mit etwas mehr Grips und etwas weniger
Helen Lovejoy behandeln. Nicht, daß die Instrumentalisierung von Kindern mir als finsterem Dunkelkatholiken grundsätzlich unsympathisch ist. Aber die religionsfreien Weltverbesserer wollten da doch eigentlich mit besserem Beispiel vorangehen, wenn ich sie richtig verstanden habe.