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Freitag, 22. Dezember 2017

Wenn Alice Weidel die Kirche viel zu nazi findet...

b und zu werde ich dann durch die eine oder andere Nachricht ja doch immer wieder gezwungen, auf meinem Blog auch mal keine Photos oder Musikstücke oder Textminiaturen zu veröffentlichen. Heutiger Anlaß ist ein facebook-Beitrag von Alice Weidel (AfD), in welchem sie sich beklagt, daß die Kirchen heute wieder die Rolle einnehmen, die sie bereits im Dritten Reich hatten, nämlich die der Unterstützer, Kollaborateure und Befürworter der Regierung.

Das lasse ich jetzt einfach mal so zum Auf-der-Zunge-zergehen-Lassen unkommentiert stehen.

Weidel ist zum Beispiel der Meinung, es sei die Aufgabe eines christlichen Kirchenmannes,
    "sich seiner Verantwortung gegenüber unserer christlich-abendländischen Kultur bewusst zu werden".

Als Vorbild dienen soll hier Clemens August Kardinal von Galen,
    "der seine Grundsätze über jegliche politische Ambitionen stellte - und heutigen Kirchenführern damit als Vorbild dienen sollte".

Ich kann Christus im Nacken förmlich spüren, wie er heftig und zustimmend nickt:
    "Exakt, liebe Frau Weidel! Es ging im Kern meiner Botschaft nie um etwas anderes als die christlich-abendländische Kultur. Und wenn ich mir von meinem Bodenpersonal überhaupt je etwas gewünscht habe, dann, daß es seine (und nicht etwa meine) Grundsätze über jegliche politische Ambitionen stellt".

Die Kommentare unter diesem Beitrag sind übrigens auch nicht von schlechten Eltern und haben folgenden, gar nicht widersprüchlichen Tenor:
    "Kirche scheiße, weil sie sich nicht um ihre Kernaufgaben schert, sondern sich in die Politik einmischt. Kirche auch scheiße, weil sie Flüchtlingen gegenüber barmherzig ist, anstatt sich in puncto Islamisierung in die Politik einzumischen".

Ein Bekannter kommentiert auf facebook:
    "Immer wenn man gerade denkt, die AfD könnte tatsächlich eine "Alternative" sein, kommen solche Aussagen, die einem vor der Bildung des Spitzenpersonals Angst und Bange werden lassen".

Bei mir war und ist es andersherum: Ich konnte an die AfD bisher nie als ernstzunehmende "Alternative" denken, weil Personal und Anhänger mir immer und immer wieder mit irgendwelchem "Bitte wähle nicht die AfD"-Slapstick kamen.

Samstag, 19. August 2017

Besser sein

ie Veröffentlichung des Untersuchungsberichtes über "Vorfälle von Gewaltausübung an Schutzbefohlenen bei den Regensburger Domspatzen" liegt nun bereits einen Monat zurück. Zu diesem Bericht sage ich nur soviel: Mir wurde, als ich ihn las, übel. Und ich hatte mehr als einmal mit den Tränen zu kämpfen. Als die erste Schockwelle sich gelegt hatte, folgte umgehend die zweite: Mir wurde klar, daß all diese fürchterlichen Dinge in meiner Kirche stattgefunden hatten. Die Reaktion war - wie schon beim Bekanntwerden der Mißbrauchskandale in diversen Ländern: 'Kann doch nicht sein'. Aber es konnte sein und es war tatsächlich so. Dies wiederum ließ in mir den Wunsch entstehen, es ließe sich irgendwie ungeschehen machen. Jedoch war ich mir bewußt, daß ich es nur für mich selbst und durch große Blindheit und große Lügenkonstrukte ungeschehen machen könnte. Und so lernte ich mit dem Wissen zu leben, daß diese unerhörten Dinge in meiner Kirche passiert sind, stets inständig hoffend und betend, daß die Opfer eines Tages Frieden und die Täter Vergebung finden werden.

Nicht schlecht gestaunt habe ich, als die Vorfälle bei den Regensburger Domspatzen im Internet von einigen Leuten relativiert wurden mit dem Hinweis darauf, daß eine etwas härtere Gangart an Schulen in der damaligen Zeit eben üblich war. Dazu zwei Anmerkungen: Erstens war die Gangart bei den Regensburger Domspatzen in vielen Fällen nicht nur "härter" sondern schlicht und einfach unmenschlich. Zweitens sind wir als Christen in dieser Welt immer aufgefordert, die Spielchen eben dieser Welt nicht einfach heiter zu übernehmen und mitzumachen, sondern - wenn diese Spielchen offensichtlich Leib, Seele und Würde von Menschen verletzen - einen anderen Weg einzuschlagen. Wie kann ein Priester, der zur Hochzeit der Regensburger Prügel- und Quäl-Orgien bei den Domspatzen in erziehender und/oder leitender Stellung tätig war, auch nur ansatzweise angenommen haben, unser Herr und Gott hielte eine solche Behandlung von Schutzbefohlenen für eine gute Idee? Und wie können manche Katholiken dieser Tage versuchen, mit dem flapsigen Verweis auf damalige Sitten die ganze Geschichte glatter zu bügeln?

Um einer anderen Diskussion, die sich neulich auf facebook entfaltete, einen kleinen Dreher zu geben: Wir sind als Katholiken nicht besser. Aber wir sind immer dazu aufgerufen, besser zu sein.

Samstag, 27. Mai 2017

Alle auf die Margot!

ch habe sowohl zu Margot Käßmann als auch zur AfD - gemäßigt ausgedrückt - ein eher gespaltenes Verhältnis.

[Kurze Pause für die pawlowschen Schnappatmer, damit sie ihr "Skandal! Der Herr Alipius hat Margot Käßmann mit der AfD verglichen!" loswerden können...]

Reformationsbotschafterin (jawoll... so etwas existiert dieser Tage offensichtlich...) Käßmann ist im Moment Vorzeige-Buhfrau bei all denen, die sich in ihrem Deutsch-Sein ständig beobachtet bis angemacht fühlen. Denn sie sagte, wie die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers berichtet, während ihrer Bibelarbeit auf dem Kirchentag in Berlin dies:
    Die Reformationsbotschafterin Margot Käßmann hat in einer Bibelarbeit auf dem Kirchentag in Berlin die AfD angegriffen. Die Forderung der rechtspopulistischen Partei nach einer höheren Geburtenrate der "einheimischen" Bevölkerung entspreche dem "kleinen Arierparagrafen der Nationalsozialisten", sagte die ehemalige hannoversche Landesbischöfin am Donnerstagmorgen. "Zwei deutsche Eltern, vier deutsche Großeltern: 'Da weiß man, woher der braune Wind wirklich weht'", kritisierte die ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) unter tosendem Beifall.
Der Takeaway bei den Erzürnten ist: Käßmann haßt Deutschland und die Deutschen, weil sie findet, daß jeder braun ist, der unter seinen Eltern bzw Großeltern nicht wenigstens einen Nicht-Deutschen nachweisen kann.

Man kann nun geteilter Meinung sein, was Käßmanns Bewertung der AfD-Forderung nach einer höheren Geburtenrate bei der einheimischen Bevölkerung betrifft. Ich finde sie bescheuert (die Bewertung), kann aber natürlich verstehen, wie ein entsprechend konditionierter Verstand sofort den Sprung zu den Nazis findet und auch macht.

Jedoch: Selbst wenn die Geschichte zeigen sollte, daß der käßmannschen Bewertung allgemeine Ablehnung zuteil wird, haben wir es immer noch mit einer Aussage zu tun, die einerseits verstanden werden will und andererseits ein paar Gräben weiter tatsächlich auch verstanden wird.

Margot Käßmann vergleicht die AfD-Forderung mit dem "Kleinen Ariernachweis". Dieser galt als erbracht, wenn der Proband offiziell beglaubigte Taufurkunden seiner Eltern und Großeltern vorlegen konnte (von seiner eigenen Taufurkunde und den entsprechenden Heiratsurkunden einmal abgesehen). Wenn Käßmann also sagt "Zwei deutsche Eltern, vier deutsche Großeltern", dann bezieht sie sich damit auf die Bedingungen für den Arier-Nachweis*. Der Reformationsbotschafterin darf unterstellt werden, daß sie sowohl besagten Nachweis als auch alle damit zusammenhängenden Ungerechtigkeiten und Unmenschlichkeiten verständlicherweise rigoros ablehnt. Mehr noch: Sie findet, daß aus der Richtung, aus welcher auch heute noch Rufe nach einem solchen Nachweis kommen, ein eindeutig braun eingefärbter Wind weht.

Nicht mehr, nicht weniger. Käßmann will keineswegs sagen, daß all jene Nazis sind, die zwei deutsche Eltern und vier deutsche Großeltern haben, sondern daß jene in der braunen Ecke stehen, welche bei jeder in Deutschland lebenden Person am liebsten zwei deutsche Eltern und vier deutsche Großeltern im Stammbaum sähen**.
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* Sie liegt damit nicht zu 100% richtig, da besagter Nachweis eine Abstammung aus der sogenannten "arischen Volksgemeinschaft" belegen sollte. Zu dieser zählten die Nürnberger Gesetze "Personen deutschen oder artverwandten Blutes", also nach damaliger Auffassung z.B. auch Angehörige "nordischer" Völker. Im Sinne der damaligen Machthaber war der Arier-Nachweise also kein strenger Deutschen-Nachweis sondern eher ein Nicht-Juden-Nachweis.

** Ob die Forderung der AfD nach einer höheren Geburtenrate der einheimischen Bevölkerung nun tatsächlich ein Ruf nach dem "Ariernachweis 2.0" ist und ob Käßmann ihre Kritik vielleicht auch geschickter, origineller und dialogoffener an den Kirchentagsbesucher hätte bringen können: Das ist wieder eine ganz andere Diskussion.

Mittwoch, 10. Mai 2017

Passt!

eine Ahnung, welcher wohlmeinende Internet-Geist heute für die Anordnung der Beiträge auf meiner facebook-Timeline verantwortlich ist. Aber das zweifelhafte Vergnügen, nacheinander diese beiden Artikel lesen zu dürfen, hat mir den Tagesbeginn gleichermaßen versüßt wie vermasselt.

Aus der ZEIT vom 26. Juli 2012:
    Beide von Deutschland geförderten Aktivitäten, die klandestinen und die öffentlichen, passen zusammen: Ob die Pläne der Oppositionellen für ein demokratisches Syrien umgesetzt werden können, hängt wesentlich davon ab, ob der wirtschaftliche Wiederaufbau allen Syrern Chancen bietet.

    Ob die Berliner Transformationskonzepte aber am Ende überhaupt zum Zuge kommen, hängt nicht zuletzt davon ab, wie viel Hass bis zu Assads erwartbarem Abgang zwischen den syrischen Oppositionsgruppen noch freigesetzt wird. Alle Beteiligten, heißt es, sind sich dessen bewusst.
Von katholisch.de vom 10. Mai 2017:
    Nicht wir Syrer haben diesen Krieg verursacht. Es sind Kräfte von außen, die dafür zahlen, dass Syrien zerstört und seine Menschen getötet werden. Vor dem Krieg haben Christen und Muslime in Syrien eng zusammengelebt, in gegenseitigem Respekt. Dann kamen Prediger aus Saudi-Arabien, Katar und der Türkei und haben gegen die Christen aufgewiegelt. Statt von Liebe und Frieden predigten sie Hass, entgegen dem Koran. Leider haben die Leute auf sie gehört. So waren wir nicht in Syrien vor dem Krieg. Mit dem wahren Islam lässt es sich gut zusammenleben, nicht aber mit dem neuen, falschen Islam Saudi-Arabiens, der alles tötet. Viele Muslime sind gegen diesen neuen Islam. Sie leiden mehr als wir, weil sie alles verloren haben. Und Europa wird seinen Preis zahlen.
Gespenstisch...

Mittwoch, 25. Mai 2016

Sehr entlarvend...

or einer Woche erklärte ich in diesem Beitrag, daß eine kritische Einstellung gegenüber dem Islam nicht unbedingt mit Rassismus oder Ausländerfeindlichkeit gleichzusetzen ist. Als Beispiel verwies ich auf mich selbst, denn ich arbeitete und arbeite, wohnte und wohne seit über zehn Jahren mit Herren zusammen, die nicht nur aus allen Ländern sondern sogar von allen Erdteilen stammen. Ich kam und komme mit all diesen Herren bestens aus, und sie sind mir alle sehr viel lieber als irgendwelche blonden, blauäugigen, reinrassigen, arischen Salafisten.

Nun geht die PEGIDA hin und demonstriert, daß es auch genau anders herum funktioniert: Sie sehen einen arabisch bzw afrikanisch ausschauenden Bub auf einer Packung Kinder-Schokolade und hallo Schnappatmung und Stirnschweiß! Weil - so die PEGIDA BW - Bodensee auf ihrer facebook-Seite:


Die Reaktionen reichten dann von "Ich kotze gleich" über "Kauf ich nicht mehr" bis zu "Armes Deutschland"...

Wo bei mir (und so gut wie allen anderen christlichen Islamkritikern, die mir persönlich bekannt sind) gilt, daß unabhängig von Rasse, Herkunft oder Hautfarbe seiner Anhänger der Islam durchaus kritisch hinterfragt werden und der gewaltbereite Islamismus abgelehnt werden darf, gilt bei jenen, die sich schon im Namen gegen eine Islamisierung (und - wohlgemerkt - nicht gegen Ausländer oder Menschen anderer Rasse) aussprechen, offenbar, daß die Hautfarbe nicht nur die Religionszugehörigkeit sondern gleich den bombenwerfenden Islamisten macht. Peinlich. Vielleicht kommt ja dann jetzt doch bald die Umbenennung in PEGA (Patriotische Europäer gegen Ausländer) oder in PEGADNSSWW (Patriotische Europäer gegen alle, die nicht so sind wie wir).

P.S.: Bei den so bedrohlich ausschauenden Buben handelt es sich übrigens um deutsche Fußball-Nationalspieler im Kindesalter.

Donnerstag, 19. Mai 2016

Gleich und gleich...

ch habe in Rom während des Studiums zuerst im schottischen Kolleg mit - unter anderem - sechs Afrikanern zusammengewohnt und später dann an der Piazza San Salvatore in Campo mit einem ganzen Haus voller Mexikaner. Ich arbeitete in meiner Pfarre über anderthalb Jahre mit einem Aushilfskaplan aus Ghana zusammen. Der ist nun wieder in seiner Heimat. Aber seit meiner kleinen Herz-Episode habe ich dafür jetzt einen Aushilfskaplan aus Indien. Mit all diesen Männern bin ich über all die Jahre hinweg bestens ausgekommen, und sie sind mir alle fuffzichtausend Mal lieber als irgendein super-arisch aussehender Pierre Vogel oder Sven Lau oder wie die Euro-Salafisten alle heißen mögen. Ich bitte daher um dies: Auch wenn es offensichtlich ist, daß es Menschen gibt, die Kritik am Islam als Tarnkappe für ihre Ausländerfeindlichkeit oder meinetwegen ihren Rassismus verwenden, hat Islamkritik (nein, nicht "Islamophobie" und auch nicht "Islamhaß") streng genommen mit Rassismus nichts zu tun sondern eher mit dem Wunsch, bestimmte Freiheiten, die wir uns hart erkämpft haben, nicht aus den falschen Gründen aufzugeben. Ich weiß, daß der Ruf nach einer breiten Front gegen Intoleranz, gegen Ausländerfeindlichkeit, gegen Rassismus, gegen Haß, gegen Gewalt etc schon seit - wie es mir vorkommt - Menschengedenken die "Anständigen", die "Mutigen", die "Hellen" und die Richtigen" ums Lagerfeuer bzw immer häufiger auch um die verächtlich zu machenden "Feinde", die einzuschlagenden Fensterscheiben und die abzubrennenden Polizeiwagen eint. Aber wenn beim Kumbaja und Marshmallow-Rösten auch irgendwann einmal der Groschen fallen sollte, daß jene Phänomene, die den Islam in vielen Regionen der Welt (aktuell z.B. auch in deutschen Flüchtlingsunterkünften) zu einer Gefahr für Andersgläubige und Abweichler machen, sich aus exakt den Quellen der Ausgrenzung nähren wie der zurecht angeprangerte Rassismus und die zurecht verurteilte Ausländerfeindlichkeit, dann näherten wir uns insgesamt einer Situation, in der Gleiches auch gleich betrachtet wird. Und das fände ich irgendwie begrüßenswert.

Samstag, 9. April 2016

Merke: Bibelverse immer bis zum Ende lesen!

eil es regnet und ich heute Nachmittag keine Wander- oder Fahrrad- oder Rumturn-Therapie habe, möchte ich einmal beispielhaft einen Zeitungsartikel herauspicken, um zu demonstrieren, wie in diesen Tagen das nachsynodale Schreiben des Papstes, Amoris Laetitia, aufgenommen und kommentiert wird.

In der WELT schreibt Lucas Wiegelmann:
    Als Papst Franziskus an seinem neuesten Text arbeitete, scheint er über einer Bibelstelle besonders gegrübelt zu haben, jedenfalls kommt er insgesamt drei Mal auf sie zu sprechen. Es ist die Erzählung von Jesus und der Ehebrecherin. "Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als Erster einen Stein auf sie", wird Jesus an der entsprechenden Stelle des Johannesevangeliums zitiert. Darauf gehen alle, die sich über die Ehebrecherin empört hatten, nach Hause, und Jesus fährt fort: "Auch ich verurteile dich nicht."
Okay. Das gute, alte Johannesevangelium. Bibelkenntnis zieht immer. Der Autor fährt fort:
    Es ist eine populäre Geschichte. Vor allem liberale Katholiken erwähnen sie gerne, weil sie Nachsicht predigt statt Prinzipienreiterei. Doch die Erzählung hat einen Haken: Dass Jesus damals im Jerusalemer Tempel, wo die Geschichte spielt, auf ein Urteil verzichtet hat, mag für die Ehebrecherin eine gute Lösung gewesen sein. Aber wenn sich heute ein Papst über die Stelle beugt und daraus klare Verhaltensregeln ableiten will, hat er es ziemlich schwer.

    Ist es egal, dass die Frau die Ehe gebrochen hat? Oder befürwortet Jesus zwar keine Steinigung, aber zum Beispiel den zeitweisen Ausstoß der Ehebrecherin aus der Gottesdienstgemeinschaft? Was würde er sagen, wenn die Frau erneut die Ehe bricht? Jesus hat leider davon abgesehen, seine Vorstellung von Ehe, Familie und Sexualität näher zu erläutern.
"Was würde er sagen, wenn die Frau erneut die Ehe bricht?"

Echt blöd, daß die Evangelien immer so ultra-kryptisch sind und dazu den Berichten nie ein befriedigendes Ende geben.

Oh! Momentchen!

Geht es nach dem "Auch ich verurteile dich nicht" dort etwa weiter? Schaut so aus. Was steht denn da?
    Er richtete sich auf und sagte zu ihr: Frau, wo sind sie geblieben? Hat dich keiner verurteilt? Sie antwortete: Keiner, Herr. Da sagte Jesus zu ihr: Auch ich verurteile dich nicht. Geh und sündige von jetzt an nicht mehr!
Und schon haben wir mindestens drei Antworten: Es war nicht egal, daß die Frau die Ehe gebrochen hat. Jesus wäre wenig begeistert, wenn die Frau erneut die Ehe bricht. Und er brauchte seine Vorstellung von Ehe, Familie und Sexualität nicht näher zu erläutern, da er offenbar eine ziemlich genaue Vorstellung von der Sünde hat. Daß aber der Ehebruch zu den Sünden zählt, das wird aus dem zitierten Kapitel recht deutlich.

Es könnte so einfach sein...

Donnerstag, 7. April 2016

Wenn Worte ihre Bedeutung verlieren...

er Präsident des Humanistischen Verbands Deutschlands, Frieder Otto Wolf, hat jetzt Bischof Algermissen vorgeworfen, am Ostertag eine "katholische Haßpredigt" gehalten und die Teile der Bevölkerung ohne christliches Bekenntnis diffamiert zu haben.

Somit ist nun leider auch der Begriff "Haßpredigt", ebenso wie vorher schon "rechts", "menschenverachtend", "diskriminierend" oder auch "undemokratisch" durch endlose Überbeanspruchung endgültig seiner Bedeutung beraubt worden (dies ungeachtet der Tatsache, daß es Phänomene gibt, auf welche all diese Begriffe tatsächlich anwendbar sind) und darf aufgenommen werden in das Lexikon des Bestätigungsquakens, in dem all jene Begriffe gesammelt werden, mit denen man sich im Tümpel der sprunghaft feindseligen Toleranz (ergo der politischen Korrektheit) stets versichert, noch zur richtigen/guten Seite zu gehören, indem man sie auf Andere anwendet.

Mittwoch, 9. März 2016

Das Kreuz mit dem Kreuzchen...

lücklich das Volk, dem es so einfach gemacht wird: Alle Wahlberechtigten, die auch den Weg zu den Urnen finden, können Ihr Kreuzchen auf der Basis von lediglich zwei Aussagen, Wahlversprechen oder Ködersprüchen machen: "Wir sind nicht die AfD!" bzw "Wir sind nicht die etablierten Parteien!"

Dienstag, 8. März 2016

Einsatz/Gewinn

ach den gestrigen Bildern des Polizei-Einsatzes anläßlich des Weltfrauentages in Ankara und Istanbul fand ich es für einen Augenblick ausgesprochen kühn, daß ein türkischer Regierungschef das Wort "Beitrittsverhandlungen" überhaupt in den Mund nimmt. Doch dann wurde ich das Gefühl nicht los, daß in der heutigen Zeit wohl schlicht und einfach zumindest der Eindruck aufrecht erhalten werden muß, bestimmte Praktiken umwehte ein Hauch von Salonfähigkeit. Schließlich wollen ja alle, die am Zockertisch sitzen, am Ende auch einen Anteil aus dem Pott mit den vermeintlichen Gewinnen in den Händen halten. Offensichtlich kommt allen Beteiligten dabei die eigene Bevölkerung als Spielchip ebenso gelegen, wie die Flüchtlinge an den Grenzen.

Sonntag, 28. Februar 2016

Legitim...?

anchmal genügt ein Satz, um die Ganze Verwirrung, Dramatik und Ausweglosigkeit einer Situation aufzuzeigen, in die man sich freiwillig hineinbegeben hat. Einen solchen Satz las ich soeben im Tagesspiegel. Es war eine Frage, um genau zu sein. Und sie lautet:
    "Ist es nach Clausnitz, nach unzähligen Brandanschlägen legitim, über Hass und Vorurteile von Flüchtlingen zu sprechen?"
Erst einmal sollte man über Haß und Vorteile nicht nur sprechen, sondern auch Mittel und Wege finden, sie abzustellen. Wenn man aber nur über Haß und Vorurteile sprechen möchte, so tut man gut daran, dieses Darüber-Sprechen nicht irgendwelchen Bedingungen zu unterwerfen. Wie leicht gehen uns die Anklagen und die Urteile doch sonst von den Lippen. Niemand käme z.B. auf die Idee, zu fragen, ob man über den Haß oder die Menschenverachtung oder die Ausländerfeindlichkeit oder wasweißich welchen Anklagepunkt du jour der AfD sprechen darf, obwohl in den vergangenen Wochen auf ein Parteibüro geschossen, ein Infostand angegriffen und das Auto eines Funktionärs abgefackelt wurde. Niemand käme auf die Idee, zu fragen, ob man den Christen immer noch die Kreuzzüge und die Hexenverfolgung vorhalten darf, obwohl doch die Christen Anhänger der weltweit am häufigsten und am heftigsten verfolgte Religion sind. Niemand käme auf die Idee, zu fragen, ob man die Organisatoren und Sympathisanten der Demo für alle mit jeder im linksradikalen Phrasenbuch auffindbaren Beleidigung verletzen und lächerlich machen darf (während man - wohlgemerkt - über den "Haß™" dieser Organisatoren und Sympathisanten spricht), obwohl es doch einen Anschlag auf ein Beverfoerde-Firmengebäude gab.

Es gibt keinen Haß, der edler ist, nur weil die Hassenden einer Gruppe angehören, die ihrerseits Empfänger unschöner Gefühle und Äußerungen ist. Es gibt keine Vorurteile, die plausibler sind, nur weil die Urteilenden sich darauf berufen können, daß sie zu einer Gruppe gehören, die ebenfalls nicht immer korrekt bewertet wird.

Es gibt keinen legitimen Haß, und es gibt kein legitimes Schweigen über Haß.

Freitag, 26. Februar 2016

Gotteslästerung...

ie Aufregung ist groß, nicht nur im katholischen Münsterland. Denn dort - genauer: in Lüdinghausen - stand nun der Ex-Physiklehrer und bekennende Atheist Herbert Voß wegen Gotteslästerung vor Gericht. Was hat er angestellt? Er ist Erfinder und Fahrer des Spruch-Taxis, eines ansonsten eher unauffälligen Kleinwagens, in dessen Heckscheibe er glaubens-, bibel- und kirchenkritische Sprüche durch die Gegend kutschiert. Beispiele:
  • Wir pilgern mit Martin Luther: Auf nach Rom! Die Papstsau Franz umbringen. Reformation ist geil! *
  • Christl. Eltern! Wenn dieser schreiende Bettnässer euch auch noch verflucht, sollt ihr ihn lynchen! Jesus will es! (nach Mt 15,4) Macht ein neues Kind!
  • Kirche sucht moderne Werbeideen. Ich helfe. Unser Lieblingskünstler: Jesus - 2000 Jahre rumhängen. Und immer noch kein Krampf!
Das Gericht hat jetzt drohend "Du, du!" gerufen, einen Verwarnung wegen Gotteslästerung ausgesprochen und dem Vielfahrer 500 Euro Tankgeld abgezogen. Voß sieht natürlich kein Problem, will er doch, wie er im Video angibt, "die Leute mal aufmerksam machen auf Dinge, die man in der Bibel findet". Nun ja...

Der Spaß sei ihm gegönnt. Ich persönlich sehe das mit der Gotteslästerung ja eher locker: Vorausgesetzt, es gibt einen Gott (wir sind ja nicht alle bekennende Atheisten...), so wird es auch dieser Gott sein, der entscheidet, ob über ihn gelästert wurde. Er wird es schwerlich seinen wankelmütigen, gewaltbereiten und grundsätzlich oft total bescheuerten Geschöpfen überlassen, für ihn diese Entscheidung zu treffen. Daß dies in der Vergangenheit dennoch häufig geschah und in der heutigen Zeit in bestimmten Kulturkreisen immer noch geschieht, ändert ja nichts an der Tatsache, daß ein allmächtiges Wesen sicherlich keine Geschöpfkrümel braucht, die ihm sagen, wann gefälligst es sich eingeschnappt, angepißt oder beleidigt zu fühlen hat. Natürlich besteht unter gläubigen Menschen das Einverständnis, daß man Gott ehren und sich nicht über ihn lustig machen soll. Und natürlich dürfen gläubige Menschen sich schräg angemacht fühlen, wenn dahergelaufene (oder in diesem Fall dahergefahrene) Aufmerksam-Macher mal wieder der Hafer sticht, sie morgens aufwachen und sich sagen "Hach... Ich müßte eigentlich mal etwas machen, was vorher noch nieeeeeeeee jemand gemacht hat. Wie wäre es mit ein wenig Aufklärungsarbeit in puncto Bibel und Kirche...?". Aber gläubige Menschen sollten deswegen nicht automatisch annehmen, daß irgendwo da oben im Himmel nun ein Gott sitzt, der sich irgendwie so marginalisiert und bloßgestellt vorkommt, daß er dringend den Einsatz irgendwelcher Bodentruppen braucht, die seinen schlaflosen Nächten ein Ende bereiten.

Gotteslästerung ist also eigentlich weniger Gotteslästerung als Beschimpfung von Bekenntnissen, Religionsgesellschaften und Weltanschauungsvereinigungen. Und so heißt es ja auch im Paragraphen 166 des Strafgesetzbuches, aus dem das Urteil abgeleitet wurde. Und da treffen wir den Kern der Sache schon eher. Denn es geht auch und besonders - wie man ebenfalls im Strafgesetzbuch lesen kann - um den öffentlichen Frieden. Was heißt das konkret? Egal, wie cool Gott ist, wie dick seine Haut und wie groß seine Bereitschaft zu verzeihen: Man muß leider davon ausgehen, daß er erstens auf Erden nicht immer so portraitiert wird, wie er eigentlich ist und daß er zweitens Anhänger hat, die nicht nur in seinem Namen reden, sondern notfalls auch in seinem Namen töten wollen. Und dieses Kontingent potentiell explosiver Anhänger ist immer eine Gefahr für den öffentlichen Frieden, weswegen man eben mit Reden und Schreiben über Gott ein wenig vorsichtig sein sollte.

Natürlich ist eine solche Geiselhaft unfair. Natürlich möchte man sich in puncto Religions- oder Kirchenkritik keinen Maulkorb anziehen, nur weil man Angst haben muß, daß man sonst verprügelt, erschossen oder in die Luft gesprengt wird. Aber wir leben nun mal in einer unvollkommenen Welt und wir müssen immer damit rechnen, daß Gott von seinen Geschöpfen mißverstanden wird und ein Glaube an ihn sich daher nicht immer heilsam, rational und zivilisationsunterstützend manifestiert.

Wir sind aber auch als Menschen frei geschaffen und wir haben es nicht nur in der Hand sondern vor allem auch im Hirn und im Herzen, zur richtigen Zeit die richtige Entscheidung zu treffen. Das heiß z.B. für mich als Christ konkret, daß ich eben nicht den Skalp fordere bzw den öffentlichen Frieden störe, wenn irgendwo irgendwer irgendwas von sich gibt, was man als Gotteslästerung auslegen könnte. Umgekehrt könnte dies bedeuten, daß irgendwelche Schreiber oder Karikaturisten oder Kabarettisten oder Ex-Lehrer mit Kleinwagen nicht zwangsläufig die Religions- oder Christentums- oder Katholizismus-Karte spielen müssen, nur um sich relevant zu fühlen oder Öffentlichkeit zu erzwingen. Aber wir leben, wie gesagt, in einer unvollkommenen Welt...

Wenn ich Leute wie Voß überhaupt anklagte, dann nur deswegen, weil sie so fürchterlich unoriginell, monoton und farblos und dennoch gleichzeitig so pfauenhaft sind.
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* Vom Luther-Spruch glaube ich übrigens, daß er kein Aufruf zum Papst-Mord sein soll, sondern eher Beweis dafür, daß Luther eben auch nicht besser war, als der Papst, wird dem Reformator doch die Frage zugeschrieben: „Wenn wir die Diebe mit dem Galgen, die Räuber mit dem Schwert, die Häretiker mit dem Feuer strafen, warum greifen wir nicht viel mehr diese Magister des Verderbens, diese Kardinäle, diese Päpste und diese ganze Dreckansammlung des römischen Sodom, die die Kirche Gottes ohne Ende zerstört, mit allen Waffen an und waschen unsere Hände in ihrem Blut, so wie wir uns und die unsern von einem allgemeinen und für alle höchst gefährlichen Brand befreien?".

Mittwoch, 24. Februar 2016

Ouroboros

enn man nur von sich gibt, was man zu sich genommen hat und nur zu sich nimmt, was man von sich gegeben hat, dann bedeutet jeder Satz soviel wie "Sollte da draußen eine andere Sicht der Dinge existieren, habe ich es nicht nötig, mich mit ihr zu beschäftigen".

Montag, 22. Februar 2016

Das Volk...

enn in diesen Tagen der Ruf "Wir sind das Volk!" ertönt, dann frage ich mich immer, von welchem "Volk" denn da eigentlich die Rede ist. Was macht denn "das Volk" aus? Welche Kriterien muß man denn erfüllen, um zum "Volk" dazuzugehören oder gar sich die Kühnheit herausnehmen zu dürfen, sich nicht als Teil des Volkes, sondern gleich als "das Volk" bezeichnen zu dürfen? Ist es das gemeinsame Kreuz in der Wahlkabine? Dann ist "das Volk" eher klein, wenn man sich die Beteiligungen bei den letzten Wahlen anguckt. Ist es der verbindende Jubel über den Erfolg einer Nationalmannschaft in einer Ballsportart? Auch dann fehlen dem Volk mindestens jene hyperskeptischen und megahysterischen Kontingente, die in der Freude über einen Sieg auf dem Rasen bereits die Finsternis des Vierten Reiches erblicken oder eine Nationalmannschaft im Herrenhandball für dermaßen Autobahn halten, daß ich künftig gar nicht mehr "Autobahn" sondern lieber "Herrenhandball" sagen werde. Ist es die Mittäterschaft bei all diesen kleinen und großen Operetten der nörgeligen Ausgrenzungssucht und unbeholfenen Selbsterhöhung? Dann wird es niemals "das Volk" geben, denn genügend Menschen kündigen lieber ihre Zugehörigkeit zum Volk, als sich zur Menge der Hetzer und Jammerer zählen zu lassen oder aber zur Menge jener, die angesichts der Hetzer und Jammerer selbst nur hetzen und jammern können.

"Einigkeit und Recht und Freiheit" heißt es in einem klassischen Gassenhauer. Wo aber finden wir denn in der heutigen Zeit die Einigkeit? Unter dem Radar all jener hochaufmerksamen Ankläger, Mahner, Aufklärer, Urteiler, Besserwisser, Verschwörungstheoretiker und Untergangspropheten, deren Dauerbeschallung zuallererst darauf zielt, einer größtmöglichen Menge von Zuhörern zu verdeutlichen, daß sie und nur sie das zur Debatte stehende Thema aus dem richtigen Winkel betrachten, unter diesem Radar fliegen schon längst all jene Beschleuniger der Zersetzung hindurch, die sich getrost darauf verlassen können, daß wir dem, was uns gegenüber steht und uns fremd erscheint, nämlich der anderen Hautfarbe, der anderen Sprache, der anderen Religion, immer mehr Aufmerksamkeit schenken werden - sei es nun willkommen heißend oder ablehnend - als dem, was uns untereinander entfremdet.

Wo finden wir in der heutigen Zeit das Recht? Wenn wir schon soweit sind, daß wir Menschen nicht nur das Menschsein absprechen, sondern sie auch so behandeln, als seien sie keine Menschen sondern bestenfalls Tiere, schlimmstenfalls Krankheitserreger, dann bemühen wir all die geschliffen und kühl formulierten Gesetze, an die sich die jeweils andere Seite bitteschön halten soll, nicht nur kostenfrei, sondern leider auch umsonst.

Und wo ist die Freiheit? Wenn wir bestimmte Dinge weder niederschreiben noch aussprechen dürfen, weil sie nicht zum Kodex der Wagenburg gehören und somit die Reinheit des Groupthink bedrohen, dann hören wir bei jedem Gedankenschritt, der einen Millimeter vom ausgetretenen Pfad abweicht, schon das Rasseln der tonnenschweren Tabuketten, die uns auf Linie halten sollen.

So lange "das Volk" in der Vorstellung einiger immer nur die Teilmenge ist, für die sie grade brüllen, finde ich den Spruch "Wir sind das Volk" ebenso vermessen und unzutreffend wie die Aussage "Ihr gehört nicht zum Volk" oder "Das sind keine Menschen".

Sonntag, 21. Februar 2016

Mensch? Oder nicht? Oder so grade noch?

n Anlehnung an Forrest Gump stelle ich fest, daß die facebook-Timeline wie eine Schachtel Pralinen ist: Man weiß nie, was man kriegt. Als ich eben in gewohnter Weise langsam die Seite herabscrollte, bekam ich zuerst diese Botschaft...


... und direkt danach einen Link zu einem focus-Artikel, der mich darüber informiert, daß Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich über die tobenden Teilchen am Flüchtlingsbus dies zu sagen hatte:
    "Das sind keine Menschen, die sowas tun. Das sind Verbrecher. Widerlich und abscheulich ist das."
Und schon haben wir den Beweis, daß überall dort, wo man es sich zu leicht macht, früher oder später der Widerspruch anklopft und sich diebisch freut.

Denn wenn wir alle Menschen sind, dann sind eben auch rassistische, hetzerische, braune Dummschwätzer Menschen. Wenn es aber gewisse menschliche Qualitäten gibt, deren Nichtvorhandensein in Individuen dafür sorgt, daß wir diese Individuen als Nicht-Menschen klassifizieren dürfen, dann steht die Frage im Raum, warum damit bei rassistischen, hetzerischen, braunen Dummschwätzern, die in Sachsen vor einem Bus herumpöbeln, Schluß sein soll und warum man die Praxis dann nicht ausweiten kann auf alle Dummschwätzer, welche sich offenbar nur aus der Menge heraus stark fühlen, welche sich für besonders, für besser, für von Gott auf besondere Art auserwählt betrachten und welche für all jene, die anders sind als sie, von Ausgrenzung bis Auslöschung alles mögliche planen.

Ich persönlich habe es aufgrund der Schöpfungsgeschichte, aufgrund der menschlichen Natur und aufgrund des christlichen Menschenbildes bis heute nicht fertiggebracht auch nur in Gedanken von irgendeinem IS-Schlächter zu sagen, er sei kein Mensch. Ich werde es auch von den Bus-Pöblern nicht sagen. Im Gegenzug weigere ich mich allerdings auch, die Unterschiede in gewissen Kategorien nur deswegen zu ignorieren oder als belanglos zu betrachten, weil wir alle Menschen sind.

Mittwoch, 3. Februar 2016

Liebe Panik-Liane...

nd hier haben wir in ziemlicher Reinkultur das Problem, wie es sich in vielen, vielen Köpfen heutzutage manifestiert. Tragischerweise dient Beatrix von Storch als Beispiel, was dann möglicherweise mehr Aufmerksamkeit auf den verkappten AfD'ler Alipius und die gefälligst zu habende Anti-Rechts-Panik lenken wird als auf den Sachverhalt, aber probieren kann ich's ja trotzdem mal.

Liane Bednarz hat grade 'nen Lauf. Nach dieser Perle schob sie in einem Interview mit t-online.de nun noch einen nach:
    Die [Beatrix von Storch, Anm.] hat ja gerade dazu aufgerufen, Flüchtlinge mit Waffengewalt aufzuhalten. Wie verträgt sich das eigentlich mit der Vorstellung von christlicher Nächstenliebe?

    Gar nicht. Aber es ist nicht ihre erste Entgleisung. Sie hat vor ein paar Tagen auf Facebook ein Video gepostet, wo sie sagt, Flüchtlinge müssten nicht integriert werden, das sie ja ohnehin irgendwann zurückkehren. Sie müssten sich hier lediglich an die Gesetze halten. Sie sollen also jahrelang herumsitzen. Wie kann man als Christin so etwas sagen? Das ist eiskalt. Ein anderes Beispiel: Sie spricht gern über Christenverfolgungen in den muslimischen Ländern - und macht so Stimmung gegen Muslime. Aber überschreitet ein Mensch auf der Flucht die deutsche Grenze, wird er bei ihr offenbar zum Feindbild.
Erst einmal denke ich, daß die wenigsten Menschen wirklich gerne über Christenverfolgungen in muslimischen Ländern sprechen. Es ist bitter genug, daß es dieses Phänomen überhaupt gibt, und mir ekelt bei der Vorstellung, daß Leute gerne davon berichten, weil sie so einer Agenda dienen. Sollte dies bei Beatrix von Storch der Fall sein (wovon ich nicht ausgehe), dann hat sie mehr als nur ein Problem.

Mein Punkt ist aber ein anderer: Es ist würdig und recht, auf all die Gefahren hinzuweisen, die von rechts drohen. Da gibt es gar nichts zu diskutieren. Niemand will Gewalt. Noch weniger als niemand will Herrschaft der Gewalt, will brutale Diktatur, will Ausgrenzung, will Unterdrückung, will ein Aufteilen in die, die dazugehören und die, die leider draußen bleiben müssen oder von der Bildfläche zu verschwinden haben. Niemand will das.

Warum aber wird dann ein Hinweis auf verfolgte Christen als Stimmungsmache gegen Muslime bewertet? Ist das, was in muslimischen Ländern mit verfolgten Christen passiert (und mittlerweile auch in europäischen Flüchtlingsheimen losbricht) eine neue, verbesserte, erträgliche Form der Gewalt, der Ausgrenzung, der Unterdrückung, der Diktatur? Ist es etwas, worüber man nicht reden geschweige denn sich Gedanken machen muß, weil es wie durch Zauberhand eines Tages gelingen wird, all jene Samen des Bösen, die zu solchen Auswüchsen führen, rückwirkend für entweder einer guten Sache dienend oder für nicht existent zu erklären? Gibt es eine Gewalt die besser oder schlechter ist als eine andere? Gibt es eine Unterdrückung die angenehmer, regenbogiger, wattebauschiger ist, als eine andere?

Zurück zu den vielen Köpfen: Ich befürchte, daß gewisse Denk- und Schlüssezieh-Verbote immer noch einen nüchternen und fairen Blick auf ALLE ein friedliches Zusammenleben verhindernden Phänomene verstellen. Wenn ich schon meine Phantasie bemühen muß, dann sehe ich die Gefahr rechtsnationaler Kloppertruppen, die plündernd und marodierend durch deutsche Innenstädte ziehen nicht deutlicher als die tumb-elitärer Islamisten, die sich gewaltsam gegen alles erheben, was nicht halal oder schariakonform ist.

Am liebsten wäre mir keines von beidem, aber dann muß auch beides klar angesprochen werden, und es muß beidem entschieden ein Riegel vorgeschoben werden.

... warum sollte meine Panik ungültiger sein als Deine?

Dienstag, 2. Februar 2016

N V R H

s ist vielleicht 15 bis 20 Jahre her. Damals arbeitete ich noch als Vektorschubse in einer Agentur. Wir saßen zu viert in einem Raum, der eigentlich für vier Personen zu klein war (vor allem, wenn man bedenkt, daß 2-3 dieser Personen heftigst rauchten). Ständig begleitet wurde unser Tun von rieselnden Radiomelodien, unterbrochen von Kaufappellen. Es gab damals eine Bier-Reklame, die mit dem leicht euphorisch angejauchzten Satz "Deutschland ist schön!" begann. Eben dieser Spot lief nun irgendwann einmal im Radio, als wir bei der Arbeit saßen. Ich hatte nach dem Anfangs-Statement mein 'Stimmt!' noch gar nicht zu Ende gedacht, da nahm ich es auch schon ebenso still und verschämt wieder zurück, angesichts der Reaktionen meiner Mitarbeiter, die es offenbar gar nicht glauben konnten, daß da durch das Radio zum dritten Weltkrieg und zur endgültigen Errichtung des tausendjährigen Reiches aufgerufen wurde. Denn: "Schlimm!" und "Peinlich!" und "So stumpf!" war das alles.

Szenenwechsel: Vor ebenfalls circa 15 bis 20 Jahren saß ich mit drei Freunden im Auto auf dem Weg zu einer Party. Im Radio wurde von einem Flugzeugabsturz berichtet, den niemand überlebt hatte: "Deutsche befanden sich nicht an Bord". Ein zynisches "Na, da haben wir ja nochmal Glück gehabt" und ein schon fast resigniertes, aber immer noch zornerfüllt herausgepreßtes "Ich finde das auch immer so bitter" später hob ich mal vorsichtig meinen Kopf aus dem Schützengraben und sah drei triumphierende Widerstandskämpfer, die es in letzter Sekunde hatten verhindern können, sich den in Richtung neuer Lebensraum abmarschierenden Truppen anzuschließen.

Diese beiden Szenen haben sich mir für alle Zeiten ins Gedächtnis gebrannt, denn sie öffneten mir über einige Dinge die Augen.

In Deutschland sind wir aus sattsam bekannten Gründen alle größtenteils so programmiert, braun lauerndes Gefahrenpotential nicht nur sofort zu erkennen, sondern uns auch sofort davon zu distanzieren. Und das ist gut so. Es schadet sicherlich nicht, wenn ein ganzes Land ein Frühwarnsystem entwickelt hat, welches gegen Unrechtsdiktaturen hilft.

Ist der Distanzierungs-Druck hoch, so beginnt man irgendwann damit, braune Inhalte auch dort zu orten, wo man sie vorher niemals gefunden hat.

Kommt zu dem hohen Distanzierungs-Druck der ebenfalls hohe Lohn des vor Zeugen vernehmbar reingewaschenen Namens und Gewissens, dann sucht man braune Inhalte nicht nur an den unmöglichsten Orten, sondern dann distanziert man sich von ihnen auch in der Gegenwart von Menschen, die nie und nimmer eine Rechtfertigung erwartet, geschweige denn gefordert hätten.

Dann ringt man in der Gegenwart ebenso unverdächtiger wie nicht verdächtigender Kollegen und Freunde mit den Händen und tut lieber so, als sei Deutschland nicht schön, als daß man Autobahn-Verdacht riskiert. Dann weist man den nicht einmal angedachten, geschweige denn ausgesprochenen Vorwurf der Deutschtümelei zurück und erschafft damit erst die unangenehme Situation, in der niemand mehr so richtig weiß, wer hier jetzt wem eigentlich was genau zutraut und wer sich daher ebenfalls noch geschwind reinwaschen sollte.

Es entsteht also, gewollt oder nicht, eine "Ich stand zuerst und jedes Mal mit reiner Weste da!"-Atmosphäre, in der es irgendwann nicht mehr darum geht, an einer Gesellschaft mitzuwirken, in der tatsächlich jede Art von Gewalt, jede Art von Unrecht, jede Art von Haß und jede Art von Intoleranz keinen Platz mehr hat, sondern in der es wichtiger ist, auf sich selbst zu schauen, die Dekoration der eigenen Seele zu pflegen, und den eigenen Seelen-Status permanent hinauszuposaunen: "ABSOLUT NAZI-UNVERDÄCHTIG!"

Wenn es genügt, nicht als Nazi bzw als "Rechts!" verdächtigt zu werden, dann gibt es eben auch nur eines, von dem man sich distanzieren muß. Dann muß man nicht mehr fragen, ob es vielleicht auch nicht-rechte Phänomene gibt, gegen die man sich aussprechen müßte*. Dann wird einfach bei jeder sich bietenden Gelegenheit "Nee! Das geht nicht! Das ist rechts!" gerufen, und dann kommt irgendwann der Zeitpunkt, an dem gar nicht mehr gefragt wird, ob eine Sache "Rechts!" ist, weil sie rechts ist, oder ob eine Sache "Rechts!" ist, weil irgendwer sie "Rechts!" genannt hat.

Weil plakative Selbstbelastung ("Ich bin ein böser Deutscher,...") verbunden mit direkt folgender moralisierender Selbstfreisprechung ("... aber ich bin noch lange nicht so böse wie diese Radiowerbung/diese Rundfunknachricht") offenbar hohen Suchtfaktor hat, wurde bald nicht nur nach rechts geschnüffelt, sondern in alle anderen Richtungen, die sich irgendwie als verwandt darstellen ließen. Bald war es nicht mehr genug, sich von "rechts" zu distanzieren. Bald war man dann auch nur noch sehr ungerne weißhäutig, männlich, christlich, abendländisch etc. Die Währung, mit der für das Reinheits-Rampenlicht gezahlt wurde, war immer die gleiche. Kopfsenken, Brustschlagen, Emporsteigen, Darüberstehen: "Ich bin ein böser Mann, aber ich bin noch lange nicht so böse, wie dieses sexistische Plattencover!" oder "Ich bin ein böser Katholik, aber ich bin noch lange nicht so böse, wie dieser Katechismus!" und so weiter...

Die Nazi-Verdacht-Reinwasch-Hysterie (NVRH) hat mit all ihren Spielarten über Jahrzehnte wunderbar funktioniert, aber sie scheint nun endgültig ihre Wirkung zu verlieren.

Schon im Oktober 2015 (also Monate, bevor an deutschen Grenzen wieder geschossen wurde) fiel einem Volker Beck auf die Einlassung eines Parteikollegen, man werde das mit den Flüchtlingen wohl doch nicht so ohne weiteres schaffen nichts weiter ein als "Wer nur danach ruft, die Zahl zu begrenzen, spielt auf der rechten Klaviatur".

Ahhhhhhh... Die gute, alte "Rechts!"-Warnung... Na dann ist ja alles okay...

Aber was ist das? Die Menschen vernehmen den Warnruf sehr wohl: "Obacht! Rechts!" schallt es ihnen entgegen. Doch was tun sie? Sie bleiben kurz stehen, zucken mit den Schultern, entgegnen "Ja? Und?" und gehen weiter.

Nun ernten wir dick und fett den Jackpot, in den wir jahrzehntelang eingezahlt haben. Wenn "Rechts!" in der Vergangenheit oft nichts weiter war als ein Werbespot, eine Rundfunknachricht, ein Plattencover, ein Modelabel, ein Joghurtgeschmack oder eine Schriftart, dann muß man sich jetzt nicht wundern, wenn der vermeintliche Warnruf "Rechts!" für viele Leute plötzlich überhaupt keinen Schrecken mehr hat sondern - im Gegenteil - dankbar als Wegweiser angenommen wird zu einer Antwort auf Probleme, die man anderenorts lieber nicht angeht, weil man beim Lösungsprozeß vielleicht irgendwann auch Gedanken bemühen muß, die irgendwie ein wenig zu "Rechts!" klingen könnten.

Wer dann welche Lösungen oder Antworten oder Ausreden parat hat, wenn das "Rechts!", vor dem in diesen Tagen gewarnt wird, nicht nur konkurrenzlos bleibt, sondern sich letztlich wirklich als wahrlich, gänzlich und häßlich rechts entpuppen sollte, das steht auf einem ganz anderen Blatt.
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* Extra-Bonus-Schleife: Sollten andere Leute auf die Idee kommen, auf nicht-rechte Phänomene hinzuweisen, gegen die man sich streng genommen auch aussprechen müßte, wenn einem die Rede von Frieden, Freiheit, Toleranz und Gleichheit wirklich etwas bedeutet, und sollte man aufgrund dieser Hinweise eine gewisse Unsicherheit verspüren, ob man dieses Terrain nun wirklich betreten darf oder nicht, dann kann man sich im Notfall immer noch geschickt befreien, indem man das Hinweisen auf diese Phänomene selbst als "Rechts!" brandmarkt.

Montag, 1. Februar 2016

Der Radikale

iane Bednarz hat's erkannt:
    Konservative Katholiken und Evangelikale haben endlich eine politische Kraft gefunden, die zu ihnen passt: die AfD. Sie machen Stimmung gegen Flüchtlinge und den Papst. Die neuen Helden heißen Putin und Orbán.
Wissen wir doch eh alle schon längst: Konservative Katholiken (und Evangelikale) sind in exakt dem Maße genau SO UND NICHT ANDERS, in welchem Moslems, Asylbewerber, Flüchtlinge etc NIE UND NIMMER über einen Kamm geschert werden dürfen.

Sonntag, 31. Januar 2016

Positiv betrachtet...

ach der beschwerlichen und traumatischen Flucht soll es den Leuten in den Unterkünften und Heimen leichter gemacht werden, sich in der neuen Umgebung einzuleben. Deswegen läßt man sie einfach (seit mittlerweile mindestens anderthalb Jahren, wie ein kurzer Blick in die Pressemappe bestätigt) so weiter machen, wie in ihrer alten Heimat.

Samstag, 30. Januar 2016

Frauke hat ein Problem...

etrys Problem ist nicht, daß sie eine Binse losgelassen hat, die jedem Menschen mit Internet-Anschluß und Google-Basis-Wissen zugänglich ist. Petrys Problem ist, daß sie dies zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt und in einem ganz bestimmten Klima getan hat und somit dort fischen geht, wo sie es besser sein lassen sollte (wenn sie denn könnte). Ich habe in den vergangenen Tagen immer versucht, diese "Hau drauf und Schluß"-Stimmung gegen die AfD im Sinne der Sachlichkeit ein wenig zu unterwandern. Nicht, weil mir die AfD so sympathisch ist, sondern weil die reflexartigen Salven oft so doppelzüngig und heuchlerisch waren. Aber Petrys Mangel an Fingerspitzengefühl, Geschmackssicherheit und - ja - auch Dankbarkeit gegenüber den Umständen, die dafür sorgen, daß sie überhaupt noch auf der Landkarte zu finden ist: Dies alles enthüllt mir nun eine Frau die zu gierig ist, zu hochnäsig und entweder viel zu naiv oder viel zu berechnend. Finger weg!