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Dienstag, 2. April 2019

"Wir haben es satt!"

chreien Marie-Theres Beeler, Angela Büchel Sladkovic, Nico Derksen, Monika Hungerbühler, Jacqueline Keune, Elke Kreiselmeyer und Felix Senn als Unterzeichner einer ebenso betitelten Liste von "Konkretisierungen anlässlich des Gesprächs der unterzeichnenden TheologInnen mit Bischof Felix Gmür und Generalvikar Markus Thürig von Mitte Juni 2019".

Stattfinden soll dieses Gespräch "auf Wunsch der Eingeladenen ausserhalb des Ordinariats im Kapuzinerinnenkloster Namen Jesu, einem Frauenort, der Offenheit und Weite atmet". Diese Einleitung sorgt dafür, daß die Konkretisierungen außerhalb meines Toleranzbereiches stattfinden, welcher leider nur ein Alterweißermännerort ist, der in Verschlossenheit und Enge erstickt.

Scherz beiseite. In Wirklichkeit ist es so, daß das Schreiben mich seit fast einem Jahr Abstinenz ausgerechnet in der Fastenzeit mal wieder hinter dem Ofen hervorholt, um einen weiteren Rant abzusetzen. Zarte Gemüter mögen mir den Ausbruch verzeihen und sich mit dem Wissen trösten, daß ihnen dank meiner unterdrückten Tobereien der vergangenen elf Monate sehr viel Empörung, vielleicht gar Riechsalzgebrauch erspart geblieben ist.

Vieles ließe sich über dieses Dokument sagen. Ich will weniger auf die einzelnen Punkte eingehen, die sich manchmal ungeschminkt gegen die kirchliche Lehre richten ("... dass nicht nur keine und keiner vom Tisch Jesu ausgeschlossen wird, sondern explizit alle eingeladen werden), manchmal das in trotzigem Stolz ausgeübte Beschreiten eigener Wege als Gewissensentscheidung verkaufen ("... dass sie nicht nur auf weltkirchliche Antworten warten, sondern – ungeachtet römischer Direktiven ihrem Gewissen folgend – persönlich Verantwortung übernehmen und regionale Lösungen umsetzen") und manchmal in ihrer Dreistigkeit unfaßbar dämlich sind ("... dass sie [die angeschriebenen Bischöfe] keine Männer mehr zu Diakonen und Priestern weihen, bis der Zugang zu diesen Ämtern auch Frauen offensteht").

Ich möchte lieber einmal ganz allgemein darauf aufmerksam machen, daß einerseits aus der Ecke der Unterzeichner immer und immer wieder der "Klerikalismus™" angeprangert wird, es aber andererseits innerhalb der Kirche keine Gruppe gibt, die so sehr auf den Klerus fixiert ist, wie die von unten kirchenden Los-von-Rom Volksbegehrer. Wenn ich diese Konkretisierungen oder vergleichbare Dokumente lese, dann scheint es mir manchmal, als beschäftigten die Worte und Handlungen der Priester die Verfasser nicht nur den lieben, langen Tag, sondern als folgten sie ihnen gar bis in ihre Träume.

Wenn ich als Gemeindepriester an den vollkommen entspannten Augenhöhen-Umgang denke, den meine Schäfchen mit mir pflegen, und wenn ich mir die Selbstverständlichkeit vor Augen rufe, mit der die Ministranten, Lektoren, Musiker und Kantoren ihre Dienste ausüben, dann drängt sich mir dann schon die Frage auf, wer es denn eigentlich ist, der den Klerus auf ein so hohes Piedestal stellt.

Und das ist dann auch der fiese Trick dieser Leute. Denn natürlich gibt es den Klerikalismus auch in kirchlich konservativen Kreisen. Dort tritt er aber meiner Erfahrung nach in der Form auf, daß Laien den Priester auf den Sockel heben (wollen) und der Priester ihnen charmant-bestimmt zu verstehen gibt, daß er sich dort oben viel zu wichtig vorkäme.

Die von den Nörgelprogressisten auf das Piedestal gehievten Priester können aufgrund der Natur der ausgesprochenen Forderungen von dort oben leider nicht runterklettern, denn das würde bedeuten, daß sie nicht das Bild, welches die Laien sich von ihnen machen (wollen) zurechtrücken, sondern daß sie ihre priesterliche Identität leugnen. So können also die Verfasser der Konkretisierungen und ihre Vormacher, Nachmacher, Mitmacher und Jubelalraunen über eine kunstvoll erschwindelte Erhöhung die Nase rümpfen, wohl wissend, daß sie - wenn sie schon nicht den Sieg davontragen werden - ihre selbstgedrechselte Existenzberechtigung (nämlich das Fordern, Jammern und Anprangern) nie verlieren werden.

Hinzu kommt für mich persönlich der Zweifel, daß es in der herbeigesehnten "herrschaftsfreien Anderskirche" (kein Scheiß!) tatsächlich so herrschaftsfrei und machtentsagend zugehen wird. Dafür schwingt im Stil dieses Dokuments für meinen Geschmack einfach viel zu viel Glaube an die eigene Unfehlbarkeit mit.

Mittwoch, 17. Februar 2016

Wenn der Name zum Verhängnis wird...

m Zusammenhang mit dem Interview, das Kardinal Marx dem heute-juornal gab, fand ich auf heute.de einen Bericht, der eine mehr als interessante Zwischenüberschrift enthält:

"'Wir sind Kirche' fordert mehr kirchliches Engagement" heißt es da.

Und ich denk mir so: 'Hey! Ihr seid doch Kirche! Also hebt gefälligst Eure Hinterteile und engagiert Euch bis zum Pupillenstillstand! Dann haben wir mehr kirchliches Engagenemt...'

Dienstag, 26. Mai 2015

Mission: Stimmungsmache...

In der Passauer Neue Presse hieß es im Teaser für ein Interview, welches der Passauer Oberhirte der Zeitung gab, noch "Bischof Oster warnt vor Spaltungstendenzen". In der Mittelbayerischen Zeitung wird der gesamte Text dann wiedergekäut, dieses Mal aber bereits unter dem Titel "Im Bistum Passau grummelt es gewaltig". Neu ist bei der Mittelbayerischen auch der einleitende Text, den man aber brauchte, um das Alarmwort einzufügen, welches auf gut pawlowsche Art die gewünschte Reaktion auslösen soll:
    Nach einem Jahr als Bischof steht Stefan Oster in der Kritik. Er selbst sieht das anders – und bleibt konservativ.
Der erste Absatz des Textes zeigt dann sogleich, was dran ist an der Massenpanik im Bistum:
    Ein Jahr nach der Amtseinführung von Bischof Stefan Oster grummelt es in Teilen des Bistums Passau. Die große Begeisterung des Anfangs ist hier und da einer Ernüchterung gewichen. Nach Informationen der Passauer Neuen Presse (PNP) ist die Enttäuschung über den als konservativ empfundenen Oberhirten in einzelnen Pfarreien mittlerweile so groß, dass man dort nicht mehr bereit ist, auf das zu hören, was „aus dem Ordinariat kommt“. Demnach sollen auch Sätze gefallen sein wie „Wir machen unser Ding alleine – Volkskirche, das sind wir.“
"Hier und da" gibt es "in Teilen des Bistums Passau" also ein Grummeln (aber kein gewaltiges). Wir wissen dies, weil nach Informationen der Zeitung etwas geschehen sein soll...

Die Aktion ist einigermaßen durchschaubar: Ein deutscher Bischof erkühnt sich, den aus der ZdK-Wundertüte gezauberten Ideen und Forderungen nicht zustimmend oder wenigstens schweigend zu registrieren, sondern sieht sich nüchtern vor die Aufgabe gestellt, hin und wieder einfach mal Klartext reden dürfen bzw zu müssen. Und nicht nur das: Er bekommt von fünf weiteren deutschen Bischöfen auch noch dankende Worte und Rückenwind! Jetzt aber fix her mit dem "Konservativ"-Etikett! Denn je eher das haftet, desto schneller kann man die handelsüblichen Steigerungen an den Mann bringen ("erzkonservativ", "ultrakonservativ", "fundamentalistisch" und - weil man es ja mit der Sorgfalt offenbar ohnehin nicht so genau nehmen muß "nach unseren Informationen angeblich der Piusbruderschaft nahestehend").

Daß das vernehmlichste Grummeln im Bistum Passau momentan wohl aus dem Magen des Oberhirten kommt, kann ich Bischof Stefan mehr als nachsehen. Ich bin ja schon verstimmt, obwohl es mich nur indirekt betrifft.

Die Zeitungen haben jedenfalls die Rechnung ohne den Bischof gemacht. Denn der ist nicht nur jung und in der Diözese doch wohl eher beliebt, sondern er nutzt auch die Sozialen Netzwerke und schreckt vor Klarstellungen und Einspruch nicht zurück.

Mal sehen, ob die Leute von der "Volkskirche" ihr "Ding" wirklich "alleine" machen werden, oder ob sie sich doch lieber vor den Karren spannen lassen werden...

Freitag, 22. Mai 2015

Immer schön im Hier und Jetzt...

Im Landkreis Schweinfurt ist man auf dem Weg zurück in die Vergangenheit. So liest man es in der Main-Post.

"Zurück in die Vergangenheit" ist WisiKi-Code für "Der Priester hat nicht 'Heilig, Heilig, Heilig' gesungen, sondern 'Sanctus, Sanctus, Sanctus'!":
    Wieder einmal feiert Pfarrer Christoph Dörringer in seiner katholischen Pfarreiengemeinschaft „Maria Hilf“ Wasserlosen Gottesdienst teilweise in lateinischer Sprache.
Und als ob dies noch nicht genug wäre:
    Es geht ihnen aber nicht nur um die Messe, sondern um Grundsätzliches. Sie lehnen die „sehr konservative Grundhaltung“ ihres Priesters ab, der gerne in seiner Soutane unterwegs und von hierarchischem Denken geprägt sei. Hinter vorgehaltener Hand wird kritisiert, dass ehrenamtliche Gottesdienstbeauftragte seit dem Amtsantritt des heute 46-Jährigen vor fünf Jahren nicht mehr tätig werden können, weil der Pfarrer selbst mit Vikar und Ruhestandsgeistlichen alle Gottesdienste abdeckt.
Wir lernen: Vergiß mal die nebensächliche Messe und schau lieber auf den grundsätzlichen Soutanen-Fimmel! Plus: Wir sind schon echt geprüft, geplagt und geschlagen, weil die Messen von geweihten Priestern gefeiert werden, obwohl doch so viele Beauftragte bereitstehen.

Zusammenfassend bezeichnert ein WisiKi'ler...
    ... die Feier einer lateinischen Messe sowie auch einer nach dem alten Ritus als nicht in die heutige Zeit passend.
Wenn ich nur das gelten lasse, was in die "heutige Zeit" paßt, dann kann ich auch gleich jeglichen Versuch, Willen und Anspruch aufgeben, mich wenigstens ansatzweise für den Bruchteil eines Augenblicks mal entführen zu lassen in eine Erfahrung, die die Dinge der Welt übersteigt.

Dann kann ich mich für noch so beGEISTert halten, noch so viel FAIRständnis haben und noch so viel beWIRken wollen: Dann werde ich trotzdem, wenn göttliche Zungen sich meiner Seele nähern, mich vor Speichel ekeln, anstatt mich über das Wort zu freuen.